Prof. Dr. Benjamin Loy - Heinz Maier-Leibnitz Preisträger 2026
Romanische Literaturwissenschaft, LMU München
Mit der Globalisierung der Welt ist auch die Globalisierung der Literatur einhergegangen. Romane zirkulieren in den asymmetrischen Strukturen des globalen Buchmarkts als Ware um die Welt. Eine weltweite Leserschaft setzt sich mit literarischer Innovation und fremden Erzählwelten auseinander. Bereits seit seiner Dissertation hat Benjamin Loy neben den Nationalliteraturen Frankreichs und Spaniens wegweisend zu Texten der „neuen“ Weltliteratur aus Lateinamerika geforscht und damit die klassischen Grenzen seines Fachs erweitert. Dabei geht es Loy immer um die ästhetischen Merkmale im Kontext von Ideen-, Sozial- und Kulturgeschichte. Inwiefern folgen Erzählstrategien aus dem Globalen Süden beispielsweise der (westlichen) Vorstellung, dass global rezipierte Literatur der Ausbildung eines kosmopolitischen Weltbewusstseins dienen könnte? Es zeigt sich nicht nur im Werk des Chilenen Roberto Bolaño: Die Erzählwelten und transkulturellen Bezugssysteme von Autor*innen des Globalen Südens stellen westliche Vorstellungen von Literatur, der Welt und des Fortschritts in Frage. Sie schaffen Ästhetiken, die beispielsweise die Folgen von Kolonialismus und Gewalt herausstellen oder alternative Zeitkonzepte zu vermeintlich universellen, westlichen Zeitregimen bieten.