Plenarsitzung der MAK-Kommission 2026
Herausforderungen durch unzureichende Datenlage relevanter Substanzen und Rückblick auf die Festveranstaltung anlässlich des 70-jährigen Bestehens der Kommission / Insgesamt 70 neue Veröffentlichungen im Jahr 2025
Am 12. März 2026 trafen sich die Mitglieder, Ständigen Gäste und Gäste der Ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) in Bonn zur diesjährigen Plenarsitzung und blickten gemeinsam auf das vergangene Jahr zurück.
Am 01.10.2025 fand im Futurium in Berlin anlässlich des (interner Link) ein Tag der offenen Wissenschaft statt. Die Kommission konnte hierbei interessante Themen rund um das Thema „Gefahrstoffe am Arbeitsplatz“ aufbereiten und der wissenschaftsinteressierten Öffentlichkeit Einblicke in die Arbeit der Kommission ermöglichen. Das große Interesse an der Veranstaltung hat eindrücklich die gesellschaftliche Relevanz und die Bedeutung der Kommission für den Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz verdeutlicht. Im Zusammenhang mit der Veranstaltung ist unter anderen ein (interner Link) über die Arbeit der Kommission entstanden.
Auch wenn das zurückliegende Jahr vom Jubiläum geprägt war, wurde die konkrete Arbeit der Kommission mit hohem Engagement weitergeführt. Im Mittelpunkt der Arbeit der Kommission steht seit jeher die wissenschaftliche Empfehlung von Grenzwerten für arbeitsplatzrelevante Stoffe. Die Grundlage hierfür sind die Analyse und Integration aller verfügbarer Informationen, Erkenntnisse oder Studien, die zu einer Substanz vorliegen. Eine besondere Herausforderung ist hierbei die oft unzureichende Datenlage. Toxikologische Studien(Popup Link) und insbesondere Erkenntnisse zu Wirkungen im Menschen fehlen immer häufiger, gerade wenn es um sehr empfindliche Parameter toxischer Wirkungen geht. Die Ursache hierfür liegt unter anderem auch im Verlust toxikologischer Forschungsperspektiven im Wissenschaftssystem. Grundsätzlich erfordert die Ableitung von Grenzwerten die Zusammenführung von Erkenntnissen, die in sehr unterschiedlichen Modellen und Spezies gewonnen wurden. Zum Teil muss mit Korrelationen gearbeitet bzw. auf Substanzähnlichkeiten zurückgegriffen werden. Diese aufwändige Integration von Datensätzen und wissenschaftlichen Erkenntnissen ist anspruchsvoll und gelingt nur durch die Zusammenarbeit unterschiedlicher Fachgebiete in der Kommission. Im Idealfall wird erreicht, den Wirkungsmechanismus der jeweiligen Substanz zu identifizieren. Auf dieser Basis gelingt dann auch die risikobasierte Bewertung der Substanz und die Empfehlung von schützenden Grenzwerten.
In den letzten Jahren sind zudem zahlreiche alternative Ansätze zur Bewertung von Substanzen entwickelt worden. Zu den Perspektiven und Begrenzungen dieser sogenannten New Approach Methods (NAMs), zu denen insbesondere Daten- oder KI-basierte Simulationsansätze, aber auch Hochdurchsatz-Testsysteme gehören, hat die Kommission bereits eine (Download) verfasst. Zusätzlich stehen umfangreiche umweltepidemiologische Kohortenstudien zur Verfügung, die unter Verwendung statistischer Ansätze zum Teil auch für die Gefahrstoffbewertung am Arbeitsplatz genutzt werden könnten. Hiermit beschäftigt sich eine eigene Arbeitsgruppe der Kommission. Insofern war auch das vergangene Arbeitsjahr geprägt von der beständigen Erweiterung der Expertisen der Kommission, der Befassung mit neuen methodischen Ansätzen, um trotz eingeschränkter Datenlage das Gefahrenpotential von möglichst vielen relevanten Substanzen bewerten zu können.
In den Berichten der Arbeitsgruppen der Kommission wurde deutlich, dass diese Arbeitsteilung zur Effizienz und hohen Qualität der Ergebnisse beiträgt. Über die Befassung mit Fragen der Hautresorption, Sensibilisierung, inhalativer oder krebserzeugender Wirkungen oder möglichen Effekten auf die Keimbahn, die in jeweiligen Arbeitsgruppen geprüft werden, kann die Wirkung von Substanzen umfassend betrachtet und wirkungsvolle Ansätze für den gesundheitsschützenden Umgang damit beschrieben werden. Ergänzt durch die Arbeitsgruppen, die sich mit der Messung der Substanzen befassen, ergeben sich wissenschaftliche Empfehlungen, die unmittelbar in Maßnahmen für den Arbeitsschutz umgesetzt werden können.
Im Rückblick auf das vergangene Jahr können einige besonders komplexe Bewertungen hervorgehoben werden.
Zu Mangan und seinen anorganischen Verbindungen erfolgte eine Reevaluierung des MAK-Wertes für die alveolengängige Fraktion unter Einbeziehung von Schweißerstudien, da Schweißen als wichtigste Expositionsquelle an Arbeitsplätzen in Deutschland gilt. Hierzu wurde eine Vielzahl von Studien gesichtet und in Zusammenarbeit mehrerer Arbeitsgruppen bewertet. Letztlich konnte für die alveolengängige Fraktion eine Anhebung des MAK-Wertes von 0,02 mg/m³ auf 0,05 mg/m³ beschlossen werden.
Melamin ist ein wichtiger Ausgangsstoff für die Herstellung von Melaminharzen, die als Kunststoffe oder Klebstoffe verwendet werden. Vor einigen Jahren gab es einen Massenvergiftungsfall in China durch die Kontamination von Milch und Milchpulver mit Melamin, der zu einer großen Verunsicherung in der Bevölkerung und bei beruflich Exponierten führte. Mit dem BAT-Wert von 300 µg Melamin/l Urin steht ein gesundheitsbasiert abgeleiteter Wert für das Humanbiomonitoring zur Verfügung, mit dem die Belastung gegen Melamin exponierter Personen beurteilt werden kann. Ausgehend vom BAT-Wert konnte zudem ein MAK-Wert von 15 µg/m³ abgeleitet werden.
Für Lithium, das in der Psychiatrie schon seit Jahrzehnten therapeutisch bei bipolaren, aber auch bei rezidivierenden depressiven Episoden eingesetzt wird, das aber auch essenzieller Bestandteil moderner Technologien ist und damit zur zunehmenden beruflichen Belastung von Beschäftigen beiträgt, wurde mit dem BAT-Wert in Höhe von 0,7 mg Lithium/l Serum ein weiterer gesundheitsbasiert abgeleiteter Wert für die Beurteilung von Lithiumbelastungen evaluiert.
Die Ergebnisse der Kommissionsarbeit wurden auch im letzten Jahr nach Abschluss der Kommentierungsphase auf der Publikationsplattform „MAK Collection“ als MAK- und BAT-Werte-Liste und als Zeitschrift „The MAK Collection for Occupational Health and Safety“ im open access für die Wissenschaft und Öffentlichkeit zugänglich gemacht. Inzwischen sind die ersten Publikationen auch in PMC und Pubmed auffindbar. Insgesamt konnten im Jahr 2025 70 Veröffentlichungen, davon 40 MAK- und 10 BAT-Begründungen, die Beschreibung von 10 Luftanalysen- und 10 Biomonitoring-Methoden, publiziert werden. Diese hohe Anzahl an Veröffentlichungen verdeutlicht einmal mehr das hohe ehrenamtliche Engagement aller an der Kommission beteiligten Personen. Erstmalig gab es im Zuge der öffentlichen Kommentierungsphase, die vor der finalen Veröffentlichung der Ergebnisse stattfindet, keine An- und Rückfragen, was die hohe Qualität und breite Akzeptanz der Ergebnisse eindrucksvoll bestätigt. Im Zentrum der Arbeitsfähigkeit der Kommission steht das wissenschaftliche Sekretariat. Die dort mit hoher Kompetenz durchgeführten Recherchen und erarbeiteten Diskussionsgrundlagen bilden die Voraussetzung für die von der Kommission geleistete Arbeit. Im letzten Jahr ist es gelungen, mit dem Abschluss eines Vertrags zwischen dem KIT und der DFG eine alternative Finanzierung für das Sekretariat zu etablieren, die für die Aufgabe angemessene Arbeitsmöglichkeiten für die Mitarbeitenden dauerhafter sicherstellt.