Personalisierte Medizin verfolgt das Ziel, Diagnose- und Behandlungsverfahren stärker an den individuellen Merkmalen einer Person auszurichten. Sie soll zu genetischen Gegebenheiten, Stoffwechsel, Lebensstil, Alter und Geschlecht passen. Der Ansatz zielt darauf ab, therapeutische Maßnahmen präziser und wirksamer zu gestalten als es standardisierte Verfahren ermöglichen.
In der Krebsforschung kommen zunehmend personalisierte Immuntherapien zum Einsatz. Für bestimmte Patient*innen eröffnen sich dadurch neue Behandlungsoptionen, insbesondere dann, wenn konventionelle Therapien nicht ausreichend wirksam sind. Weitere zentrale Forschungsfelder betreffen Arzneimittelwechselwirkungen und die individuelle Verträglichkeit von Medikamenten. Risiken patientenspezifisch besser vorhersagen zu können und dadurch die Sicherheit in der Therapie zu erhöhen ist das Ziel. Eine wichtige Voraussetzung dafür ist eine verlässliche Datenbasis, wie zum Beispiel genetische Analysen, Laborwerte, bildgebende Verfahren oder Gewebeuntersuchungen. Je stärker Therapien individualisiert werden sollen, desto größer ist der Bedarf an präzisen diagnostischen Informationen. Diese Verfahren sind oft teuer und aufwendig. Gleichzeitig können durch individualisierte Behandlungen aber auch Kosten gespart werden, da Nebenwirkungen verringert und unnötige Therapien reduziert werden.
Welches Potenzial steckt in der Forschung zu Personalisierter Medizin? Wann bringen Hightech-Diagnostik und individualisierte Therapien einen Vorteil für Patient*innen und das Gesundheitssystem? Wie wird der Zugang zu solch kostenintensiver Medizin gerecht geregelt? Kurzum: Wie schaffen wir eine Medizin, die nicht nur die Besonderheiten des einzelnen Menschen berücksichtigt, sondern für alle verfügbar und bezahlbar ist?
Claudia Lengerke studierte Humanmedizin in Tübingen und Timișoara (Rumänien). Sie promovierte und habilitierte in Tübingen und absolvierte dort auch ihre Facharztweiterbildungen in Innerer Medizin sowie in Hämatologie und Internistischer Onkologie. Prägend für ihre wissenschaftliche Laufbahn war ein Forschungsaufenthalt von 2004-2007 an der Harvard Medical School, Boston, USA. Ergänzend absolvierte sie Managementweiterbildungen im Gesundheitswesen am mibeg-Institut in Köln (2017–2018) sowie ein CAS (Certificate of Advanced Studies) in Systemischem Management im Gesundheitswesen an der Universität St. Gallen in der Schweiz (2018–2019).
Seit 2020 ist sie Professorin und Ärztliche Direktorin der Inneren Medizin II am Universitätsklinikum Tübingen mit den Schwerpunkten Hämatologie, Onkologie, Klinische Immunologie und Rheumatologie. 2024 wurde sie zudem Vorsitzende des Tübinger Zentrums für Zelltherapie. Ihre wissenschaftliche Arbeit konzentriert sich auf die Tumorheterogenität mit dem Ziel, Therapieresistenzen und Tumorrezidive besser zu verstehen und neue Behandlungsstrategien zu entwickeln. Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Entwicklung und klinischen Umsetzung innovativer Zell- und Gentherapien.
Nach Aufenthalten im Ausland, unter anderem an der Stanford University, wurde Norbert W. Paul 2004 zum Direktor des Instituts für Geschichte, Theorie und Ethik der Medizin der Universitätsmedizin der Johannes Gutenberg-Universität Mainz berufen.
Seine Forschungsschwerpunkte sind philosophisch und theoretisch fundierte Analysen zu ethischen und sozialen Dimensionen der Medizin und ihrer Zukunftstechnologien. Dazu gehören aktuell vor allem Untersuchungen zur Abschätzung von Konsequenzen der Implementierung individualisierter Therapien. Jüngere Drittmittelprojekte und Publikationen befassen sich mit der Einbettung personalisierter Verfahren der Medizin in präventive und partizipative Strategien der Therapiezielfindung sowie eine gerechten Gesundheitsversorgung.
Norbert W. Paul ist zudem in der Krankenversorgung im Bereich der Klinischen Ethik engagiert und leitet den deutschsprachigen weiterbildenden Masterstudiengang Medizinethik. Neben einer Reihe anderer akademischer Ämter ist er ist korrespondierendes Mitglied der Akademie der Wissenschaften und Literatur, Vorsitzender des Klinischen Ethikkomitees der Universitätsmedizin Mainz und des Ethikbeirats des Ministeriums für Wissenschaft Gesundheit des Landes Rheinland-Pfalz.
Dr. Thomas Kaiser erwarb 1990 seinen Abschluss zum Systementwickler. 1999 schloss er sein Studium der Humanmedizin ab. 2002 gründete er, gemeinsam mit weiteren Personen, das Institut für evidenzbasierte Medizin DIeM in Köln.
2004 wurde das Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen (IQWiG) in Köln gegründet. Hier übernahm er von Beginn an bis 2023 die Leitung des Ressorts Arzneimittelbewertung.2008 erhielt Thomas Kaiser den Bill Silverman Preis der Cochrane Collaboration (gemeinsam mit drei weiteren Mitarbeitern des IQWiG). 2011 folgte der David Sackett Preis des Deutschen Netzwerks für evidenzbasierte Medizin (Preisvergabe für das Ressort Arzneimittelbewertung des IQWiG). Seit dem 1. April 2023 leitet Thomas Kaiser das IQWiG.
Lisa Seemann ist freiberufliche Journalistin und beschäftigt sich mit gesellschaftlichen und politischen Fragen. Zur Person
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