The Guild-Jubiläum in Brüssel

DFG-Präsidentin stellt Nexus-Vorschlag vor 

Ein Blick in den Saal mit Ballons, die "10" und "Guild" bilden, Katja Becker spricht auf Monitoren zur Festgesellschaft

DFG-Präsidentin Katja Becker spricht beim Jubiläum von "The Guild"

© DFG

DFG-Präsidentin Katja Becker hat am 15. Oktober 2026 bei der Feier zum zehnjährigen Jubiläum des europäischen Universitätsverbunds „The Guild“ das gemeinsame Konzept von DFG, Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Wissenschaftsrat für eine europäische Exzellenzinitiative „Nexus“ vorgestellt. Die drei Organisationen setzen sich dafür ein, Nexus in das 10. EU-Forschungsrahmenprogramm (2028–2034, FP10) aufzunehmen, über dessen Ausgestaltung die EU-Institutionen derzeit verhandeln. 

Der Rat der Europäischen Union hat bereits am 26. Juni 2026 eine teilweise Einigung zum FP10-Vorschlag der Kommission erzielt. Auf Initiative der französischen und polnischen Regierungen wurde dabei die Möglichkeit zur Förderung großformatiger Exzellenzverbünde ergänzt, bei denen die Wissenschaftler*innen ihre Themen selbst bestimmen. Damit könnte sich eine Möglichkeit für die Einführung von Instrumenten wie Nexus eröffnen. Die Position des EU-Parlaments zum FP10-Vorschlag der Kommission wird für Ende November erwartet. Im für die Forschung zuständigen ITRE-Ausschuss hatte der Europaabgeordnete René Repasi ebenfalls im März 2026 mit dem „Sektorenplan“ ein Instrument zur Stärkung der Bottom-up-Verbundforschung vorgeschlagen.

Diese vielfältigen Initiativen für europäische Exzellenzverbünde standen im Mittelpunkt einer Podiumsdiskussion im Rahmen der Jubiläumsveranstaltung von The Guild. DFG-Präsidentin Katja Becker berichtete von den Erfolgen der Exzellenzstrategie in Deutschland, auf denen die Nexus-Idee aufbaut. Der ehemalige ERC-Präsident Jean-Pierre Bourguignon erörterte Chancen und Risiken eines solchen Instruments beim Europäischen Forschungsrat (ERC). El Mouhoub Mouhoud, Präsident der Universität Paris Sciences et Lettres, stellte die positiven Erfahrungen mit dem französischen Exzellenzprogramm „Laboratoires d’Excellence“ (LabEx) vor, das einen Bezugspunkt für das französisch-polnische Konzept darstellt. Alexandra van Huffelen, Präsidentin der Universität Radboud, präsentierte die Erfahrungen mit dem niederländischen Modell der Sektorenpläne, an dem sich der Vorschlag von René Repasi orientiert. Jens Kreisel, Rektor der Universität Luxemburg und Vorstandsmitglied von The Guild, stellte wiederum den kürzlich veröffentlichten Vorschlag von The Guild für „Scale-Up Research Actions“ (SUPRA) vor, der die Förderung exzellenter Forschungsverbünde in ähnlicher Weise wie Nexus vorsieht.

Laut dem Nexus-Konzept(Download) würden exzellente Forschungsteams aus mindestens drei Hochschulen oder Forschungseinrichtungen – idealerweise aus drei verschiedenen EU-Ländern – gefördert, die langfristig zu einem Forschungsthema ihrer Wahl zusammenarbeiten. Leitprinzipien des Instruments wären Wissenschaftsgeleitetheit, thematische Offenheit sowie eine strikte Orientierung an wissenschaftlicher Exzellenz. Die in Europa verteilte Exzellenz würde somit systematischer miteinander verbunden und die für wissenschaftliche Durchbrüche erforderliche kritische Masse geschaffen. In FP10 könnten in einer Pilotphase 20 Exzellenznetzwerke mit jeweils 20 Millionen Euro pro Jahr über einen Zeitraum von sieben Jahren finanziert werden. 

Aus den Diskussionen bei The Guild und weiteren Veranstaltungen in den letzten Wochen haben sich insbesondere folgende Aspekte herauskristallisiert, die für die Realisierung eines neuen Instruments wie Nexus entscheidend sein werden:

  • Im Mittelpunkt sollte – wie im Nexus-Konzept vorgesehen – die Förderung von Forschungsverbünden und nicht einzelner exzellenter Forschungsinstitutionen stehen. Dies steht der ursprünglichen Idee von Mario Draghi entgegen, der sich in seinem Bericht zur Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit Europas für einen „ERC for Institutions“ ausgesprochen hatte.
  • Die Verortung eines neuen Instruments im ERC – wie im Nexus-Konzept ursprünglich vorgesehen – wäre aufgrund dessen Reputation und bewährter Verfahren zur Evaluierung von Exzellenz zwar naheliegend, aber ohne zusätzliche finanzielle Mittel und eine Erweiterung seiner administrativen Kapazitäten nicht realisierbar. Noch dazu nimmt die Überzeichnung der Förderinstrumente seit Kurzem deutlich zu. Bei einer Verortung in der 2. Säule von FP10 wiederum müssten die zentralen Prinzipien einer ERC-Förderung gewahrt bleiben (Exzellenz, Themenoffenheit, Ideenentwicklung bottom-up).
  • Die zu erwartenden Kürzungen am von der Kommission vorgeschlagenen Budget für die Forschung im nächsten mehrjährigen Finanzrahmen (2028–2034) könnten die Realisierbarkeit neuer Instrumente erheblich erschweren, wenn sie nicht zulasten bestehender Programme und Instrumente umgesetzt werden sollen.

Die Diskussionen und schiere Anzahl der Vorschläge verdeutlichen zugleich die wachsende Anerkennung, dass im EU-Förderportfolio eine Lücke besteht, die ein Instrument wie Nexus schließen könnte. Sie stellen deswegen einen Appell an die Entscheidungsträger in den EU-Institutionen dar, in den FP10-Verhandlungen die Weichen für die Einführung eines neuen Instruments für die Bottom-up-Verbundforschung zu stellen.

Im Rahmen einer weiteren Podiumsdiskussion zu europäischen Exzellenzverbünden beim EU-Strategietag der HRK am 28. September 2026 in Brüssel hatte sich Marc Lemaître, Generaldirektor Forschung und Innovation der EU-Kommission, offen gegenüber der Realisierung eines solchen Instruments in Säule 2 gezeigt und MEP Christian Ehler, federführender Berichterstatter für die FP10-Verordnung im EU-Parlament, ausdrücklich auf die Möglichkeit einer Pilotierung in FP10 hingewiesen.

Die DFG und ihre am Konzept beteiligten Partner werden sich weiter für die Umsetzung von Nexus in FP10 stark machen.