DFG würdigt frühe Erfolge in den Geowissenschaften
Bernd Rendel-Preis 2026 geht an die Doktorand*innen Johannes Mast und Sara Nazari
Für ihre originelle und vielversprechende geowissenschaftliche Forschung vor ihrer Promotion erhalten der Doktorand Johannes Mast vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) am Standort Oberpfaffenhofen und die Doktorandin Sara Nazari vom Leibniz-Zentrum für Marine Tropenforschung (ZMT) in Bremen sowie der Universität Kiel den diesjährigen Bernd Rendel-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie wurden von einer Jury aus Mitgliedern der geowissenschaftlichen DFG-Fachkollegien ausgewählt.
Die Ausgezeichneten erhalten je 3.000 Euro aus der Bernd Rendel-Stiftung, verwaltet vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft. Das Preisgeld soll ihnen unter anderem die Teilnahme an internationalen Kongressen und Tagungen ermöglichen. Verliehen wird der Preis während der Jahrestagung der Deutschen Geologischen Gesellschaft – Geologische Vereinigung (DGGV), die vom 20. bis 24. September 2026 in Bochum stattfinden wird.
Johannes Mast forscht im Bereich der Mensch-Umwelt-Beziehungen, wobei er einen neuartigen Ansatz verfolgt. Er ergänzt über Satelliten gewonnene Fernerkundungsdaten um alternative Geodatentypen. Dies ist wichtig, da zentrale Prozesse des Globalen Wandels wie Urbanisierung, Landnutzungsänderungen und Klimawandel maßgeblich durch soziale Aspekte menschlichen Handelns geprägt sind.
Um diese zu verstehen, untersucht Mast, wie soziale Faktoren von Migration mittels öffentlicher Textdaten aus sozialen Medien und Nachrichtenartikeln erfasst werden können. Dabei setzt er Orts- und Mobilitätsinformationen der Autor*innen mit den Inhalten ihrer Textbeiträge in Beziehung. Durch diese Verknüpfung gelingt es ihm, physische Veränderungen der Landoberfläche in einen sozioökonomischen Kontext zu stellen.
Ein Beispiel: In vielen afrikanischen Städten ist die Tweet-Dichte in neu entstandenen Stadtteilen deutlich geringer als in den etablierten Zentren. Dies deutet Mast zufolge darauf hin, dass die digitale Präsenz in Städten oft hinter deren physischer Ausbreitung zurückbleibt – ein Hinweis auf digitale Ungleichheiten in urbanen Transformationsprozessen. Mit seinem interdisziplinären Ansatz schlägt Mast eine Brücke zwischen geowissenschaftlichen Big Data aus Erdbeobachtung und sozioökonomischen Big Data aus Webdaten. Das mit dem Rendel-Preis einhergehende Preisgeld möchte er daher für den Besuch wissenschaftlicher Tagungen einsetzen, um seine Arbeiten über die geowissenschaftliche Community hinaus zu vermitteln.
Sara Nazari befasst sich in ihrer Forschung mit dem Grundwasser. Sie hat originelle interdisziplinäre Wege zur globalen Quantifizierung von Grundwasserentnahmen und -neubildung geschaffen sowie einen Index für globalen Grundwasserstress, der erstmals klimatische und gesellschaftliche Treiber integriert. Nazaris Interesse resultiert aus ihren tiefgreifenden Erfahrungen mit dem Rückgang von Grundwasser in Iran, wo sie ihre Masterarbeit über das Konfliktmanagement zu Grundwasserressourcen verfasste. Ihre Forschung in Zusammenarbeit mit den unterschiedlichen lokalen Stakeholdern zeigt detailliert auf, wie stark die Grundwasserproblematik an menschliches Verhalten, Institutionen und geteilte Verantwortlichkeiten gebunden ist.
Im Rahmen ihrer Promotion hat Nazari Grundwasserrisiken schließlich auf der globalen Skala erforscht und die Verbindung von naturwissenschaftlicher Modellierung und sozio-institutioneller Analyse fortgesetzt. So entwickelte sie einen Index für globalen Grundwasserstress, der es nicht nur ermöglicht, herauszufinden, wo das Grundwasser gefährdet ist. Der Index zeigt auch, in welchen Regionen sich dieser Druck mit der größten Wahrscheinlichkeit in soziale Konflikte wandeln wird und wo politische Steuerung und Anpassungsmaßnahmen am dringendsten benötigt werden. Auf diese Weise will Nazari zu einem tieferen Verständnis dafür beitragen, wie Grundwasserressourcen bei steigenden Herausforderungen nachhaltig verwaltet werden können.
Die DFG verleiht den Bernd Rendel-Preis seit 2002 jährlich an noch nicht promovierte Absolvent*innen der Geowissenschaften für wissenschaftliche Zwecke. Die Preisgelder werden vom Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft verwaltet. Die Stiftung wurde von der Familie des jung verstorbenen Geologie-Studenten Bernd Rendel zu seiner Erinnerung gegründet.
Weiterführende Informationen
Weitere Informationen zum Bernd Rendel-Preis sowie zu bisherigen Preisträger*innen unter: (interner Link)
| E-Mail: | presse@dfg.de |
| Telefon: | +49 228 885-2109 |
| E-Mail: | Ismene.Seeberg-elverfeldt@dfg.de |
| Telefon: | +49 (228) 885-2825 |