DFG-Präsidentin Katja Becker diskutiert Entwürfe für das nächste EU-Forschungsrahmenprogramm mit Abgeordneten des EU-Parlaments
Gemeinsam mit Mitgliedern des Forschungsausschusses (ITRE) und weiteren Vertreter*innen europäischer Forschungsorganisationen diskutierte DFG-Präsidentin Katja Becker am 27. Februar in Brüssel die künftige Ausgestaltung des nächsten EU-Forschungsrahmenprogramms (FP10, 2028–2034). Das parlamentarische Frühstück fand auf Einladung der Europaabgeordneten Lina Gálvez statt und wurde von Science Europe organisiert, dem Zusammenschluss von 40 europäischen Forschungs- und Förderorganisationen, in dessen Leitungsgremium die DFG-Präsidentin seit November 2025 vertreten ist.
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Der Austausch fiel in eine entscheidende Phase, in der das Europäische Parlament seine Position zu den Vorschlägen der Europäischen Kommission für das nächste Rahmenprogramm vorbereitet. Science Europe hatte Änderungsvorschläg(externer Link) zu den Entwürfen der Kommission erarbeitet, die den Abgeordneten vorgestellt wurden. Unter ihnen waren auch die verantwortlichen Berichterstatter für die beiden für FP10 zentralen Verordnungen, die Abgeordneten Christian Ehler und René Repasi.
DFG-Präsidentin Becker brachte in die Diskussion insbesondere die gemeinsamen Empfehlunge(Download) für FP10 von DFG, Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und Leibniz-Gemeinschaft vom Dezember 2025 ein. Im Kern zielen diese darauf ab, das künftige Rahmenprogramm für Forschung und Innovation klar an wissenschaftlicher Exzellenz, verlässlichen Förderstrukturen und für eine starke Verbundforschung auszurichten. Zugleich benennen sie zentrale Schwachstellen der aktuellen Kommissionsvorschläge und formulieren Anpassungsbedarfe für den weiteren Gesetzgebungsprozess.
Zentral ist dabei die Frage, wie sich die von der Kommission geplante enge Verknüpfung von FP10 mit dem neuen Europäischen Wettbewerbsfonds (European Competitiveness Fund, ECF) ausgestalten lässt. Aus Sicht der DFG kommt es darauf an, beide Instrumente so aufeinander abzustimmen, dass sie ihre jeweiligen Funktionen – die Förderung exzellenter Forschung und die strategische Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit – erfüllen und sich sinnvoll ergänzen.
Die Leistungsfähigkeit von FP10 hängt dabei nicht zuletzt von seiner finanziellen Ausstattung ab. Angesichts anhaltend hoher Überzeichnungsraten zentraler Förderinstrumente und der wachsenden internationalen Konkurrenz um die besten Forscher*innen und Forschungsergebnisse sieht die DFG einen dringenden Bedarf an zusätzlichen, verlässlich planbaren Mitteln. Dies betrifft insbesondere international hoch angesehene Instrumente wie den Europäischen Forschungsrat (ERC) und die Marie-Skłodowska-Curie-Maßnahmen (MSCA), deren Erfolg wesentlich auf strikt wissenschaftsgeleiteten Verfahren und institutioneller Unabhängigkeit beruht. Entsprechend misst die DFG auch der Sicherung der Autonomie des ERC – insbesondere seines Wissenschaftlichen Rats und seiner Präsidentschaft – große Bedeutung bei.
Mit Blick auf die zweite Säule des Programms hob die DFG während des parlamentarischen Frühstücks zudem die besondere Bedeutung der kollaborativen Forschung hervor. Europäische Verbundprojekte bilden seit vielen Jahren das Rückgrat des Europäischen Forschungsraums, indem sie Universitäten, außeruniversitäre Forschungseinrichtungen und Unternehmen grenzüberschreitend zusammenbringen. Auch künftig müsse ausreichend Raum für explorative und präkompetitive Zusammenarbeit nach dem Bottom-up-Prinzip bestehen, damit neue wissenschaftliche Erkenntnisse und technologische Durchbrüche entstehen können.
Klärungsbedarf besteht aus Sicht der DFG auch in weiteren Bereichen der Legislativvorschläge. Dazu zählen transparente Regelungen für Forschung mit doppeltem Verwendungszweck (Dual Use), eine kohärente Strategie für die Finanzierung europäischer Forschungsinfrastrukturen sowie eine ausgewogene Ausgestaltung der Maßnahmen zur Stärkung der Beteiligung weniger forschungsstarker Regionen (Widening) und zur Assoziierung verlässlicher internationaler Partnerländer.
Die Berichterstatter Christian Ehler und René Repasi haben mittlerweile ihre Entwürfe für die entsprechenden Parlamentsberichte vorgelegt, in die auch die von DFG-Präsidentin Becker und Science Europe eingebrachten Vorschläge eingeflossen sind. Die Berichte bilden die Grundlage für die Position des Europäischen Parlaments in den anstehenden Trilogverhandlungen mit Rat und Kommission und markieren damit einen wichtigen Schritt im weiteren Gesetzgebungsverfahren zu FP10.