DFG, HRK und Wissenschaftsrat stellen Vorschlag für ein neues Förderinstrument „Nexus“ bei gemeinsamer ERC-Veranstaltung in Brüssel vor
Unter dem Titel „A Strong ERC for a Leading Europe“ haben die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG), die Hochschulrektorenkonferenz (HRK) und der Wissenschaftsrat (WR) am 3. März 2026 zu einer gemeinsamen Abendveranstaltung in die Vertretung des Landes Nordrhein-Westfalen bei der Europäischen Union in Brüssel eingeladen und dort ein neues Konzept mit dem Titel „Nexus – Networking excellence – Enabling participation – Transforming European science(Download) zur Förderung europäischer Exzellenznetzwerke vorgestellt.
Diskutierten das Nexus-Konzept im Rahmen einer Veranstaltung in Brüssel: (v.l.n.r.) Wolfgang Wick (Wissenschaftsrat), Walter Rosenthal (HRK), Katja Becker (DFG), Maria Leptin (ERC), Krzysztof Jóźwiak (National Science Centre Poland, NCN), Manuel Aleixo (Experte für ERA und ERC der EU-Kommission) sowie Moderator David Matthews (ScienceBusiness)
© HRK/Sandra Vogel
Nexus soll exzellente Netzwerke von mindestens drei Hochschulen oder Forschungseinrichtungen aus idealerweise drei verschiedenen Ländern fördern, die zu einem selbst gewählten Forschungsthema langfristig zusammenarbeiten. Auf diese Weise soll die in Europa verteilte Exzellenz systematischer miteinander verbunden werden, um eine kritische Masse für wissenschaftliche Durchbrüche zu erreichen und die internationale Sichtbarkeit europäischer Spitzenforschung zu stärken. Im Rahmen von Nexus könnten 20 Netzwerke mit jeweils 20 Millionen Euro pro Jahr über einen Zeitraum von sieben Jahren finanziert werden. Leitprinzipien des Instruments sind eine strikte Orientierung an wissenschaftlicher Exzellenz, thematische Offenheit sowie wissenschaftsgeleitete Auswahlverfahren.
Im Rahmen der Veranstaltung diskutierten DFG-Präsidentin Katja Becker, HRK-Präsident Walter Rosenthal und Wolfgang Wick, Vorsitzender des Wissenschaftsrats, gemeinsam mit Maria Leptin, Präsidentin des ERC, Krzysztof Jóźwiak, Direktor des polnischen National Science Centre (NCN) und Manuel Aleixo aus dem Kabinett der EU-Forschungskommissarin Ekaterina Zaharieva über aktuelle Herausforderungen des European Research Council (ERC) und seine Möglichkeiten zur Umsetzung neuer Formate. Neben dem Nexus-Konzept stellte das polnische National Science Centre einen weiteren Vorschlag für kollaborative Verbundforschung im ERC mit einem speziellen Fokus auf Einrichtungen aus den Widening-Staaten vor.
DFG-Präsidentin Katja Becker würdigte den ERC als zentrales Instrument zur Förderung erkenntnisgeleiteter Spitzenforschung in Europa. Seit seiner Gründung im Jahr 2007 habe der ERC wissenschaftliche Durchbrüche ermöglicht, deren Wirkung weit über die Grundlagenforschung hinausreiche – von Vorarbeiten zu mRNA-Technologien über die erste Beobachtung eines Schwarzen Lochs bis hin zu zahlreichen patentierten Innovationen. Aus Sicht von DFG, HRK und Wissenschaftsrat biete der ERC deshalb auch den idealen institutionellen Rahmen für die Umsetzung eines Instruments wie Nexus, da auf seine etablierten Evaluations- und Entscheidungsstrukturen aufgebaut werden könne.
Mit Blick auf die laufenden Verhandlungen zu FP10 unterstrich die DFG-Präsidentin die Bedeutung einer angemessenen finanziellen Ausstattung des ERC. Der von der Europäischen Kommission angekündigte Mittelaufwuchs für das nächste EU-Forschungsrahmenprogramm FP10 sei zwar ein wichtiges Signal, doch seien die Förderhöhen der ERC-Grants seit fast zwei Jahrzehnten nicht an die Inflation angepasst worden. Eine reale Aufstockung sei daher überfällig. Für neue Formate müssten deswegen in FP10 zusätzliche Mittel bereitgestellt werden. ERC-Präsidentin Maria Leptin bekräftigte, dass neue Instrumente wie Nexus eine substanzielle und dauerhaft abgesicherte Budgeterhöhung sowie eine entsprechende Stärkung der administrativen Kapazitäten voraussetzten.
DFG-Präsidentin Katja Becker warnte außerdem vor den von der EU-Kommission vorgeschlagenen Änderungen in der Governance des ERC, die die wissenschaftliche Unabhängigkeit des ERC beeinträchtigen würden, darunter zum Beispiel die mögliche Verkürzung der Amtszeiten der ERC-Präsidentschaft. Manuel Aleixo hob jedoch hervor, dass zentrale Governance-Fragen im laufenden Gesetzgebungsprozess noch nicht endgültig festgelegt worden seien. So könne der Vorschlag der Europäischen Kommission, die Amtszeit der ERC-Präsidentschaft zu verkürzen, im weiteren Verlauf der Verhandlungen erneut überprüft werden. Zugleich signalisierte er Offenheit für strukturelle Anpassungen in anderen Teilen des künftigen Rahmenprogramms. Insbesondere die zweite Säule von FP10 und die dort verankerte Verbundforschung könnten weiterentwickelt werden, etwa durch eine stärkere Einbindung von Bottom-up-Elementen. DFG, HRK und WR betonten, dass für den Fall einer Ansiedlung von Nexus an anderer Stelle im Rahmenprogramm sichergestellt werden müsse, dass zentrale Prinzipien des ERC – Exzellenz als einziges Auswahlkriterium, Themenfindung nach dem Bottom-up-Prinzip sowie die wissenschaftliche Unabhängigkeit der Bewertungs- und Entscheidungsprozesse – uneingeschränkt gewahrt bleiben.
Einigkeit bestand darin, dass der ERC eine herausgehobene Rolle innerhalb der europäischen Forschungsförderung einnimmt. Im Vergleich zu nationalen Verfahren stellten strikt wissenschaftsgeleitete Programmgestaltung, Bewertungs- und Auswahlverfahren ein bewährtes Erfolgsrezept dar. Zugleich wurden die stark gestiegene Zahl exzellenter Anträge und die damit verbundenen niedrigen Erfolgsquoten als zentrale operative Herausforderungen des ERC benannt. Ein erheblicher Anteil exzellenter Forschungsvorhaben könne derzeit allein aus budgetären Gründen nicht gefördert werden.