Panoramablick über Bonn

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Pressemitteilung Nr. 21 | 1. Juli 2026

DFG-Jahresversammlung: Entschiedenes Eintreten für Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft – deutliche Kritik an Wissenschaftspolitik der AfD

Förderorganisation berät Maßnahmen zur Stärkung von Resilienz in der Wissenschaft / Dreitägiges Treffen in Bonn beendet

Der Schutz und die Stärkung der Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft gegen inzwischen auch hierzulande zunehmende Anfeindungen und Angriffe war das zentrale Thema auf der Jahresversammlung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), die am Mittwoch, den 1. Juli 2026, in Bonn zu Ende gegangen ist. 

Während des dreitägigen Treffens diskutierten die Gremien der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Einrichtung für die Selbstverwaltung der Wissenschaft in Deutschland grundsätzliche Fragen von Resilienz in der Wissenschaft und im Wissenschaftssystem. Mit Blick auf die im September anstehenden Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern ging es zudem um die Wissenschaftspolitik der „Alternative für Deutschland“ (AfD) und deren Folgen für den Fall einer möglichen Regierungsbeteiligung.

„Mit den Grundprinzipien unserer Verfassung unvereinbar“

DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker äußerte in Bonn deutliche Kritik an den wissenschaftspolitischen Positionen der AfD. Becker verwies auf das „Regierungsprogramm“ der AfD für die Wahlen in Sachsen-Anhalt, demzufolge aufgrund einer angeblich „politisierten“ und „ideologisierten“ Wissenschaft einzelne Forschungsfelder sowie die Drittmittelförderung nach bisherigen wissenschaftlichen Qualitätskriterien abgeschafft werden sollten. „Solche Aussagen verdienen Widerspruch. Nicht weil sie politische Positionen vertreten, sondern weil sie ein Wissenschaftsverständnis erkennen lassen, das mit den Grundprinzipien unserer Verfassung unvereinbar ist“, sagte die DFG-Präsidentin.

Den Angriffen auf die Wissenschaftsfreiheit stellte Becker den Wert einer freien und unabhängigen Wissenschaft für die offene Gesellschaft und die Demokratie entgegen. 

„Demokratie und Wissenschaft wurzeln in derselben geistigen Haltung. Beide setzen voraus, dass Argumente stärker sein sollten als Autoritäten, Kritik produktiver als Gewissheit und Lernen wichtiger als Rechthaben. Beide leben von der Einsicht, dass Erkenntnis niemals abgeschlossen ist und dass Freiheit nicht trotz, sondern erst durch Offenheit und Dialog möglich wird. Ohne eine freie Wissenschaft verliert eine Gesellschaft ihre Fähigkeit, zwischen Wissen und Behauptung, zwischen Erkenntnis und Ideologie zu unterscheiden. Wer die Freiheit der Wissenschaft einschränkt, schwächt damit nicht nur die Wissenschaft. Er untergräbt auch die Grundlagen einer offenen Gesellschaft“, sagte die DFG-Präsidentin in ihrer Rede auf der Festveranstaltung am Dienstagabend in der Bundeskunsthalle.

Vor rund 400 Gästen aus Wissenschaft, Politik und Gesellschaft – darunter der Staatssekretär im Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR), Dr. Rolf-Dieter Jungk, und die nordrhein-westfälische Wissenschaftsministerin Ina Brandes, die beide ein Grußwort hielten – rief Becker zu entschiedenem gemeinsamem Eintreten für die Freiheit und Unabhängigkeit der Wissenschaft und einer erkenntnisgeleiteten Forschungsförderung auf, für die gerade die DFG in besonderer Weise stehe. 

In den Gremien

Ebenfalls auf die Stärkung der Freiheit und Resilienz der Wissenschaften zielt ein aktuelles Positionspapier ab, das von einer Ad-hoc-Arbeitsgruppe des DFG-Senats unter Leitung der Vizepräsident*innen Professorin Dr. Britta Siegmund und Professor Dr. Johannes Grave verfasst worden ist. Es beschreibt mögliche oder bereits reale Gefährdungsszenarien sowie Handlungsoptionen für Akteure in der Wissenschaft sowie in anderen Bereichen und soll in Kürze veröffentlicht werden. 

Weitere Themen in den Gremiensitzungen waren die zahlreichen Aktivitäten der DFG in der internationalen wissenschaftlichen Zusammenarbeit, der Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) in der Wissenschaft und im DFG-Förderhandeln sowie eine ebenfalls in Kürze erscheinende Stellungnahme der Ständigen Senatskommission Transformation von Agrar- und Ernährungssystemen (SKAE) zum „Beitrag von Reallaboren zur Systemforschung in den Agrar-, Lebensmittel- und Ernährungswissenschaften“. Auch standen Förderentscheidungen auf dem Programm, so die Einrichtung von fünf neuen Forschungsgruppen.

In der abschließenden Mitgliederversammlung berichteten Präsidentin Becker und Generalsekretärin Dr. Heide Ahrens zum Förderhandeln und zu den Aktivitäten der DFG seit der Mitgliederversammlung 2025 in Hamburg. Zudem wählten die Repräsentant*innen der Mitgliedseinrichtungen mit dem Verfahrenstechniker Professor Dr. Lutz Mädler von der Universität Bremen und dem Völkerrechtler Professor Dr. Christian Walter von der Ludwig-Maximilians-Universität München zwei neue Vizepräsidenten. Sie folgen zum 1. Januar 2027 auf den Ingenieurwissenschaftler Professor Dr. Hans Hasse und die Juristin Professorin Dr. Marietta Auer. In den Senat der Organisation wurden acht Mitglieder erstmals und vier Mitglieder für eine zweite Amtszeit gewählt. 

Jahresbericht mit aktuellen Förderzahlen

Wie aus dem ebenfalls in der Mitgliederversammlung vorgelegten „Jahresbericht 2025“ hervorgeht, hat die DFG im vergangenen Jahr insgesamt 30.090 Projekte mit einer Gesamtsumme von rund 3,8 Milliarden Euro gefördert. Wie in den Vorjahren war dabei mehr als die Hälfte aller geförderten Projekte – 16.532 Projekte, das entspricht rund 55 Prozent – in der Einzelförderung angesiedelt; für sie wurden rund 1,4 Milliarden Euro Fördermittel für das Berichtsjahr bewilligt. In den Graduiertenkollegs, Sonderforschungsbereichen und anderen Koordinierten Programmen wurden 846 Verbünde mit insgesamt 11.458 Teilprojekten und einer Gesamtbewilligungssumme von rund 1,6 Milliarden Euro im Jahr 2025 gefördert.

Aufgeteilt nach den großen Wissenschaftsbereichen erhielten die Lebenswissenschaften mit rund 1,3 Milliarden Euro die meisten Fördermittel (35,1 Prozent der Gesamtbewilligungssumme), gefolgt von den Naturwissenschaften mit rund 890 Millionen Euro (23,2 Prozent), den Ingenieurwissenschaften mit rund 788 Millionen Euro (20,6 Prozent) und den Geistes- und Sozialwissenschaften mit rund 663 Millionen Euro (17,3 Prozent); Projekte ohne fachliche Zuordnung wurden mit rund 148 Millionen Euro (3,9 Prozent) gefördert.

Verleihung des Communicator-Preises

Neben der Festveranstaltung in der Bundeskunsthalle fand mit der Verleihung des diesjährigen Communicator-Preises von DFG und Stifterverband für herausragende Wissenschaftskommunikation eine zweite festliche Veranstaltung im Rahmen des Jahrestreffens statt. Die mit 50.000 Euro dotierte renommierteste Auszeichnung ihrer Art in Deutschland erhielt am Montagabend im Bonner LVR-Landesmuseum die Informatikerin Professorin Dr. Ute Schmid. Die Leiterin des Lehrstuhls für Kognitive Systeme an der Otto-Friedrich-Universität Bamberg wurde damit als langjährige und beständige Brückenbauerin zwischen Wissenschaft, Bildung, Wirtschaft und Politik im Bereich der Künstlichen Intelligenz (KI) ausgezeichnet.

Die DFG-Jahresversammlung 2027 soll in Marburg stattfinden. 

Weiterführende Informationen

Zu den wichtigsten Entscheidungen der Jahresversammlung folgen nach dieser Zusammenfassung weitere Pressemitteilungen. Sie finden sich auch in einer digitalen Pressemappe(interner Link).

An selber Stelle findet sich auch die Rede von DFG-Präsidentin Katja BeckerFür die Freiheit und Unabhängigkeit der Forschung(interner Link)“ auf der Festveranstaltung.

Begleitende Informationen auch im Internetangebot der DFG unter www.dfg.de(interner Link) und via Social Media auf LinkedIn(externer Link)Bluesky(externer Link)Mastodon(externer Link) und Instagram(externer Link)  

Der DFG-Jahresbericht 2025(interner Link) kann angefordert werden bei .

Medienkontakt

Marco Finetti
E-Mail: presse@dfg.de
Telefon: +49 228 885-2109