Pressemitteilung Nr. 19 | 10. Juni 2026

Händel-Tierschutzpreis an Christa Thöne-Reineke und Birgit Schittek

DFG zeichnet Forscherinnen aus Berlin und Tübingen für Leistungen im Refinement und Replacement von Tierversuchen aus / Verleihung am 2. Oktober in Berlin

Professorin Dr. Christa Thöne-Reineke von der FU Berlin und Professorin Dr. Birgit Schittek von der Universität Tübingen erhalten den diesjährigen Ursula M. Händel-Tierschutzpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Die Tiermedizinerin Thöne-Reineke wird für ihr langjähriges Engagement für einen besseren Tierschutz in der Forschung ausgezeichnet, sie hat sich also insbesondere auf dem Gebiet des Refinements verdient gemacht. Die Molekularmedizinerin Schittek erhält den Preis für die Entwicklung von 3D-Hautmodellen, deren vielfache Anwendung den Ersatz von Tierversuchen ermöglicht und deren Einsatz somit im Bereich des Replacements angesiedelt ist.

Die beiden Forscherinnen teilen sich den mit insgesamt 80.000 Euro dotierten Preis. Dieser wird an Wissenschaftler*innen verliehen, die den Tierschutz in der Forschung im Sinne des 3R-Prinzips verbessern. Neben Replace (Vermeiden) und Refine (Verbessern) steht 3R auch für Reduce (Verringern). Die Preisverleihung findet am 2. Oktober im Rahmen einer Festveranstaltung anlässlich des zehnjährigen Jubiläums der Allianz-Initiative „Tierversuche verstehen“ statt.

„Professorin Dr. Christa Thöne-Reineke hat sich in allen Etappen ihrer wissenschaftlichen Laufbahn sowohl in Forschung und Lehre als auch in institutioneller Verantwortung für die Integration und Implementierung von Tierschutzmaßnahmen in der Forschung eingesetzt“, sagte die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Professorin Dr. Brigitte Vollmar, die auch Mitglied der Jury des Ursula M. Händel-Tierschutzpreises ist. Der Preis sei daher auch die Anerkennung für ein Lebenswerk im Bereich Tierschutz über drei Jahrzehnte hinweg. So habe Thöne-Reineke Methoden entwickelt, die es erlauben, die Belastung und das Tierwohl auch nichtinvasiv objektiv messen zu können. Zu diesen gehörten beispielsweise KI-gestützte Verfahren, die Verhaltensparameter und körperliche Reaktionen ohne Eingriff erfassen.

Neben ihren Leistungen zur Implementierung der 3R-Prinzipien in Forschung und Lehre begleite Thöne-Reineke das Thema Tierschutz auch in wissenschaftlichen Gremien und Ethikkommissionen sowie als wissenschaftliche Beraterin von Behörden und politischen Entscheidungsträgern auf nationaler und internationaler Ebene. Darüber hinaus, so die Jury, habe sie in verschiedenen Verbünden und Einrichtungen durch Lehrangebote und Mentoring einen entscheidenden Beitrag dazu geleistet, Alternativmethoden und tierschonende Arbeitstechniken in die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses zu integrieren. 

Gleichberechtigt geht der Preis an Professorin Dr. Birgit Schittek. Die Molekularmedizinerin forscht an der Universitäts-Hautklinik Tübingen unter anderem zu molekularen und zellulären Mechanismen der Hautkrebsentstehung, Metastasierung und Therapieresistenzentwicklung bei Melanomen. Schittek entwickelte technisch hoch anspruchsvolle 3D-Hautkulturmodelle, die es ermöglichen, entzündliche Hauterkrankungen, aber auch Hautkrebs zu simulieren. „Die Preisträgerin bringt die von ihr entwickelten organotypischen Hautmodelle in die breite Anwendung und benennt dabei sehr realistisch und transparent die Anwendungsmöglichkeiten und die Aussagekraft der Modelle“, hebt Brigitte Vollmar hervor. 

So können die Hautmodelle für eine Vielzahl wissenschaftlicher Fragestellungen im Bereich der Dermatologie eingesetzt werden und haben dadurch ein großes Potenzial, Tierversuche in großem Umfang zu ersetzen. In den Augen der Jury sei es besonders lobenswert, dass Schittek die Hautmodelle im Rahmen von Forschungskooperationen teile und damit anderen Forscher*innen zur Verfügung stelle. So koordiniere Schittek beispielsweise ein Serviceprojekt in einem SFB/Transregio der DFG und optimiere dabei in enger Abstimmung mit ihren Kolleg*innen die Hautmodelle für die verschiedensten Fragestellungen. 

Christa Thöne-Reineke ist seit 2014 Professorin für Tierschutz, Tierverhalten und Versuchstierkunde am gleichnamigen Institut der FU Berlin, das sie seitdem auch leitet. Sie wurde 1997 in Tiermedizin an der FU Berlin promoviert und erwarb im Jahr 2000 den Fachtierarzt in Versuchstierkunde und Physiologie. Sie ist Mitglied zahlreicher Gremien, etwa des Exekutivausschusses und des Ethikausschusses des Exzellenzclusters Science of Intelligence (SCIoI) an der TU Berlin sowie des wissenschaftlichen Beirats des Bundesinstituts für Risikobewertung. Sie ist zudem Vizesprecherin des Einstein Center 3R (EC3R) der Charité – Universitätsmedizin Berlin der Berlin-Brandenburger Forschungsplattform BB3R.

Birgit Schittek leitet die Arbeitsgruppe Experimentelle Dermatologie der Universitäts-Hautklinik Tübingen. Sie wurde 1992 an der Universität Köln in Biologie promoviert. Während ihrer Postdoc-Zeit war sie zunächst in der Gruppe Tumorimmunologie am Deutschen Krebsforschungszentrum Heidelberg tätig, bevor sie 1995 die Leitung des Labors für Molekulare Dermatologie in Tübingen übernahm, wo sie sich 2002 in Molekularer Medizin habilitierte. Birgit Schittek hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, unter anderem 2006 den Heinz-Maurer-Research-Award für dermatologische Forschung und 2010 den Dermato-Onkologie-Preis der Arbeitsgemeinschaft Dermatologische Forschung.

Der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis geht auf die Initiative seiner gleichnamigen Stifterin zurück. Die Düsseldorferin Ursula M. Händel (1915–2011) setzte sich über Jahrzehnte in vielfältiger Weise für den Tierschutz ein. So gründete sie unter anderem den Bonner Arbeitskreis für Tierschutzrecht und engagierte sich in diesem Rahmen für die Novellierung des Tierschutzgesetzes. Dem Tierschutz in Wissenschaft und Forschung besonders verbunden, stellte Händel der DFG Mittel für den Tierschutzpreis zur Verfügung. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Er ist der höchst dotierte Forschungspreis dieser Art in Deutschland.

Weiterführende Informationen

Informationen zum Preis, Ursula M. Händel und den Preisträger*innen unter: www.dfg.de/haendel-preis(interner Link).

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