Zur Stärkung der Freiheit und Resilienz der Wissenschaften
DFG-Senats-AG gibt in aktuellem Positionspapier Orientierungen und Empfehlungen
Jüngere nationale wie internationale Entwicklungen zeigen, dass Wissenschaftsfreiheit keine Selbstverständlichkeit ist. Eine Ad-hoc-Arbeitsgruppe des Senats der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat sich vor diesem Hintergrund mit der Frage befasst, wie resilient das deutsche Wissenschaftssystem gegenüber Angriffen auf einzelne Forschende, Institutionen, Disziplinen oder die Wissenschaft insgesamt ist und welche Schritte zur Stärkung der Resilienz unternommen werden können. Ziel des Papiers ist eine möglichst breite und umfassende Vermessung des Feldes, auf deren Basis Koordinationsmöglichkeiten und Handlungsoptionen für Wissenschaftler*innen und institutionelle Akteure skizziert werden. Es kann dementsprechend als eine Aufforderung zu weitergehenden Aktivitäten gelesen werden.
Zur Struktur des Papiers
Das Papier gliedert sich in vier Teile. Zunächst werden mögliche Angriffsmotive und -szenarien analysiert: von der Delegitimierung einzelner Forschungsfelder bis zur systematischen Einflussnahme auf Wissenschaftsinstitutionen. Im zweiten Schritt werden strukturelle Verwundbarkeiten des deutschen Wissenschaftssystems identifiziert – etwa in individuellen Risiken, die durch Abhängigkeiten und unangemessen kurze Beschäftigungsverhältnisse entstehen können, in Defiziten der Wissenschaftskommunikation und Wissenschaftsreflexion sowie in der Anfälligkeit zentraler Infrastrukturen. Ein dritter Teil würdigt die günstigen Ausgangsbedingungen in Deutschland, auf denen eine resiliente Wissenschaft aufbauen kann. Den Schwerpunkt bildet schließlich ein vierter Teil mit konkreten Handlungsempfehlungen, unterteilt in Maßnahmen zur Stärkung und Prävention sowie in ein Instrumentarium für den Umgang mit konkreten Bedrohungssituationen.
Was bedeutet das für wissenschaftliche Einrichtungen und Wissenschaftler*innen?
Im Sinne der Kernbotschaft, dass Resilienz in den Wissenschaften selbst beginnt, sind wissenschaftliche Einrichtungen und Organisationen aufgerufen, ihre Satzungen und Entscheidungsverfahren auf Missbrauchsanfälligkeit zu überprüfen und gegebenenfalls zu reformieren, Beschäftigungsbedingungen auf frühen Karrierestufen durch längere Vertragslaufzeiten und transparente Entfristungsperspektiven zu verbessern, lokale Strukturen und Anlaufstellen für den Krisenfall aufzubauen und sich an Überlegungen zu einer kollektiven Verpflichtung zur solidarischen Unterstützung für bedrohte Forschungsgruppen zu beteiligen. Zudem sollten breite Allianzen mit anderen Teilen der Zivilgesellschaft gebildet werden.
Wissenschaftler*innen sind eingeladen, sich aktiv in Wissenschaftsreflexion und gute Wissenschaftskommunikation einzubringen: Durch eine ehrliche, komplexitätsbewusste Vermittlung von Erkenntnissen, Unsicherheiten und Kontroversen lässt sich gesellschaftliches Vertrauen stärken, während Angriffen auf einzelne Disziplinen argumentativ besser auf Basis eines reflektierten Wissenschaftsbegriffes entgegengetreten werden kann. Zugleich sollten Wissenschaftler*innen sich ihre rechtlichen Handlungsmöglichkeiten bewusst machen. Die grundgesetzliche Verankerung der Wissenschaftsfreiheit bietet eine Grundlage, um sich auch individuell gegen Einschränkungen zur Wehr zu setzen, wofür niedrigschwelliger Zugang zu juristischer Expertise wichtig ist. Nicht zuletzt zählt praktische Solidarität. Der Aufbau und die Pflege belastbarer Netzwerke innerhalb der Wissenschaften trägt dazu bei, Strategien des divide et impera zu durchkreuzen und im Bedrohungsfall schnell und koordiniert reagieren zu können.
Weiterführende Informationen
Das komplette „Positionspapier zur Stärkung der Freiheit und Resilienz der Wissenschaften“ im Wortlaut finden Sie hier: (externer Link)
Ansprechpersonen
| E-Mail: | Anne.Brueggemann@dfg.de |
| Telefon: | +49 (228) 885-2213 |
| E-Mail: | Kathrin.Kohs@dfg.de |
| Telefon: | +49 (228) 885-2935 |
| E-Mail: | Christoph.Kuemmel@dfg.de |
| Telefon: | +49 (228) 885-2294 |
Rückfragen können auch gerichtet werden an:
| E-Mail: | resilienz@dfg.de |