Neue Publikationsmöglichkeiten für die Wissenschaft: Deutschland beteiligt sich an Open Research Europe
Open-Access-Publikationsplattform steht künftig Wissenschaftler*innen aller deutschen Forschungseinrichtungen offen / „Initiative aus der Wissenschaft für die Wissenschaft“
Die Open-Access-Publikationsplattform „Open Research Europe“ (ORE) wird ab diesem Jahr von einem Verbund von Forschungs- und Förderorganisationen aus elf europäischen Ländern getragen. Bisher stand die Publikationsplattform nur Begünstigten aus den EU-Forschungsrahmenprogrammen offen. Mit der Ausweitung der Trägerschaft wird die Möglichkeit eröffnet, dass alle an deutschen Forschungseinrichtungen tätigen Wissenschaftler*innen, unabhängig von einer Projektförderung, die Plattform kostenfrei nutzen können. Das Bundesministerium für Forschung, Technologie und Raumfahrt (BMFTR) ist für Deutschland Vertragspartner im Verbund, die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) übernimmt die Durchführung auf nationaler Ebene und die Mitwirkung in der ORE Funders’ Group sowie im Executive Committee in ihrer Funktion als Selbstverwaltungsorganisation der Wissenschaft.
Die von allen Trägern konzipierte Neuausrichtung der Publikationsinfrastruktur etabliert einen zeitgemäßen Standard für eine Open-Science-Kultur. ORE soll so wissenschaftlichen Prinzipien folgen und von Wissenschaftsorganisationen souverän und nachhaltig gestaltet werden können. Wissenschaftler*innen können sich nicht nur als Publizierende, sondern auch als Gutachter*innen einbringen. ORE operiert nach dem Publish-Review-Curate-Mechanismus, bei dem Artikel zuerst eine Integritätsprüfung durchlaufen und dann offen im Peer-Review-Verfahren begutachtet werden. Positiv begutachtete Artikel werden in eine fachliche Sammlung aufgenommen.
Über einen offen nachvollziehbaren Begutachtungsprozess wird die wissenschaftliche Kommunikation gestärkt und die Qualitätssicherung transparent gestaltet. Die Begutachtungsleistung kann referenziert und als Beitrag zum wissenschaftlichen Erkenntnisprozess gewertet werden. Die Publikationsprozesse werden an wissenschaftlichen Erfordernissen ausgerichtet und Probleme des kommerziellen Publikationssystems werden vermieden. Dazu gehört auch, dass das akademische Ansehen nicht über den Journalnamen erzeugt wird, sondern durch den wissenschaftlichen Gehalt der einzelnen Publikationen und der Gewährleistung qualitätvoller Prozesse auf infrastruktureller Ebene. Die einzelne Publikation muss nicht über Gebühren finanziert werden, wodurch Barrieren abgebaut werden. Damit folgt die Plattform auch der EU-Ratsschlussfolgerung zum „High-quality, transparent, open, trustworthy and equitable scholarly publishing“ von 2023.
Alle wissenschaftlichen Disziplinen sollen eine aktive Rolle bei der Neuausrichtung und zukünftigen Gestaltung spielen; dazu wird auch das Scientific Advisory Board von ORE neu besetzt. Die Gruppe der Förderer (Funders’ Group) ist für die strategische Ausrichtung der Publikationsinfrastruktur zuständig, der technische Betrieb wird zukünftig vom CERN, das über eine große Erfahrung mit solchen Infrastrukturen verfügt, übernommen. Die weiteren ORE-Mitglieder sind ANR und CNRS aus Frankreich, das Ministerium für Wissenschaft (MUR) aus Italien, NWO aus den Niederlanden, der norwegische Forschungsrat RCN, FWF aus Österreich, FCT aus Portugal, ARIS aus Slowenien, CSIC und FECYT aus Spanien, die drei Forschungsförderer Schwedens, der SNF aus der Schweiz und CERN selbst. Die Europäische Kommission fungiert als ständige Beobachterin und leistet zusätzliche finanzielle Unterstützung. CERN und OPERAS, die europäische Kommunikationsinfrastruktur für die Geistes- und Sozialwissenschaften, unterstützen die Kommunikation in die fachlichen Communitys gemeinsam.
„Dadurch, dass die Plattform jetzt durch ein Konsortium von Forschungsförderern und -organisationen getragen ist, wird sie zu einer Initiative aus der Wissenschaft für die Wissenschaft“, betont Dr. Heide Ahrens, Generalsekretärin der DFG. Voraussichtlich ab Herbst 2026 soll die neue ORE-Plattform fertiggestellt sein, sodass Einreichungen möglich sind. „Wir hoffen, dass unsere wissenschaftlichen Communitys in Deutschland diese Non-Profit-Option nutzen werden und ihre Vorteile sehen“, sagt Ahrens.
Weiterführende Informationen
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Pressemitteilung des CER(externer Link)
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