Pressemitteilung Nr. 53 | 7. Dezember 2023

DFG richtet erste zehn „Forschungsimpulse“ an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften und Fachhochschulen ein

Neues Förderinstrument soll Forschungspotenziale von HAW/FH gezielt stärken / 49 Millionen Euro Fördermittel für zunächst fünf Jahre / „Mehrwert für deutsche Wissenschaftslandschaft“

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert erstmals gezielt größere Forschungsverbünde an Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) und Fachhochschulen (FH). Der Hauptausschuss der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Einrichtung für die Selbstverwaltung der Wissenschaft in Deutschland beschloss in seiner Sitzung vom 7. Dezember 2023 an insgesamt zehn HAW und FH die Einrichtung von jeweils einem sogenannten Forschungsimpuls (FIP). Die in dieser Form neuartigen Verbundprojekte werden ab dem 1. April 2024 für zunächst fünf Jahre und mit insgesamt 49 Millionen Euro gefördert, zu denen eine Programmpauschale von 22 Prozent hinzukommt.

„Dies ist ein besonderer Tag für die Forschungsaktivitäten an den HAW und FH in Deutschland und auch für die DFG“, sagte DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker aus Anlass der ersten Bewilligungen. Becker erinnerte daran, dass die DFG in den vergangenen beiden Jahren ein umfangreiches Maßnahmenpaket entwickelt habe, das direkt an die HAW und FH gerichtet sei. „Die Forschungsimpulse sind ein zentrales Element dieser Maßnahmen. Mit ihnen wollen wir Forschungsverbünde mit besonders vielversprechenden Forschungsideen stärken und so die HAW und FH dabei unterstützen, ihre Forschungsstärken weiterzuentwickeln und ihr jeweiliges wissenschaftliches Profil zu schärfen.“

Die jetzt bewilligten Projekte sind das Ergebnis der ersten FIP-Ausschreibung, die Ende Oktober 2022 gestartet worden war und in der bis 1. März 2023 jede HAW und FH je einen Antrag stellen konnte. Daraufhin wurden in den Folgemonaten insgesamt 69 Anträge in fachlich zugeschnittenen Panels begutachtet.

Zusammengefasst erfüllen die künftigen Forschungsimpulse in besonderer Weise den von der DFG mit ihrer Ausschreibung verbundenen Anspruch, erkenntnisorientierte Forschung in den Mittelpunkt ihrer wissenschaftlichen Konzepte zu stellen. Zugleich stellen sie auf vielfältige Weise den Transfer zu sehr praxisnaher Forschung als besonderer Stärke von HAW und FH her. Eine Reihe von Projekten will ihre Arbeiten in enger Kooperation mit regionalen und lokalen Partnerinnen und Partnern aus Industrie und Wirtschaft oder gesellschaftlichen Akteurinnen und Akteuren angehen. Dabei sind diese nicht zuletzt durch hohe Interdisziplinarität gekennzeichnet.

Neben den Forschungsprofil-bildenden Wirkungen sollen die nun bewilligten Forschungsimpulse auch strukturbildende Wirkung haben, wozu an den jeweiligen Standorten verschiedene Formen der Institutionalisierung geplant sind. Die Qualifikation von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern auf frühen Karrierestufen steht hierbei besonders im Fokus und wird beispielsweise durch strukturierte Angebote zur Karriereentwicklung und durch eine enge Anbindung an die Lehre adressiert.

Im Einzelnen werden an den folgenden HAW/FH (in alphabetischer Reihenfolge) diese Forschungsimpulse gefördert:

  • an der Hochschule Anhalt der Forschungsimpuls „Wiederherstellung von Ökosystemen und Landschaften über verschiedene räumliche und zeitliche Skalen zur Förderung der Biodiversität und Klimaresilienz in Agrarlandschaften (AgriRestore)“, der Fachwissen aus den Bereichen ökologische Wiederherstellung und Biodiversitätsforschung, Fernerkundung und Datenwissenschaft verbinden und durch innovative Experimente in der trockenen und strukturarmen Agrarlandschaft Sachsen-Anhalt das theoretische Verständnis für die Wiederherstellung von Ökosystemen und Landschaften verbessern sowie neue Methoden und Techniken für die Renaturierungsökologie entwickeln will;
  • an der Berliner Hochschule für Technik (BHT) der Forschungsimpuls „Berliner Initiative für Forschung im Bereich Foundation Models“, dessen Ziel das bessere grundlagenwissenschaftliche Verständnis und die praxisnahe Optimierung von Systemen des Maschinellen Lernens ist, die auf den Gebieten der Robotik, der quantitativen Biologie und der prädiktiven Medizin eingesetzt werden, um den durch den demografischen Wandel ausgelösten Herausforderungen in der Arbeitswelt sowie bei der Diagnose von Krankheiten und der medizinischen Versorgung der Bevölkerung besser zu begegnen;
  • an der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin (HWR Berlin) der Forschungsimpuls „HWR-Forschungskompetenzzentrum: Herausforderungen und Resilienz globaler Liefer- und Wertschöpfungsketten“, der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Soziologie, Kriminologie, Sicherheitsstudien, Betriebs- und Volkswirtschaft sowie Politik und Rechtswissenschaft zusammenbringt, die gemeinsam neue Theorien, Modelle und methodische Ansätze zu aktuellen Problemstellungen bei globalen Liefer- und Wertschöpfungsketten erarbeiten und für Politik, Wissenschaft, Organisationen und Zivilgesellschaft operationalisieren wollen;
  • an der Hochschule Bochum der Forschungsimpuls „Ein kalibriertes und virtuelles Mehrskalen-Wellenmesslabor zur Verbesserung und Ergänzung von Strömungsmessungen: Von der Grundlagenforschung bis zur industriellen Anwendung“, in dessen Fokus die Wechselwirkungen von Fluidströmungen und Ultraschallwellen stehen, zu deren besserem Verständnis ein transdisziplinäres Labor aufgebaut werden soll, das verschiedenste Strömungsszenarien untersuchen und neue Methoden zur Ultraschallmessung von Strömungen entwickeln soll, bevor die so erzielten grundlagenwissenschaftlichen Erkenntnisse in Spin-off-Reallaboren auf Messungen und Untersuchungen in Flüssen und Seen, Pipelines und Bohrkehren und andere praktische Fragestellungen übertragen werden;
  • an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg der Forschungsimpuls „CytoTransport – Mechanismen und Modulation zellulärer Transportprozesse“, mit dem ein interdisziplinäres Forschungszentrum für Transportmechanismen in Zellen und ihre molekularen Wechselwirkungen in Gesundheit und Krankheit aufgebaut werden soll, dessen Untersuchungen auf mehreren Auflösungsebenen angesiedelt sein sollen, die von der atomaren und strukturellen Ebene und den Membrantransport durch Ionenkanäle bis hin zum Transport über die epithelialen Barrieren der inneren und äußeren Körperoberflächen reichen;
  • an der Hochschule Esslingen der Forschungsimpuls „Smart Factory Grids: Methodiken für eine service-basierte, hochflexible, dynamisch verteilte Fertigung mit autonomen, adaptiven und resilienten Systemen“, der auf der Vision einer in Zukunft dynamisch verteilten Fertigung beruht, die sich aus mehreren jeweils spezialisierten Fertigungseinrichtungen zusammensetzt, um eine hochflexible Fertigung für kleine Stückzahlen mit kurzen Rüstzeiten zu ermöglichen, die gerade am Industriestandort Baden-Württemberg;
  • an der Hochschule Fulda der Forschungsimpuls „Zukunftsgestaltung. Die wechselseitige Konstitution von zukunftsorientierten Praktiken und Gemeinschaft“, der von den ganz verschiedenen Antworten auf die Unsicherheiten der gegenwärtigen Gesellschaft – wie wissenschaftlichen Analysen, politischen Entscheidungen oder sozialen Protesten – ausgeht und die Frage in den Blick nimmt, inwiefern die damit verbundenen Akteurinnen und Akteure alternative Vorstellungen von der Zukunft entwickeln und wie sie zukunftsorientierte Praktiken einsetzen, mit denen sie ihre eigene Zukunft und die der Gesellschaft gestalten wollen;
  • an der Ernst-Abbe-Hochschule Jena der Forschungsimpuls „Maßgeschneiderte Optik für ingenieurtechnische Lösungen in den Biowissenschaften: Multifunktionale, multiskalige, monolithische Optik zur biomedizinischen Manipulation und Diagnose“, der auf Grundlagenforschung im Bereich der optischen Technologien und biophotonischen Techniken für ein besseres Verständnis biomedizinischer Prozesse im klinischen Umfeld abzielt, wobei die interdisziplinäre Zusammenarbeit der beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untereinander und mit einem Partner des lokalen Universitätsklinikums den Kern des Vorhabens bilden, das auch auf den in der Optik und Feinmechanik international anerkannten Wirtschaftsstandort Jena ausstrahlen soll;
  • an der Technischen Hochschule Nürnberg der Forschungsimpuls „DuraFuelCell: Multiskalen-Untersuchung zur Entwicklung langlebiger und effizienter Wasserstoff-Brennstoffzellensysteme für mobile und stationäre Anwendungen“, dessen Ziel es ist, einen Impuls für die Durchsetzung der Wasserstoff-Brennstoffzellentechnologie in stationären und schweren Nutzfahrzeuganwendungen zu leisten, wozu in einem interdisziplinären und vernetzten Forschungsansatz vor allem der Systemwirkungsgrad und die Lebensdauer der mit großen Erwartungen verbundenen Technologie und damit zwei der größten Herausforderungen für deren Kommerzialisierung in den Blick genommen werden sollen;
  • an der Hochschule Osnabrück der Forschungsimpuls „PA.H|LIFETIME.ai – Gesundheit darstellender Künstler – Entwicklung und Analyse von Risikoprofilen und prädiktiven Modellen durch künstliche Intelligenz“, in dem Beteiligte aus der Musikwissenschaft, Physiotherapie, Medizin und Informatik mit sowohl wissenschaftlichem als auch klinischem Fokus leistungsbedingte Muskel- und Skeletterkrankungen von Berufsmusikerinnen und -musikern erforschen und so die Grundlagen für eine maßgeschneiderte und evidenzbasierte physiotherapeutische Versorgung schaffen wollen, ohne die das Üben und die Auftritte und damit letztlich die Karrieren vieler Erkrankter weiter maßgeblich beeinträchtigt würden.

„Wir sind überzeugt, dass diese Forschungsimpulse ihrem Namen Rechnung tragen und bei den geförderten HAW und FH eine starke und dauerhafte systemische Wirkung entfalten werden“, resümierte DFG-Präsidentin Becker und fügte hinzu: „Und indem so die besonderen Stärken der HAW und FH nutzbar gemacht werden und die der Universitäten und außeruniversitären Forschungseinrichtungen ergänzen, entsteht auch ein bedeutender Mehrwert für die deutsche Wissenschaftslandschaft insgesamt.“

Becker kündigte abschließend an, dass die DFG noch in diesem Jahr die zweite Ausschreibung für Forschungsimpulse veröffentlichen werde.

Weiterführende Informationen

Weitere ausführliche Informationen zu den Forschungsimpulsen auch unter:

Ansprechperson in der DFG-Geschäftsstelle

Dr. Christine Petry
E-Mail: christine.petry@dfg.de
Telefon: +49 (228) 885-2355

Medienkontakt

Marco Finetti
E-Mail: Marco.Finetti@dfg.de
Telefon: +49 (228) 885-2230