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Pressemitteilung Nr. 47 | 7. November 2022
DFG fördert elf neue Graduiertenkollegs

Themen von organischen und anorganischen Halbleitern über Standards des Regierens bis zu Prozessen in Herz und Gehirn / Insgesamt rund 69 Millionen Euro für erste Förderperiode

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung der wissenschaftlichen Qualifizierung im Rahmen von Promotionen elf neue Graduiertenkollegs (GRK) ein. Dies beschloss der zuständige Bewilligungsausschuss in Bonn. Die neuen GRK werden ab Frühjahr 2023 zunächst fünf Jahre mit insgesamt rund 69 Millionen Euro gefördert. Darin enthalten ist eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten. Unter den neuen Verbünden sind zwei Internationale Graduiertenkollegs (IGK) mit Partnern in Australien.

Zusätzlich zu den elf Neueinrichtungen stimmte der Bewilligungsausschuss für die Verlängerung von zehn GRK für jeweils eine weitere Förderperiode. Graduiertenkollegs bieten Doktorandinnen und Doktoranden die Möglichkeit, in einem strukturierten Forschungs- und Qualifizierungsprogramm auf hohem fachlichem Niveau zu promovieren. Aktuell fördert die DFG insgesamt 220 GRK, darunter 27 IGK.

Die elf neuen Graduiertenkollegs im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen, unter Nennung der Sprecherinnen oder Sprecher sowie der weiteren antragstellenden Hochschulen und der Kooperationspartner):

Wie die Funktion eines Halbleiters verändert werden kann, untersucht das Internationale Graduiertenkolleg „Optische Anregungen in organischen und anorganischen Halbleitern: Verstehen und Kontrollieren durch externe Stimuli“. Dabei verfolgt es einen von der Natur inspirierten Ansatz: Dort werden unterschiedliche Funktionen in lichtaktiven Systemen erreicht, indem die lokale Umgebung des Halbleiters angepasst wird. Ziel ist es somit, durch externe Reize die Funktionalität des Halbleiters zu definieren, ohne seine chemische Zusammensetzung zu verändern. Als externe Reize werden Licht, lokale elektromagnetische Felder und Selbstorganisationsprozesse verwendet. (Universität Bayreuth, Sprecherin: Professorin Dr. Anna Köhler; Kooperationspartner: Monash University und University of Melbourne, Australien)

Eine wichtige Rolle für die Modulation von Emotion, Motivation und Aufmerksamkeit übernehmen im Gehirn die Transmitter Serotonin, Dopamin und Noradrenalin. Das Graduiertenkolleg „Monoaminerge neuronale Netze & Krankheiten“ will die Funktion dieser Transmittersysteme untersuchen und analysieren, wie sie bei der Entstehung von psychischen und neurodegenerativen Erkrankungen mitwirken. Dabei sollen unter anderem optogenetische Sonden und genetisch kodierbare Sensoren zum Einsatz kommen, um die sogenannten monoaminergen Signalwege auf zellulärer, Netzwerk- und Verhaltensebene zu erforschen. (Universität Bochum, Sprecher: Professor Dr. Stefan Herlitze)

Wie sind historische und aktuelle Zukunftsprojektionen in Ostasien entstanden? Auf welchen Voraussetzungen beruhten und beruhen sie? Diese Fragen wurden von den Ostasienwissenschaften bislang noch nicht in makroregionaler Perspektive und mit Fokus auf Moderne und Gegenwart untersucht. Das Graduiertenkolleg „Zukunft in Ostasien: Visionen und Realisierungen auf nationaler, transregionaler und globaler Ebene“ widmet sich nun der Periode von 1850 bis zur Gegenwart mit Rückgriffen auf die geistesgeschichtliche Tradition. Gegenstand der Betrachtung sind die Zukunftsprojektionen der ostasiatischen Staaten und Regionen – darunter China, Japan, Korea und Taiwan – im Verhältnis zueinander, zu Europa und zur Welt. (Universität Bochum, Sprecherin: Professorin Dr. Christine Moll-Murata; ebenfalls antragstellend: Universität Duisburg-Essen)

In den vergangenen Jahren gab es in der Arzneimittelforschung viele Fortschritte, die nun dazu beitragen, die Entwicklung potenzieller Wirkstoffe zu beschleunigen, etwa die Entdeckung neuer Wirkstoff-Zielstrukturen oder das Aufkommen von Technologien wie Automatisierung und Künstlicher Intelligenz. Das Graduiertenkolleg „Werkzeuge und Wirkstoffe der Zukunft – Innovative Methoden und neue Modalitäten in der Medizinischen Chemie“ widmet sich vor diesem Hintergrund der Erforschung neuer Methoden in der Wirkstoffforschung. Dazu zählen neuartige PROTACs, macrocyclische Wirkstoffe, Biopolymere als Werkzeuge sowie Wirkstoff-Konjugate, die bisher für eine Anwendung weitestgehend noch nicht zugelassen sind. (Universität Bonn, Sprecherin: Professorin Dr. Christa E. Müller)

Der Begriff des „guten Regierens“ oder der „good governance“ beschreibt allgemeine Normen der guten Regierungsführung wie Transparenz, Partizipation und Verantwortlichkeit („accountability“) der Regierenden, aber auch spezifische wie Geschlechtergerechtigkeit, Korruptionsbekämpfung oder die systematische Evaluation von politischen Entscheidungen. Das Graduiertenkolleg „Standards des Regierens“ will in globaler Perspektive untersuchen, wie, warum und mit welchen Folgen versucht wird, Praktiken und Prozesse des guten Regierens zu standardisieren. Dabei soll auch diskutiert werden, wie Standards des Regierens sich zum Ideal der Demokratie verhalten. (TU Darmstadt, Sprecher: Professor Dr. Jens Steffek; ebenfalls antragstellend: Universität Frankfurt/Main)

„Planare Kohlenstoffgitter“ (PLC) sind atomar präzise geordnete Materialien, deren Grundfläche ein 1-D- oder 2-D-Gitter darstellt. Sie geben dem Graduiertenkolleg, das Chemie, Physik und Materialwissenschaften zusammenführt, seinen Namen. PCLs verbinden die chemische Vielfalt planarer Molekülbausteine mit der strukturellen Vielfalt von 2-D-Gittern. Um auf diesem Gebiet der hoch entwickelten Nanomaterialien weitere Fortschritte zu erzielen, will das Kolleg die Synthese von PCLs weiter verbessern, ihre Eigenschaften und Funktionen analysieren sowie die zugehörigen experimentellen und theoretischen Untersuchungsmethoden verfeinern. (TU Dresden, Sprecher: Professor Dr. Thomas Heine; ebenfalls antragstellend: Universität Erlangen-Nürnberg)

Das Graduiertenkolleg „Fixing Futures: Technologien der Antizipation in Gegenwartsgesellschaften“ widmet sich dem gesellschaftlichen Umgang mit globalen Problemlagen wie Klimawandel, soziale Ungleichheiten oder Pandemien und den damit verbundenen Unsicherheiten. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Kulturanthropologie, Humangeographie und Soziologie wollen eine neue analytische Perspektive auf den gesellschaftlichen Umgang mit Zukunft gewinnen. Sogenannte „Technologien der Antizipation“, also die konkreten Praktiken zur Fixierung der Zukunft, spielen dabei eine wesentliche Rolle. Untersucht werden etwa ökonomische Praktiken oder Formen des Regierens. (Universität Frankfurt/Main, Sprecher: Professor Dr. Thomas Lemke)

Wie passen sich Nutzpflanzen an sich verändernde Umweltbedingungen an? Und wie lässt sich mit den so gewonnenen Erkenntnissen der Zuchtfortschritt der Pflanzen beschleunigen? Diese Fragen wollen Forscherinnen und Forscher aus Gießen und dem australischen Queensland gemeinsam beantworten. Mit neuartigen Methoden, Datensätzen und integrativen Analyseansätzen zur daten- und biotechnologieorientierten Verbesserung des Zuchtfortschritts wollen sie vor allem weniger intensiv beforschte Nutzpflanzen in den Blick nehmen: Die Ackerbohne sowie Sorghum dienen zunächst als Beispielpflanzen. Ihr internationales Graduiertenkolleg trägt folgerichtig den Titel „Beschleunigung des Zuchtfortschrittes“. (Universität Gießen, Sprecher: Professor Dr. Rod Snowdon; Kooperationspartner: University of Queensland, Australien)

Die Funktion beziehungsweise Fehlfunktion des Herzens und des Gehirns ist im Wesentlichen von zwei Zelltypen – den Kardiomyozyten und den Neuronen – abhängig. Beide Zelltypen weisen eine Reihe funktioneller Gemeinsamkeiten wie auch ähnlicher Pathomechanismen auf. Diese Gemeinsamkeiten machen sie zu einem vielversprechenden Forschungsgegenstand, um komplexe organübergreifende medizinische Fragen bei Herz- und Gehirnkrankheiten zu klären. Das Graduiertenkolleg „Herz & Gehirn: Integrative Forschung über Organgrenzen hinweg“ erforscht daher gemeinsame physiologische und pathologische Prozesse im Herzen und im Gehirn sowie die wechselseitige Abhängigkeit von Herz- und Gehirnkrankheiten. Langfristig möchte es damit zur Entwicklung neuartiger Diagnose- und Therapiekonzepte beitragen. (Universität Göttingen, Sprecherin: Professorin Dr. Dörthe M. Katschinski)

In vielen Teilen der Welt finden Antisemitismus, Antiziganismus, Islamophobie, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und andere Formen der Feindseligkeit wieder zunehmend Verbreitung. Das Graduiertenkolleg „Ambivalente Feindschaft: Die Dynamik antagonistischer Beziehungen in Europa, Asien und dem Nahen Osten“ will daher das Feld der Feindschaftsforschung um neue Perspektiven erweitern: Dabei soll die ambivalente Natur von Feindschaft als ein widersprüchliches Muster von Emotionen, Werten und kulturellen Gewohnheiten betrachtet werden, das eng mit Prozessen der Identitätsbildung verbunden ist. Dazu sind empirische Fallstudien in Europa, Asien und dem Nahen Osten geplant. (Universität Heidelberg, Sprecherin: Professorin Dr. Tanja Penter; ebenfalls antragstellend: Hochschule für Jüdische Studien (HfJS), Heidelberg)

Von den Götter- und Heldensagen der Antike bis zur gegenwärtigen Renaissance des Familienromans bietet die Weltliteratur ein unerschöpfliches Archiv von „family matters“. Das je epochenspezifische (Selbst-)Verständnis von Familie wird oftmals über kulturelle Leiterzählungen und ikonische Bilder verhandelt. Das Graduiertenkolleg „Family Matters. Figuren der (Ent-)Bindung“ will nun die literarischen Traditionen und Diskurse des Familialen systematisch aufarbeiten. Dabei sollen auch kulturgeschichtliche Narrative einbezogen werden, die – obwohl wissenschaftlich widerlegt – den Mythos der bürgerlichen Kleinfamilie bis heute prägen. Die Arbeit an diesem Mythos hat auch deshalb aktuelle Bezüge, weil gegenwärtig etwa neue Formen sozialer Elternschaft zu einer Neubestimmung von Familie herausfordern. (LMU München, Sprecherin: Professorin Dr. Susanne Lüdemann)

Die zehn für eine weitere Förderperiode verlängerten Graduiertenkollegs
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen, unter Nennung der Sprecherinnen oder Sprecher sowie der weiteren antragstellenden Hochschulen und der Kooperationspartner, mit Verweisen auf die Projektbeschreibungen in der DFG-Internetdatenbank GEPRIS zur laufenden Förderung):

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Weitere Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Graduiertenkollegs.

Fachlicher Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und zu den geförderten Graduiertenkollegs finden sich unter: