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Pressemitteilung Nr. 22 | 29. Juni 2022
„Fördern, Erschließen, Gestalten“: Positionspapier zu Rolle und Perspektiven der DFG im deutschen Wissenschaftssystem

Präsidium beschreibt zentrale Aufgaben und Handlungsansätze / „Zuständigkeit für erkenntnisgeleitete Forschung und besondere Verantwortung für Gestaltung des Systems“

Worin sieht die größte Forschungsorganisation und zentrale Selbstverwaltungseinrichtung für die Wissenschaft in Deutschland ihre eigene Rolle im hiesigen Wissenschaftssystem? Welche Aufgaben leitet sie daraus ab, und was sind die wichtigsten Themen und Herausforderungen auf den jeweiligen Aufgabenfeldern? Und welche Perspektiven verbinden sich damit für die Zukunft?

Das Präsidium der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat jetzt zu diesen grundlegenden Fragen ein aktuelles Positionspapier vorgelegt. Darin beschreibt das für die strategisch-konzeptionelle Ausrichtung zuständige Gremium der DFG zentrale Aufgaben und Handlungsansätze. Nach Präsentationen im Senat und Hauptausschuss wurde das Papier am Mittwoch, dem 29. Juni, im Rahmen der DFG-Jahresversammlung 2022 in Freiburg im Breisgau nun abschließend in der Mitgliederversammlung vorgestellt. Es schreibt das Positionspapier „Zur Zukunft des deutschen Wissenschaftssystems“ fort, das 2013 von der DFG veröffentlicht worden war.

„Mit diesem Positionspapier wollen wir all denen, die sich in und mit der DFG für die Wissenschaft engagieren, aber auch allen anderen Akteuren im deutschen Wissenschaftssystem und der interessierten Öffentlichkeit einen Überblick über unsere eigenen Verortungen und die strategische Ausrichtung der DFG in den kommenden Jahren geben“, unterstreicht Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker.

Hierfür beschreibt das Papier einleitend zunächst die wichtigsten Kennzeichen des deutschen Wissenschaftssystems, dessen Stärke und Unabhängigkeit vor allem auf der Arbeit der beteiligten Forscherinnen und Forscher und der wissenschaftlichen Institutionen sowie auf einer nachhaltigen wissenschaftspolitischen Unterstützung des Gesamtsystems und der einzelnen Organisationen durch die international einzigartige Planungssicherheit des Pakts für Forschung und Innovation gründen. Konstitutionell für das System sind seine institutionelle Ausdifferenzierung entlang der unterschiedlichen Funktionen von Forschung – von der Grundlagenforschung über die aus aktuellen gesellschaftlichen Belangen motivierte themenspezifische Forschung und die angewandte Forschung bis zur experimentellen Forschung –, des Weiteren die Forschungsstärke in der Breite mit vielen regional verteilten leistungsfähigen Einrichtungen und Standorten sowie die zentrale Rolle der Hochschulen.

In diesem arbeitsteiligen Wissenschaftssystem sieht sich die DFG besonders für die Förderung der erkenntnisgeleiteten Forschung zuständig, wie Präsidentin Becker unterstreicht: „Die DFG ist insbesondere auf denjenigen Gebieten aktiv, wo die Forschung selbst ihre Themen findet und der Dynamik wissenschaftlicher Erkenntnisprozesse folgt. Durch ihre Förderung der gesamten Breite der Wissenschaft in Deutschland besitzt die DFG darüber hinaus eine besondere Verantwortung für die Gestaltung des Wissenschaftssystems.“

Hieraus ergeben sich aus Sicht der DFG drei zentrale Ansätze für das eigene Handeln, die in dem Papier unter dem Dreiklang „Fördern, Erschließen, Gestalten“ beschrieben werden. Wichtigster Handlungsansatz ist das „Fördern“ und damit die Aufgabe, die unabhängigen und vorgabenfreien wissenschaftlichen Erkenntnisprozesse durch die Organisation eines fairen, wissenschaftsgeleiteten Wettbewerbs für die Auswahl und Förderung von eingehenden Forschungsanträgen zu unterstützen. In diesem Bereich stehen aktuell und künftig eine Reihe von Herausforderungen an, so etwa in der kontinuierlichen Anpassung des Förderportfolios an die sich wandelnden Bedarfe der Wissenschaft, in der Optimierung der Begutachtungsverfahren, bei Fragen der wissenschaftlichen Karriereförderung, in der Reform des Publikationswesens und in der Umsetzung der zweiten Phase der Exzellenzstrategie.

Beim zweiten Handlungsansatz „Erschließen“ werden in begrenzterem Ausmaß strategische Förderinitiativen unterstützt, mit denen die DFG auf Impulse aus der Wissenschaft zur Erschließung oder aktiven Unterstützung bestimmter Forschungsfelder, auf akuten Forschungsbedarf oder auf Anregungen zum Ausbau von Kooperationen reagiert. Beispiele und Herausforderungen für ein solches „strategisches Förderhandeln“ sind die KI-Initiative der DFG, das Clinician Scientist-Programm, die aktuellen Maßnahmen für die Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW), die Ausweitung der Förderung der Wissenschaftskommunikation sowie gezielte internationale Aktivitäten und der Einsatz für eine ressortübergreifende Science-Diplomacy-Strategie.

Mit dem dritten Handlungsansatz „Gestalten“ entwickelt und gestaltet die DFG adäquate Rahmenbedingungen und Standards, die die erkenntnisgeleitete Forschung höchster Qualität ihrerseits stärken. Zentrale Themen und Felder sind hier etwa die Freiheit und Unabhängigkeit von Wissenschaft, die gute wissenschaftliche Praxis, Gleichstellung und Diversität, die Nachhaltigkeit sowie der digitale Wandel und die Forschungsinfrastrukturen.

„Zusammen beschreiben die Handlungsansätze ‚Fördern, Erschließen, Gestalten‘ ein breites Möglichkeitsspektrum zur Förderung bester Forschung und zur weiteren Entwicklung des Wissenschaftssystems“, resümiert DFG-Präsidentin Katja Becker: „Entlang dieser Ansätze, im Bewusstsein ihrer spezifischen Wirkungsmöglichkeiten und ihrer systemischen Verantwortung, wird die DFG auch in Zukunft ihren Gestaltungsauftrag für den Forschungsstandort Deutschland und das Wissenschaftssystem im Ganzen wahrnehmen.“

Weiterführende Informationen

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Der Volltext des Positionspapiers findet sich unter

Alle Pressemitteilungen zur Jahresversammlung 2022 finden sich fortlaufend ergänzt auch in einer digitalen Pressemappe unter