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Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2006

Der Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis 2006 geht an eine Wissenschaftlerin und zehn Wissenschaftler. Sie sind aus 148 Vorschlägen ausgewählt worden. Der mit 1,55 Millionen Euro dotierte Preis wurde am 8. Februar 2006 in Berlin verliehen. Er zeichnet hervorragende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler für herausragende wissenschaftliche Leistungen aus.

Prof. Dr. Matthias Beller, Homogene Katalyse

Der Chemiker Matthias Beller beschäftigt sich mit einer der Schlüsseltechnologien des neuen Jahrtausends: der Katalyse. Dabei sucht er nach neuen Wegen für die Herstellung von verschiedensten chemischen Substanzen, wie etwa Wirkstoffe für Arzneimittel, Zusatzstoffe für Farben und Lebensmittelzwischenprodukte. Ziel seiner Forschungsarbeiten ist die Entwicklung von Katalyseverfahren, die ohne umweltbelastende Abfallprodukte auskommen und gleichzeitig kostengünstig sind. Dabei setzt er unter anderem auf die Verwendung von natürlich vorhandenen Stoffen wie Luft und Sauerstoff. Bellers Arbeiten sind vor allem für die chemische Industrie von großer Bedeutung.

Matthias Beller war nach seiner Promotion und einem Forschungsaufenthalt am Massachusetts Institute of Technology in den USA zunächst einige Jahre bei der Hoechst AG tätig. 1996 wechselte er als Professor für Anorganische Chemie an die Technische Universität München. Seit 1998 ist er Inhaber der Professur für Katalyse an der Universität Rostock und Direktor des dortigen Leibniz-Instituts für Organische Katalyse (IfOK). Beller ist zudem seit 2004 Vorsitzender der deutschen Katalysevereinigung Connecat.

Prof. Dr. Peter Wasserscheid, Chemische Verfahrenstechnik

Peter Wasserscheid gilt als einer der Pioniere auf dem Gebiet der Erforschung und Entwicklung ionischer Flüssigkeiten. Wie herkömmliche Salze leiten ionische Flüssigkeiten elektrischen Strom, liegen aber bereits bei Zimmertemperatur in flüssiger Form vor. Sie werden in chemischen Prozessen als Reaktionsmedien eingesetzt und gelten als besonders umweltfreundlich. Wasserscheid ist es unter anderem gelungen, halogenfreie ionische Flüssigkeiten zu entwickeln, bei denen es erheblich weniger ökologische und arbeitsmedizinische Bedenken gibt als bei halogenhaltigen Systemen. Durch die Gründung der Firma Solvent Innovation GmbH hat Wasserscheid ionische Flüssigkeiten kommerziell verfügbar gemacht. Die von ihm entwickelten Systeme werden schon heute in großindustriellen Verfahren genutzt.

Peter Wasserscheid war nach Studium und Promotion in Aachen zunächst als Postdoc bei BP Chemicals in Großbritannien. Nach seiner Habilitation in Aachen übernahm er 2003 den Lehrstuhl für Chemische Reaktionstechnik an der Universität Erlangen-Nürnberg. Gemeinsam mit einem Kollegen begründete Wasserscheid 1999 die Firma Solvent Innovation GmbH. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören der DECHEMA-Preis der Max-Buchner-Forschungsstiftung und der Innovationspreis der Deutschen Wirtschaft.

Prof. Dr. Patrick Cramer, Strukturbiologie

Patrick Cramer gelang ein wissenschaftlicher Durchbruch mit der Entschlüsselung der dreidimensionalen Struktur der RNA-Polymerase II, eines der größten Enzyme im Zellkern. Dieses Enzym spielt eine zentrale Rolle beim Prozess der so genannten Transkription, also der Übersetzung genetischer Informationen in Boten-RNA, der Bauanleitung für Proteine. Cramers Daten sind weltweit richtungweisend für Studien in diesem Forschungsfeld. Die Arbeiten des Strukturbiologen zielen langfristig darauf ab, die gesamte für die Biologie einer Zelle grundlegende Regulation der Transkription aufzuklären.

Patrick Cramer studierte Chemie in Stuttgart, Heidelberg und Bristol und ging nach seiner Promotion am European Molecular Biology Laboratory in Grenoble zunächst für zwei Jahre als Postdoc nach Stanford in die USA in die renommierte Arbeitsgruppe von Roger Kornberg. Mit nur 32 Jahren wurde er auf eine Professur für Biochemie an das Gen-Zentrum der Ludwig-Maximilians-Universität in München berufen und übernahm dort drei Jahre später die Direktorenstelle.

Prof. Dr. Peter Jonas, Neurophysiologie

Peter Jonas beschäftigt sich mit den Mechanismen der Kommunikation zwischen Nervenzellen im Gehirn. Er hat entscheidend dazu beigetragen, das Zusammenspiel der verschiedenen an der Kommunikation beteiligten Membrankanäle und Transmitterstoffe zu erklären und im zeitlichen Ablauf darzustellen. Seine Arbeiten knüpfen an die Forschung des Nobelpreisträgers Erwin Neher an und führen ein Forschungsfeld weiter, in dem Deutschland weltweit führend ist. Langfristig erhofft man sich von diesen Arbeiten, dass sie Aufschluss über die höheren Funktionen des Gehirns wie das Denken geben.

Nach dem Studium der Humanmedizin und Promotion in Gießen ging Peter Jonas 1990 an das Max-Planck-Institut für Medizinische Forschung in Heidelberg und schloss 1992 seine Habilitation ab.1994 folgte er einem Ruf an die Technische Universität München und wechselte 1995 an das Physiologische Institut der Universität Freiburg. Zu seinen zahlreichen Auszeichnungen gehören der Heinz Maier-Leibnitz-Preis der DFG und der Max-Planck-Forschungspreis.

Prof. Dr. Ferenc Krausz, Quantenoptik

Ferenc Krausz gilt als der Begründer der "Atto Science", einem Arbeitsgebiet, in dem man die ultraschnellen Bewegungen von Elektronen in Echtzeit beobachten kann. Gemeinsam mit deutschen und österreichischen Kollegen ist dem gebürtigen Ungar erstmals die Entwicklung eines Geräts gelungen, das atomare Prozesse mit bisher nicht möglicher Präzision messen kann. Diese Messungen liegen im Bereich von hundert Attosekunden: eine Attosekunde beträgt 0, 000 000 000 000 000 001 Sekunden. Krausz' Forschungen bilden die Basis für neue Arbeitsgebiete, darunter die hochpräzise Materialbearbeitung und die hochauflösende Mikroskopie lebender Organismen. Von Krausz entwickelte Laser werden bereits in Kliniken zur frühen Diagnose von Augen- und Krebskrankheiten getestet.

Ferenc Krausz hat seine akademische Ausbildung in Budapest und Wien absolviert und wurde 2003 als Direktor an das Max-Planck-Institut für Quantenoptik in Garching berufen. 2004 übernahm er zudem den Lehrstuhl für Experimentalphysik an der Ludwig-Maximilians-Universität München.

Prof. Dr. Klaus Mezger, Geochemie

Klaus Mezger und seine Arbeitsgruppe haben Methoden entwickelt, mit denen sich das Alter von Gesteinen und damit der Erde und anderer Planeten wesentlich genauer bestimmen lässt, als dies bisher möglich war. Mithilfe der Isotopengeochemie und hochpräziser Messungen konnte Mezger erstmals zeigen, dass sich die Kerne der Erde und des Mars innerhalb von 30 Millionen Jahren nach der Entstehung des Sonnensystems bildeten. Die in Mezgers Institut entwickelten Methoden erreichen weltweit mit die höchste Präzision und finden Anwendung in einer Vielzahl grundlegender, aktueller Fragen zur Entwicklung der Erde und anderer Himmelskörper.

Klaus Mezger studierte in Würzburg und an der State University of New York in Albany Mineralogie und Geologie und promovierte 1989 an der State University of New York in Stony Brook. Nach einer zweijährigen Postdoc-Zeit an der University of Michigan in Ann Arbor ging er an das Max-Planck-Institut für Chemie in Mainz, habilitierte sich 1995 und wurde 1997 nach Münster berufen, wo er seither das Zentrallaboratorium für Geochronologie leitet.

Prof. Dr. Thomas Mussweiler, Sozialpsychologie

Thomas Mussweiler beschäftigt sich mit der Frage, welche Rolle Vergleichsprozesse bei menschlichen Urteilen und Entscheidungen spielen. Gemeinsam mit Kollegen hat der Sozialpsychologe dazu ein kognitives Modell zur Erklärung von Vergleichsprozessen entwickelt und experimentell überprüft. Dieses Modell geht von der Grundannahme aus, dass die Konsequenzen von Vergleichen zum einen davon abhängen, welches Wissen Personen bei einem Vergleich aktivieren und wie sie zu anderem dieses Wissen für anschließende Urteile nutzen. Die Arbeiten von Thomas Mussweiler sind nicht nur von grundlegender Bedeutung für die psychologische Entscheidungsforschung, sondern haben auch wirtschaftliche Relevanz. Sie knüpfen unter anderem an die Arbeiten des Sozialpsychologen Daniel Kahneman an, der 2002 den Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften erhielt.

Thomas Mussweiler hat an der Universität Trier promoviert und 2002 seine Habilitation an der Universität Würzburg abgeschlossen. In Würzburg leitete er unter anderem eine Nachwuchsforschergruppe im Emmy Noether-Programm der DFG. Mussweiler ist Mitglied der Jungen Akademie an der Berlin-Brandenburgischen Akademie der Wissenschaften und der Deutschen Akademie der Naturforscher Leopoldina. 2001 erhielt er den Heinz Maier-Leibnitz-Preis der DFG und wurde 2004 mit dem European Young Investigator (EURYI) Award ausgezeichnet. Seit 2005 hat er eine Professur an der Universität zu Köln inne.

Prof. Dr. Felix Otto, Analysis partieller Differentialgleichungen

Das Arbeitsfeld des Bonner Mathematikers Felix Otto ist die Analyse von Musterbildungsprozessen, die bei Modellen zur Beschreibung verschiedener physikalischer Phänomene auftreten und häufig eine mehrskalige Natur aufweisen. Die von ihm verwendeten mathematischen Werkzeuge reichen von fortgeschrittenen Methoden der Analysis bis hin zur Numerischen Simulation. Konkret beschäftigt er sich unter anderem mit dem Mikromagnetismus, der vor allem bei der Entwicklung von neuen Speichertechnologien eine zentrale Rolle spielt, sowie Vergröberungs- und Wachstumsprozessen, die in den Materialwissenschaften von großer Bedeutung sind.

Nach seiner Promotion an der Universität Bonn ging Felix Otto zunächst in die USA und arbeitete dort unter anderem am Courant Institute in New York und an der University of California in Santa Barbara. 1999 kehrte er nach Bonn zurück, um dort eine Professur am Institut für Angewandte Mathematik zu übernehmen. Zu seinen zahlreichen nationalen und internationalen Auszeichnungen gehören ein Sloan Research Fellowship und der Max-Planck-Forschungspreis.

Prof. Dr. Dominik Perler, Philosophiegeschichte/Theoretische Philosophie

Die Forschungsschwerpunkte von Dominik Perler umfassen sowohl die Philosophie des Mittelalters und der Frühen Neuzeit als auch die Philosophie des Geistes und die Erkenntnistheorie. In seinen Arbeiten zu Autoren, Denksystemen und Problemen der Philosophiegeschichte hat er unter anderem gezeigt, wie sich die Denktraditionen des christlich-abendländischen und des arabisch-islamischen Raumes wechselseitig beeinflusst haben. Aktuell beschäftigt sich Perler mit dem "Geist der Tiere" und der Frage nach dem Verhältnis von Emotion und Kognition aus philosophischer Perspektive.

Dominik Perler ist seit 2003 Inhaber des Lehrstuhls für Theoretische Philosophie an der Humboldt-Universität zu Berlin. Nach seiner Promotion in Fribourg, Schweiz, brachte ihn seine Laufbahn zunächst in die USA, bevor er sich 1996 in Göttingen habilitierte und 1997 als Ordinarius für Philosophie an die Universität Basel ging. Von 2004 bis 2005 war er zudem Fellow am Wissenschaftskolleg zu Berlin.

HD Dr. Gyburg Radke, Klassische Philologie und Philosophie

Die Altertumswissenschaftlerin Gyburg Radke beschäftigt sich mit nahezu allen Bereichen der griechischen Geistesgeschichte. Dabei forscht sie sowohl in der antiken Philosophie als auch in der klassischen Literatur, zwei Bereiche, die bislang zumeist streng voneinander getrennt untersucht wurden. Ihre Arbeit zeichnet sich insbesondere dadurch aus, dass sie ihre altertumswissenschaftlichen Forschungsprojekte in größere kulturgeschichtliche und hermeneutische Zusammenhänge stellt. Mit ihrem Fächergrenzen überschreitenden Ansatz hat sie wesentliche Beiträge zur Rezeptionsgeschichte der Antike vorgelegt.

Gyburg Radke hat an den Universitäten Marburg und Heidelberg studiert und 2003 ihre Habilitation abgeschlossen. Seit ihrer Rückkehr von einem Forschungsaufenthalt an der Harvard University 2004 ist sie Hochschuldozentin in Marburg. Sie hat zudem Lehrstuhlvertretungen in Münster und Heidelberg übernommen und vertritt zurzeit den Lehrstuhl für Lateinische Philologie an der Universität Marburg.

Prof. Dr. Marino Zerial, Zellbiologie

Marino Zerial gehört zu den international führenden Wissenschaftlern auf dem Gebiet der molekularen Zellbiologie. Im Zentrum seines Forschungsinteresses stehen die molekularen Mechanismen bei Transportvorgängen in Zellen. Er hat mit seinen Arbeiten nicht nur einen wesentlichen Beitrag zum Verständnis grundlegender zellulärer Prozesse geliefert, sondern auch einen Schlüssel zu Einsichten in verschiedenste Krankheiten, die von Virusinfektionen bis degenerativen Erkrankungen des Nervensystems reichen.

Marino Zerial studierte an der Universität Triest und schloss dort 1982 seine Promotion ab. Nach einer zweijährigen Postdoc-Zeit am Institut Jacques Monod in Paris wechselte er an das European Molecular Biology Laboratory in Heidelberg. Seit 1998 arbeitet er als Direktor am Max-Planck-Institut für molekulare Zellbiologie und Genetik in Dresden.