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Wie Forschung von Partizipation profitieren kann

Handgeschriebenes Schild "Warum sollte sich die Gesellschaft für Wissenschaft interessieren?"

Partizipation - auch ein Thema bei der Veranstaltung "Next Generation Research" der DFG

© DFG / Gesine Born

Die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern eröffnet ein großes Potenzial. Sie bereichert Forschungsprojekte, bettet die Wissenschaft stärker in die Gesellschaft ein und stärkt das Vertrauen in öffentlich finanzierte Forschung. Daher binden Forscherinnen und Forscher Bürgerinnen und Bürger bei geeigneten Projekten gern in ihre Forschung ein. Die DFG setzt sich dafür ein, dass Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler das Potenzial der verschiedenen Formen von Partizipation in den unterschiedlichen Förderangeboten nutzen können, indem sie Fördergelder bereitstellt. Maßnahmen oder Überlegungen zur Partizipation können beispielsweise Teil des wissenschaftlichen Arbeitsprogramms oder Teil der Kommunikationsmaßnahmen eines Forschungsprojekts oder eines sogenannten Transferprojekts sein. In der Begutachtung der Anträge gelten die gleichen wissenschaftlichen Qualitätsstandards wie für alle DFG-geförderten Vorhaben.

Bild eines Ackers mit einem Schild Wissenschaftliche Vogelberingung

Eine Form von Citizen Science: Seit 2016 sind bisher über 25 ehrenamtlich tätige Personen aus ganz Deutschland daran beteiligt, Vögel zu fangen und zu beringen, um die Bedeutung von Maisfeldern für die Biodiversität zu erforschen.

© Thomas Gottschalk

Forschung mit Bürgerinnen und Bürgern

Eine Form der Partizipation ist die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern an Forschungsprojekten, auch Citizen Science genannt. Die DFG fördert vielfältige wissenschaftliche Projekte, die Bürgerinnen und Bürger aktiv beteiligen. Diese können beispielsweise in archäologischen Vorhaben die Grabungen unterstützen, Tiere und Pflanzen sammeln und zählen, Wettermessungen oder geologische Daten übermitteln und verarbeiten. Auch in der Psychologie, den Computerwissenschaften oder der Medizin gibt es Beispiele für Citizen Science. Partizipation erschließt der Wissenschaft aber auch spezielle Expertisen wie beispielsweise Fährtenlesen oder Sprachkompetenzen für Dialekte. 

Citizen Science trägt dazu bei, die für die Wissenschaft verfügbare Datenbasis erheblich zu verbreitern und so die wissenschaftlichen Ergebnisse zu verbessern. Dabei definieren Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Fragen der Forschung; Partizipation kann die Perspektivenvielfalt erhöhen - mit spezifischen Wissensbeständen, Interessen und Wertvorstellungen. 

Auch überall dort, wo Forschung "Sounding Boards" aus der Gesellschaft benötigt, sind die Meinungen von Bürgerinnen und Bürgern wertvoll. Das betrifft einerseits die Wirkung und den zu erwartenden Nutzen von Innovationen, andererseits auch die Auseinandersetzung mit Wirkungen von Forschung und ihrer Ergebnisse auf die Gesellschaft. Die DFG fördert beispielsweise Projekte aus den Sozialwissenschaften, etwa der Akzeptanzforschung, oder den Geschichtswissenschaften. Aber auch bei Themen wie Climate Engineering oder zu ethischen Fragestellungen gibt es erfolgreiche Beispiele für die Beteiligung von Bürgerinnen und Bürgern.

Von den Menschen lernen

In zahlreichen DFG-geförderten Projekten stehen die Gesellschaft und die Menschen als Forschungsgegenstand im Mittelpunkt. Um neue Ergebnisse zu erzielen, ist der Kontakt zu Beteiligten und Betroffenen unabdingbar: Oftmals durch Befragungen und Interviews wie in der Soziologie, der Ethnologie, der Medizin oder der Psychologie. Auch historische Betrachtungen zur Entwicklung der Teilhabe in Gesellschaften sind ein Feld, auf dem die DFG Vorhaben fördert. Und gerade in der Medizin können nur Patientinnen und Patienten selbst ihre Erfahrungen teilen, die wiederum für die wissenschaftliche Bewertung wichtig sind. Die Betroffenen, ob Patientinnen und Patienten oder Angehörige, verfügen häufig über einen großen Erfahrungsschatz und nehmen aktiv auf den gesamten Forschungsprozess Einfluss - von der Fragestellung über das Forschungsdesign und die Methodenauswahl bis zur Interpretation und Verbreitung der Ergebnisse. Ein Beispiel hierfür ist das DFG-Programm "Klinische Studien", ein weiteres das Nationale Aktionsbündnis für Menschen mit Seltenen Erkrankungen (NAMSE), das die DFG als eine von mehreren Förderorganisationen unterstützt.

Partizipation als Forschungsthema 

Nicht zuletzt fördert die DFG auch eine Reihe von Projekten, die die Forschungspartizipation selbst untersuchen. Denn um einschätzen zu können, wie Wissenschaft von Partizipation und Bürgerinnen und Bürger von ihrem Engagement profitieren, ist wiederum Forschung vonnöten.

Eine Auswahl DFG-geförderter Projekte liefert die Projektdatenbank Gepris:

Wissensvermittlung

Passanten im Gespräch

Der Austausch mit Bürgerinnen und Bürgern wirft für die Forschung neue Fragen auf - wie bei der "Expedition für das Wissen" im Jahr 2020

© DFG

Die Kommunikation und Interaktion zwischen Gesellschaft und Wissenschaft nimmt auch bei DFG-geförderten Projekten eine immer größere Rolle ein. Forschungsprojekte widmen sich zunehmend der gezielten Öffentlichkeitsarbeit und Wissenschaftskommunikation. Für die direkten Kommunikationswege und neue Diskussionsformen, die hier entstehen und die ihrerseits Einfluss auf Forschungsprozesse nehmen, stellt die DFG im Rahmen der geförderten Projekte Mittel bereit. Nicht selten sind Beteiligte auch Protagonisten von Filmen, Podcasts, Blogs oder Veranstaltungen. Ein Beispiel für aktive Partizipation ist das Interdisziplinäre Forschungsnetzwerk Einsamkeit (InLoNe), das unter anderem eine Plattform entwickelt, die Betroffene in den Forschungsprozess einbindet als auch die Wissenschaftskommunikation zum Thema Einsamkeit stärkt.

Ein Beispiel dafür, wie die DFG Wissenschaftskommunikation unterstützt, sind die Sonderforschungsbereiche. 

Anlässlich des Jubiläums der Sonderforschungsbereiche 2018 wurden einige Beispiele zusammengestellt:

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Im Interview

Logo der Reihe

Im Juni 2022 sprach Dr. Christoph Kümmel (DFG) über das Jahresthema des Berliner Antike-Kollegs - er steuerte seine Sicht und die Perspektive der DFG auf Fragen bei, die auch während der Auftaktveranstaltung zum Jahresthema am 17. Mai 2022 diskutiert wurden.