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Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2010

Sechs Mal ausgezeichneter Forschernachwuchs

Der Heinz Maier-Leibnitz-Preis 2010 geht an zwei Wissenschaftlerinnen und vier Wissenschaftler. Sie sind aus 104 Vorschlägen ausgewählt worden. Der mit 16 000 Euro dotierte Preis wurde am 20. Mai 2010 in Bonn verliehen. Er zeichnet junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Anerkennung herausragender Leistungen aus.

Daniel Balzani (33), Baumechanik, Universität Hannover

Daniel Balzani gehört im Bereich der Mechanik zur Spitze der deutschen Nachwuchswissenschaftler und hat sich durch sein eigenständiges Profil und vielfältige Kontakte auch international bereits einen Namen gemacht. Vor allem mit seinen Arbeiten zur Entwicklung eines Materialmodells zur Beschreibung des mechanischen Verhaltens arteriellen Gewebes hat er Neuland betreten. Seine Ergebnisse sind nicht nur für die Optimierung medizinischer Behandlungsmethoden von Bedeutung, sondern auch für die allgemeine Materialtheorie. Derzeit verwaltet Balzani die Professur für Baumechanik am Institut für Baumechanik und numerische Mechanik an der Leibniz-Universität Hannover.

Wilhelm Hofmann (33), Psychologie, Universität Würzburg

Als einer der begabtesten und kreativsten Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Psychologie in Deutschland erforscht Wilhelm Hofmann den Zusammenhang zwischen impliziten und expliziten Einstellungen und Persönlichkeitseigenschaften. Zudem betreibt er auf hohem Niveau Forschung zu impulsiven und reflexiven Einflüssen auf selbstregulierendes Verhalten. Die Grundlagen für sein vielfältiges Forschungsprogramm legte Hofmann bereits in seiner Dissertation. Seine herausragenden empirischen Untersuchungen und Überblicksarbeiten haben den von ihm erforschten Bereichen wesentliche Impulse gegeben.

Hannah Markwig (29), Mathematik, Universität Göttingen

Hannah Markwig gehört zum weltweit führenden Nachwuchs in der „tropischen Geometrie“, einer neuen Richtung der algebraischen Geometrie mit Verbindungen zur Kombinatorik, deren Impulse von brasilianischen Geometern kamen. Markwigs Beiträge zu diesem aufstrebenden Gebiet finden Anwendung in der enumerativen Geometrie und damit auch bei der mathematischen Formulierung moderner Konzepte der Physik, insbesondere aus der Stringtheorie. Große Fortschritte erzielte Markwig auch bei der computergestützten Umsetzung ihrer Ergebnisse. Hier wirkte sie an der Entwicklung eines Softwarepakets mit, das auch anhand praktischer Beispiele die Überführung von Objekten der tropischen in die algebraische Geometrie und umgekehrt erlaubt. Mit diesen Arbeiten ist die Göttinger Juniorprofessorin hervorragend in die internationale Forschergemeinschaft eingebunden, in der sie hohe Anerkennung genießt.

Ansgar Reiners (36), Astrophysik, Universität Göttingen

Auf dem Gebiet der stellaren Astrophysik hat Ansgar Reiners durch neue Beobachtungs- und Analyseansätze zwei Forschungsbereiche wesentlich vorangebracht: Zum einen entwickelte er ein Verfahren zur spektroskopischen Messung stellarer differentieller Rotation, das für das Verständnis des stellaren Dynamomechanismus zentral ist. Zum anderen gelang ihm mit einem eigenen Verfahren die direkte Messung von Magnetfeldern in sehr kühlen Sternen. Über diese international hoch anerkannten Arbeiten hinaus hat sich Reiners auch bereits in jungen Jahren als akademischer Lehrer und Initiator von Forschungsverbünden einen Namen gemacht.

Sebastian Schmidt-Hofner (33), Alte Geschichte, Universität Heidelberg

Sebastian Schmidt-Hofner gilt als einer der vielversprechendsten Nachwuchswissenschaftler im Bereich der Alten Geschichte mit hoher internationaler Reputation. Zur Erforschung der Spätantike hat der Historiker bereits in seiner Dissertation Grundlegendes geleistet. In ihr stellte er Gesetzestexte in einen breiteren Kontext und ermöglichte damit vielschichtigere Interpretationen dieser wichtigsten spätantiken Quellengattung. Aktuell befasst sich Schmidt-Hofner mit der Raumordnung in den Kulturen des archaisch-klassischen Griechenlands. Dabei nutzt er erstmals systematisch die Methoden moderner Raumsoziologie für die Erforschung antiker Strukturen.

Christina Thiele (36), Chemie, Technische Universität Darmstadt

Christina Thiele hat sich bereits früh als risikobereite und kreative Wissenschaftlerin erwiesen und sich mit ihrer ausgeprägten wissenschaftlichen Eigenständigkeit ein international präsentes Profil erworben. Die Leiterin einer DFG-geförderten Emmy Noether-Nachwuchsgruppe setzte auf verschiedenen Gebieten die NMR-Spektroskopie höchst erfolgreich ein, zunächst in ihrer Dissertation zu metallorganischen Reaktionen, später dann zur Bestimmung der Konfiguration kleiner organischer Moleküle. Auf diesem weltweit nur von wenigen Forschergruppen beherrschten Feld konnte Christina Thiele substanzielle Beiträge leisten.