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Pressemitteilung Nr. 33 | 2. Juli 2015
„Bemerkenswerte Erfolgsgeschichten fortschreiben, drängende Probleme angehen“

DFG-Jahrespressekonferenz mit Appellen und Vorschlägen zur Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative / Leichter Anstieg der Förderquoten bei weiter hohem Antragsdruck

Eine deutliche Aufstockung der Grundfinanzierung der Hochschulen, die weitere gezielte Förderung der Spitzenforschung und die Verbesserung der Karrieremöglichkeiten für junge Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind aus der Sicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) die zentralen Herausforderungen im Wissenschaftssystem und für die Wissenschaft und Wissenschaftspolitik in Deutschland.

„Wissenschaft und Forschung haben in den letzten Jahren beträchtliche finanzielle Zuwächse erfahren. Dies ist ein Ausdruck politischen Vertrauens in die Wissenschaft überhaupt und speziell in die Förderung bester Forschung, für die die DFG steht. Umso mehr kommt es nun darauf an, dass Politik und Wissenschaft gemeinsam die bemerkenswerten Erfolgsgeschichten fortschreiben, die klugen Rahmensetzungen ausfüllen und die unbestritten drängenden Probleme angehen. Dann und nur dann werden Wissenschaft und Forschung ihre Leistungsfähigkeit und ihren Erkenntnisreichtum weiter entfalten können“, sagte DFG-Präsident Professor Dr. Peter Strohschneider auf der Jahrespressekonferenz der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Selbstverwaltungsorganisation für die Wissenschaft in Deutschland am Donnerstag, dem 2. Juli 2015, in Berlin.

Strohschneider, der am Tag zuvor von der Mitgliederversammlung der DFG in Bochum für eine zweite Amtszeit von 2016 bis 2019 wiedergewählt worden war, nahm auf der Jahrespressekonferenz zusammen mit DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek Stellung zu aktuellen wissenschaftspolitischen Themen und berichtete über die Jahresversammlung der DFG, die vom 29. Juni bis 1. Juli an der Bochumer Ruhr-Universität stattgefunden hatte.

Mit Nachdruck bekräftigte der DFG-Präsident dabei die Forderung nach einer zügigen und wissenschaftsgeleiteten Ausgestaltung der neuen Bund-Länder-Initiative zur Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative. Die Grundsatzbeschlüsse des Bundes und der Länder und zuletzt der Regierungsfraktionen des Bundestages hätten zwar den Rahmen und erste Eckpunkte zu Laufzeit und Volumen gesetzt. „Entscheidende Fragen aber sind weiter offen, etwa die, wer sich überhaupt an einem neuen Wettbewerb beteiligen kann, welchen Kriterien dieser Wettbewerb folgt und welche Wissenschaftsfunktionen in ihm wie gefördert werden können“, so Strohschneider. Die jetzt in der Exzellenzinitiative Geförderten, aber auch jene, die sich um eine künftige Förderung bewerben wollten, bräuchten Planungssicherheit. „Aktuell herrscht dagegen durchaus Unklarheit, die an den Universitäten zu beträchtlicher Nervosität führt – zum Nachteil der Forschung und ihrer Entwicklung.“

Die DFG selbst schlägt zur Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative als neues Förderinstrument die Einrichtung von „Exzellenzzentren“ vor. Mit ihnen sollen sich die deutschen Universitäten in ausgewählten Forschungsfeldern zu weltweit führenden Zentren der Spitzenforschung mit internationaler Ausstrahlung und Anziehungskraft entwickeln können. Hierzu sollten über die Exzellenzzentren unterschiedlichste Maßnahmen der Universitäten zu ihrer weiteren Schwerpunktsetzung, zur regionalen Bündelung aller einschlägigen Kompetenzen und zum Auf- und Ausbau institutionenübergreifender Kooperationen realisiert und gefördert werden können.

Eine solche Förderung der Spitzenforschung könnte nach Ansicht der DFG mit einer besseren Förderung und Betreuung jüngerer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbunden werden. Sie sollen auf allen Qualifizierungsstufen und mit planbaren Karrierewegen in die Exzellenzzentren eingebunden werden. Mit dieser Verbindung knüpft das Konzept der Exzellenzzentren an die bisherige erste und zweite Förderlinie der Exzellenzinitiative – Graduiertenschulen und Exzellenzcluster – an, führt deren bislang getrennten Förderfunktionen aber zusammen. „Dies ist möglich, weil die Förderung der besten jungen Forscherinnen und Forscher integraler Bestandteil herausragender Forschung und ihrer Förderung ist“, sagte dazu in Berlin der DFG-Präsident.

Wie Strohschneider weiter erläuterte, sollen die Exzellenzzentren möglichst themen- und formatoffen angelegt sein und je nach Einzelfall auch länger – etwa bis zu drei Mal sechs Jahre lang – und mit variablerem Fördervolumen – bis zu maximal 10 Millionen Euro pro Jahr – als die bisherigen Einrichtungen der Exzellenzinitiative gefördert werden können. Das neue Förderinstrument würde sowohl für bisher geförderte Exzellenzcluster als auch für neue Forschungsverbünde zugänglich sein; für beide sollte es einen einheitlichen Wettbewerb geben.

„Der bisherige Erfolg der Exzellenzinitiative basiert unzweifelhaft auf ihrer klaren Fokussierung auf die Spitzenforschung an den Universitäten. Daher braucht auch die neue Bund-Länder-Initiative, wie immer sie aussehen mag, ein wettbewerbliches Förderinstrument zur Förderung bester Forschung an den Universitäten“, unterstrich der DFG-Präsident abschließend.

Nicht zuletzt verknüpft mit der Diskussion um die Weiterentwicklung der Exzellenzinitiative – die ihrerseits Bestandteil der Debatte um die künftige Ausgestaltung des Wissenschaftssystems insgesamt ist –, hat die DFG in den vergangenen Monaten auch Überlegungen zum künftigen Zuschnitt ihres Förderportfolios entwickelt und in ihren Gremien diskutiert. „Wir müssen uns fragen, ob unser Förderangebot offen und flexibel genug ist, um den Belangen der Antragstellerinnen und Antragsteller bestmöglich entsprechend zu können“, so Präsident Strohschneider auf der Jahrespressekonferenz. Auch sei das Förderangebot über Jahrzehnte ausgebaut worden, was sich nicht unbegrenzt fortsetzen lasse. Insgesamt gehe es darum, die DFG in einem sich dynamisch wandelnden Wissenschaftssystem „leistungsfähig zu halten und noch leistungsfähiger zu machen“.

Als Diskussionsgrundlage stellte Strohschneider eine Systematik vor, die in drei Ebenen von den Förderfunktionen der DFG, den Dimensionen der Förderung und den Antragstellern ausgeht. Als Förderfunktionen werden dabei die „direkte Förderung erkenntnisgeleiteter Forschung“ und „die Förderung der Forschung durch Unterstützung von institutionellen Schwerpunktsetzungen, Profil- und Strukturbildungen“ beschrieben. Bei den Dimensionen der Förderung werden drei Kategorien unterschieden: Die „personenorientierte Förderung“ stellt die forschende Person in den Mittelpunkt; die „forschungsthemenorientierte Förderung“ akzentuiert eine wissenschaftliche Frage, die in einem Einzelprojekt oder in einem Verbund von Teilprojekten behandelt wird; die „maßnahmenorientierte Förderung“ zielt auf die Verbesserung von Forschungsmöglichkeiten ab. Antragsteller können Personen und Organisationen wie etwa die Universitäten sein.

Miteinander in Beziehung gesetzt, ergeben diese verschiedenen Ebenen insgesamt fünf sogenannte „Förderräume“ für eine Förderung durch die DFG: Dabei könnten Personen sowohl eine personenorientierte Förderung als auch eine forschungsthemenorientierte Förderung als auch eine maßnahmenorientierte Förderung beantragen. Universitäten und andere Organisationen könnten sowohl eine forschungsthemenorientierte als auch eine maßnahmenorientierte Förderung beantragen, die beide jeweils eine institutionelle Strukturbildungsfunktion hätten.

Diese Systematik wurde auf der Jahresversammlung von den DFG-Mitgliedern als Ausgangspunkt für weitere Überlegungen intensiv diskutiert und insgesamt zustimmend zur Kenntnis genommen. In weiteren Schritten sollen zunächst die derzeitigen Förderangebote der DFG den fünf Förderräumen zugeordnet werden. Dies wiederum könnte dann Grundlage für eine weitere Modularisierung und damit Flexibilisierung des Förderhandelns sein.

Die aktuelle Förderarbeit der DFG ist durch eine weiterhin sehr hohe Nachfrage nach Fördermitteln und eine gleichzeitige leichte Entspannung bei den in den vergangenen Jahren deutlich gesunkenen Förderquoten gekennzeichnet, wie Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek in Berlin berichtete. Beide Entwicklungen zeigen sich besonders in der Einzelförderung, die, so Dzwonnek, „unverändert das Rückgrat der DFG-Förderung ist“. Hier wurde 2014 erneut alleine über mehr als 11 000 neue Förderanträge entschieden. Die beantragten Mittel stiegen dabei im Vergleich zu den Vorjahren noch einmal an. Dennoch ist es der DFG gelungen, die Förderquoten und damit die Erfolgschancen für die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler wieder leicht zu verbessern. Sie waren in der Einzelförderung zwischen 2009 und 2012 kontinuierlich von fast 47 auf 32 Prozent gesunken und hatten sich 2013 bei gut 31 Prozent eingependelt. Im vergangenen Jahr stiegen sie nun wieder auf gut 34 Prozent an, wozu auch die zeitweilige Umschichtung von Fördermitteln aus den Koordinierten Programmen in die Einzelförderung beitrug.

„Für die DFG und vor allem für die Antragstellerinnen und Antragsteller ist es zweifellos erfreulich, dass die teilweise rasante Talfahrt bei den Förderquoten gestoppt ist. An der Grundproblematik hat sich damit aber nichts geändert“, konstatierte Dzwonnek. „Die Universitäten sind weiterhin strukturell erheblich unterfinanziert, und die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sind weiter fast schon gezwungen, ihr Heil in den Drittmitteln zumal der DFG zu suchen, die für eine solche grundständige Finanzierung von Forschung aber gar nicht gedacht sind.“ Entscheidend für das künftige Förderhandeln der DFG als größter Drittmittelgeberin für die zusätzliche Finanzierung von Forschung und für die Leistungsfähigkeit der Forschung sei deshalb eine deutliche Anhebung der universitären Grundfinanzierung, unterstrich die DFG-Generalsekretärin.

Dem ebenfalls auf der Jahrespressekonferenz vorgestellten „Jahresbericht 2014“ zufolge förderte die DFG im vergangenen Jahr annähernd 30 000 Forschungsprojekte mit einem Gesamtvolumen von rund 2,73 Milliarden Euro. Davon wurden gut 6900 Projekte neu bewilligt und mit insgesamt 1,54 Milliarden Euro gefördert. Fast die Hälfte der insgesamt geförderten Projekte – gut 14 000 – waren in der Einzelförderung angesiedelt; für sie wurden insgesamt rund 835 Millionen Euro Fördermittel bewilligt. In den Sonderforschungsbereichen, Graduiertenkollegs und anderen Koordinierten Programmen wurden 822 Verbünde mit insgesamt fast 13 400 Teilprojekten und einer Gesamtbewilligungssumme von rund 1,15 Milliarden Euro gefördert. In die insgesamt 113 im Rahmen der Exzellenzinitiative geförderten Einrichtungen flossen 516 Millionen Euro.

Aufgeteilt nach den großen Wissenschaftsbereichen erhielten auch 2014 die Lebenswissenschaften mit 763 Millionen Euro die meisten Fördermittel (38,5 Prozent der Gesamtbewilligungssumme), gefolgt von den Naturwissenschaften mit 462 Millionen Euro (23,3 Prozent), den Ingenieurwissenschaften mit 431 Millionen Euro (21,7 Prozent) und den Geistes- und Sozialwissenschaften mit 326 Millionen Euro (16,5 Prozent).

Detaillierte und thematisch differenzierte Analysen zur Drittmittel-geförderten Forschung in Deutschland will die DFG in Kürze mit ihrem neuen „Förderatlas“ vorstellen, wie Generalsekretärin Dzwonnek ankündigte. Das bereits seit 1997 alle drei Jahre erscheinende Zahlenwerk wertet neben den DFG-Förderungen die zahlreicher anderer Organisationen und staatlicher Förderer in Deutschland und auf europäischer Ebene aus und ist so die umfassendste Auswertung zur öffentlich finanzierten Forschung und den dadurch ermöglichten Forschungsprofilen einzelner Hochschulen und Regionen. Ein Schwerpunkt in der siebten Auflage werden Daten und Analysen zur Exzellenzinitiative sein. Der Förderatlas soll im Herbst in einer Pressekonferenz vorgestellt werden.

In einem Ausblick wiesen der DFG-Präsident und die Generalsekretärin zudem auf die im Herbst dieses Jahres anstehende Online-Wahl zu den Fachkollegien der DFG hin. Nachdem der Senat der DFG auf der Jahresversammlung die Kandidierendenliste verabschiedet hat, stehen nun insgesamt 1712 Kandidatinnen und Kandidaten für die 613 Plätze in den 48 Fachkollegien der DFG fest. Für sie können zwischen Ende Oktober und Ende November rund 150 000 wahlberechtigte Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus ganz Deutschland ihre Stimmen abgehen. Die ehrenamtlich tätigen Mitglieder der Fachkollegien bewerten Förderanträge an die DFG wissenschaftlich und formulieren auf dieser Basis eine abschließende Entscheidungsempfehlung für die Gremien. Zusätzlich sind sie in den Strategieprozess der DFG eingebunden. Präsident Strohschneider: „Die Fachkollegien-Wahlen sind Ausdruck für die Integrationskraft, welche die DFG als Selbstverwaltungsorganisation für die gesamte Wissenschaft in Deutschland entfalten kann.“

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

  • Marco Finetti
    Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG
    Tel. +49 228 885-2230
    Marco.Finetti@dfg.de

Diese Pressemitteilung zur Jahrespressekonferenz sowie alle Pressemitteilungen zur DFG-Jahresversammlung finden sich auch in einer elektronischen Pressemappe unter:

Der „Jahresbericht 2014“ ist unter

zugänglich. Dort findet sich auch der Berichtsteil „Programme und Projekte“ mit einer Übersicht zu den bewilligten Förderprojekten.

In gedruckter Form kann der Jahresbericht bestellt werden bei:

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