Pressemitteilung Nr. 17 | 11. April 2024

Händel-Tierschutzpreis 2024 an Peter Loskill und Silke Riegger

DFG zeichnet eine Forscherin und einen Forscher aus Tübingen für ihre Organ-on-Chip-Systeme aus / „Chancen auf breite Anwendung hoch“ / Preisverleihung am 6. Juni in Würzburg

Professor Dr. Peter Loskill und Dr. Silke Riegger von der Universität Tübingen erhalten den diesjährigen Ursula M. Händel-Tierschutzpreis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Der Jury zufolge tragen sie mit der Entwicklung, Anwendung und Verbreitung von Organ-on-Chip-Systemen erheblich dazu bei, Tiermodelle durch geeignete Alternativen zu ersetzen. Der mit insgesamt 80 000 Euro dotierte Preis wird in diesem Jahr zum zehnten Mal an Wissenschaftler*innen verliehen, die den Tierschutz in der Forschung im Sinne des 3R-Prinzips verbessern. Die drei „R“ stehen dabei für Replace (Vermeiden), Reduce (Verringern) und Refine (Verbessern). Die Preisverleihung findet am 6. Juni in Würzburg im Rahmen eines Symposiums der dort ansässigen „Würzburg Initiative 3R (WI3R)“ statt.

Die Jury des Händel-Tierschutzpreises würdigte bei ihrer Entscheidung, dass das Team um Peter Loskill und Silke Riegger bereits eine Vielzahl von Organ-on-Chip (OoC)-Systemen als Alternativen zu Tierversuchen für verschiedene Organsysteme entwickelt hat. Dabei handelt es sich um Gewebemodelle, die in kleinen Zellkulturkammern gezüchtet werden, um die komplexen physiologischen und pathophysiologischen Funktionen von Organen zu simulieren. Die von Loskill und Riegger entworfenen OoCs können bei Versuchen zu Stoffwechsel- und Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie im Bereich der Augenheilkunde (Ophtalmologie) eingesetzt werden. Besonders hervorzuheben sei, dass die Preisträgerin und der Preisträger sich neben der Entwicklung neuer Modelle auch um die weitere Etablierung und Entwicklung standardisierter Verfahren in der Anwendung von OoCs kümmern und auch die Validierung der Systeme im Tierversuch vornehmen. Mit diesen Arbeiten legen sie aus Sicht der Jury wichtige Grundlagen, um Akzeptanz für die Alternativmethode zu schaffen und sie als verlässliche Methode in die breitere Anwendung zu bringen.

„Die diesjährigen Preisträger*innen Peter Loskill und Silke Riegger leisten hervorragende wissenschaftliche Arbeit an der Schnittstelle zwischen Biologie, Medizin, Physik und Ingenieurwissenschaften, die sich auch in zahlreichen hochrangigen Publikationen niederschlägt“, sagte die Vorsitzende der DFG-Senatskommission für tierexperimentelle Forschung, Professorin Dr. Brigitte Vollmar, die auch Mitglied der Händel-Tierschutzpreis-Jury ist. „Beide sind darüber hinaus aber auch in der Wissenschaftskommunikation und in der Netzwerkbildung und Nachwuchsförderung sehr aktiv, um den Wissenstransfer zu erleichtern.“ Loskill und Riegger hätten ein breites Spektrum an wissenschaftlich hervorragenden Alternativmethoden entwickelt, die durch die parallel stattfindenden Validierungen zudem große Akzeptanz in der Community erzielten, so Vollmar. „Die Chancen auf eine breite Anwendung ihrer Organ-on-Chip-Systeme sind hoch.“

Peter Loskill wurde 2012 an der Universität des Saarlandes in Physik promoviert und war im Anschluss einige Jahre an der University of California in Berkeley tätig. 2018 wechselte er zunächst als Juniorprofessor an die Universität Tübingen, seit 2022 ist er Professor für Organ-on-Chip-Forschung. Loskill, der als Pionier der 3R-Forschung gilt, leitet die Abteilung Mikrophysiologische Systeme des Instituts für Biomedical Engineering sowie das 3R-Center für In-vitro-Modelle und Tierversuchsalternativen. Er engagiert sich wissenschaftlich auch auf europäischer Ebene und ist zudem in der Politikberatung tätig. Silke Riegger absolvierte ihre Promotion als Chemikerin an der Universität Stuttgart und am Fraunhofer Institute for Interfacial Engineering and Biotechnology. Seit 2020 arbeitet sie mit Peter Loskill in Tübingen und ist als Senior Scientist und Leiterin der „3R-Center Business Unit for In Vitro Models and Alternatives to Animal Testing“ integraler Bestandteil des dortigen 3R-Zentrums.

Der Ursula M. Händel-Tierschutzpreis geht auf die Initiative seiner gleichnamigen Stifterin zurück. Die Düsseldorferin Ursula M. Händel (1915–2011) setzte sich über Jahrzehnte in vielfältiger Weise für den Tierschutz ein. So gründete sie unter anderem den Bonner Arbeitskreis für Tierschutzrecht und engagierte sich in diesem Rahmen für die Novellierung des Tierschutzgesetzes. Dem Tierschutz in Wissenschaft und Forschung besonders verbunden, stellte Händel der DFG Mittel für den Tierschutzpreis zur Verfügung. Der Preis wird alle zwei Jahre vergeben. Er ist der höchst dotierte Forschungspreis dieser Art in Deutschland.

Weiterführende Informationen

Informationen zum Preis, Ursula M. Händel und den Preisträger*innen unter: 

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