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Pressemitteilung Nr. 23 | 10. Juni 2014
Hochschulmedizin: Für bessere Rahmenbedingungen der klinischen Forschung

DFG-Senatskommission fordert in Stellungnahme Ausbau von Forschungszeiten und Infrastruktur, programmunabhängige Förderung und Systemzuschlag für klinische Leistungen

Die Rahmenbedingungen für die klinische Forschung in der Hochschulmedizin in Deutschland müssen nach Ansicht der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) grundlegend verbessert werden. Die Ständige Senatskommission für Grundsatzfragen in der Klinischen Forschung der DFG (SGKF) hat dazu jetzt eine Stellungnahme mit konkreten Forderungen erarbeitet. Mit ihnen soll die Leistungsfähigkeit der klinischen Forschung erhalten und wieder erhöht werden, die sowohl für die wissenschaftliche Auseinandersetzung mit Krankheiten als auch für die Qualitätssicherung der medizinischen Versorgung und die Erweiterung therapeutischer Möglichkeiten von großer Bedeutung ist.

Die DFG-Senatskommission legt ihre Stellungnahme vor dem Hintergrund der Entwicklung der Universitätsmedizin in Deutschland in den letzten zehn Jahren vor. Diese gebe Anlass zur Sorge, betont die Kommission in dem Papier, das im Hinblick auf die Ministerpräsidentenkonferenz und das Gespräch der Ministerpräsidentinnen und Ministerpräsidenten mit der Bundeskanzlerin am 12. Juni in Berlin auch direkt an die politischen Entscheidungsträger in den Ländern und im Bund gerichtet ist.

Aus Sicht der SGKF haben vor allem strukturelle Veränderungen mit einem stark betriebswirtschaftlichen Fokus in der Patientenversorgung zunehmend negative Auswirkungen auf die klinische Forschung. Durch sie haben die an den Universitätsklinika tätigen Ärztinnen und Ärzte immer weniger Freiräume zu forschender Tätigkeit. Auch die räumliche und apparative Ausstattung für die Forschung an den Universitätsklinika hat sich verschlechtert, seitdem im Zuge der Föderalismusreform 2006 Baumaßnahmen und Geräteinvestitionen in der universitären Medizin primär in die Zuständigkeit der Bundesländer verlagert worden und dort kaum angestiegen oder sogar zurückgegangen sind. Als hinderlich erweist sich nach Überzeugung der Senatskommission schließlich auch ein zunehmendes Ungleichgewicht zwischen erkenntnisgeleiteter und programmorientierter klinischer Forschung. Vor allem der Ausbau der programmorientierten Forschung durch die vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) eingerichteten Deutschen Zentren für Gesundheitsforschung geht mit dem Risiko einher, dass die Ressourcen und das Potenzial für andere Forschungsthemen und -arten eingeschränkt werden.

Zur Verbesserung der Rahmenbedingungen formuliert die DFG in der Stellungnahme ihrer Senatskommission vier Hauptforderungen: Aus ihrer Sicht muss das zeitliche Kontingent, in dem Ärztinnen und Ärzte in der Forschung aktiv sein können, gesichert und ausgebaut werden. Hohe Priorität hat in diesem Zusammenhang die Förderung des wissenschaftlich-ärztlichen Nachwuchses. Dies beinhaltet auch die Anerkennung von Forschungszeiten für die Facharztausbildung durch die Landesärztekammern. Deutlich ausgebaut und verbessert werden muss ebenso die universitäre Forschungsinfrastruktur. Da die hierzu notwendigen Baumaßnahmen von den Ländern alleine nicht finanziert werden können, fordert die Senatskommission hier auch ausdrücklich, die Finanzierungsmodalitäten für eine stärkere Unterstützung durch den Bund neu zu regeln.

Zur Förderung der erkenntnisgeleiteten, programmunabhängigen klinischen Forschung fordert die Kommission auch für die Zukunft genügend finanzielle Mittel; zudem müssen neue Einrichtungen wie die Deutschen Zentren der Gesundheitsforschung künftig enger mit der Universitätsmedizin abgestimmt werden. Schließlich spricht sich die DFG-Senatskommission für die Einführung eines Systemzuschlags für klinische Leistungen in der Universitätsmedizin aus, wie er bereits von den Wissenschaftsorganisationen und den Bundesländern gefordert wird.

Weitere Informationen

Medienkontakt:

  • Marco Finetti,
    Leiter Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG,
    Tel. +4928885-2230,
    Marco.Finetti@dfg.de

Die Stellungnahme der DFG-Senatskommission findet sich im Wortlaut unter:

Weiteres zur Senatskommission und deren Arbeit auch unter:

Fachlicher Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:

  • Dr. Tobias Grimm,
    Programmdirektor Lebenswissenschaften I,
    Tel. +49228885-2325,
    Tobias.Grimm@dfg.de

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