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Pressemitteilung Nr. 50 | 30. September 2009
Ausstellung zum "Generalplan Ost" in KZ-Gedenkstätte

DFG erinnert in Bergen-Belsen an die Verstrickung der Wissenschaft in die NS-Diktatur

An einem mahnenden Ort deutscher Geschichte zeigt die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) von diesem Mittwoch an die Ausstellung "Wissenschaft, Planung, Vertreibung - Der Generalplan Ost der Nationalsozialisten". Bislang hauptsächlich in Universitäten und Bibliotheken zu sehen, erinnert die Ausstellung nun in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen in Niedersachsen an die Verstrickung der Wissenschaft in die nationalsozialistische Diktatur. Die besondere Bedeutung dieses Ortes unterstrich zur Eröffnung Professor Peter Funke, Historiker aus Münster und Mitglied des DFG-Senats, mit den folgenden Worten: "Wissenschaft und die, die sie gefördert haben, waren Teil des NS-Systems und schöpften aus demselben menschenverachtenden Fundus wie jene, die das System der Konzentrationslager erdachten und planten."

Bis zum 21. November 2009 zeigt die Ausstellung die Vorgeschichte des "Generalplans Ost" und die damit verbundenen Vorbereitungen für eine ethnische Neuordnung Osteuropas während des Zweiten Weltkriegs durch die nationalsozialistischen Machthaber. Der Plan, dessen Erarbeitung von der DFG in beträchtlichem Umfang gefördert wurde, sah die Ansiedlung von fünf Millionen Deutschen im annektierten Polen und im Westteil der eroberten Sowjetunion innerhalb von 25 Jahren vor. Im Gegenzug sollten Millionen slawischer und jüdischer Bewohner dieser Regionen versklavt, vertrieben oder ermordet werden.

Die seit 2006 deutschlandweit gezeigte Ausstellung ist Teil der Auseinandersetzung der DFG mit ihrer eigenen Geschichte vor allem in der Zeit des Nationalsozialismus. Hierzu hatte die Forschungsförderorganisation unter anderem Ende der 90er-Jahre eine Arbeitsgruppe unter der Leitung der Historiker Professor Rüdiger vom Bruch (Humboldt-Universität zu Berlin) und Professor Ulrich Herbert (Universität Freiburg) eingesetzt, die über das Dritte Reich hinaus Kontinuitäten und Brüche in der DFG-Geschichte von 1920 bis 1970 in den Blick nahm. Die von Dr. Isabel Heinemann, Professor Willi Oberkrome, Dr. Sabine Schleiermacher und Professor Patrick Wagner konzipierte Ausstellung ist ein Teil dieser Aufarbeitung der eigenen Vergangenheit. Zugleich soll sie einen Beitrag zur Wissenschaftsgeschichte im 20. Jahrhundert leisten.

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