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Pressemitteilung Nr. 44 | 25. Oktober 2013
Trauer um Professor Eugen Seibold

Ehemaliger DFG-Präsident im Alter von 95 Jahren verstorben

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) trauert um Professor Eugen Seibold. Der Geologe war von 1980 bis 1985 Präsident der DFG. Er hat maßgeblich den Gottfried Wilhelm Leibniz-Preis mit ins Leben gerufen sowie gemeinsam mit seiner Frau den Eugen und Ilse Seibold-Preis für die Kooperation zwischen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern in Deutschland und Japan gestiftet. „Die DFG wird ihrem früheren Präsidenten, der sie mit seiner Weitsicht, Klugheit und Tatkraft in bis heute nachwirkender Weise geprägt hat, ein ehrendes Angedenken bewahren“, sagte DFG-Präsident Professor Peter Strohschneider. Eugen Seibold wurde am 11. Mai 1918 in Stuttgart geboren und verstarb am 23. Oktober 2013.

Seibolds Maxime lautete „Fördern durch Fordern“ – wie er selbst das Fazit seines sechsjährigen Wirkens an der Spitze der DFG überschrieb. Als ausgewiesener Geowissenschaftler, der die deutsche Meeresforschung aufbaute und ihr zu großem internationalem Ansehen verhalf, fühlte sich Eugen Seibold der Weltoffenheit verpflichtet. Neben dem Anliegen einer Internationalisierung der deutschen Forschung verband er damit stets das völkerverbindende Element einer grenzüberschreitenden Wissenschaft. So wirkte er zudem als Präsident der Internationalen Geologen-Union und als Vizepräsident der Alexander von Humboldt-Stiftung. Von 1984 bis 1990 war Seibold Präsident der European Science Foundation.

Der Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses galt seine besondere Aufmerksamkeit. Die „am besten Geeigneten finden und fördern“ – das war für Eugen Seibold das Rezept gegen die Mittelmäßigkeit. Gleiches galt für ihn bei Spitzenleistungen in der Wissenschaft. Während seiner Amtszeit setzte er sich für die Schaffung eines hoch dotierten Preises ein, der die Arbeitsbedingungen herausragender Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler verbessert, ihre Forschungsmöglichkeiten erweitert und sie von der Administration entlastet: Das nun renommierte Gottfried Wilhelm Leibniz-Programm zeichnet seit 1985 jährlich rund zehn herausragende Forscherinnen und Forscher mit einem Preisgeld von jeweils bis zu 2,5 Millionen Euro aus. Eine besondere Verantwortung erkannte Seibold auch für die multi- und interdisziplinäre Forschung. Im „Blick über die Fachgrenzen hinweg“ sah er eine wesentliche Voraussetzung zur Lösung der großen Probleme unserer Zeit.

Eugen Seibold studierte Geologie an den Universitäten Bonn und Tübingen. Der Promotion 1949 folgte 1951 die Habilitation. Nach Privatdozentenjahren war er von 1953 bis 1958 Professor für Allgemeine und Angewandte Geologie an der Universität Tübingen. 1958 nahm er einen Ruf als Ordentlicher Professor und Direktor des Geologisch-Paläontologischen Instituts an der Universität Kiel an. Sein hauptsächliches Arbeitsgebiet wurde die Meeresgeologie mit den Schwerpunkten Ost- und Nordsee, Indischer Ozean und das Seegebiet von Nordwestafrika. Eugen Seibold war mehrfach Fahrtleiter auf den Forschungsschiffen „Meteor“, „Valdivia“ und „Sonne“ sowie auf dem Tiefseebohrschiff „Glomar Challenger“. Seit 1985 war er Honorarprofessor der Tongji-Universität Shanghai und der Universität Freiburg.

Für seine Verdienste wurde Seibold vielfach geehrt. Er war Mitglied und Ehrenmitglied der Akademie der Naturforscher Leopoldina in Halle, der Mainzer Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Korrespondierendes Mitglied der Bayerischen, Göttinger, Kroatischen und der Rheinisch-Westfälischen Akademie der Wissenschaften und Mitglied der Pariser Académie des Sciences. Ehrendoktorwürden verliehen ihm die Universitäten Norwich und Paris. 1983 wurde er mit dem Großen Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zahlreiche Ehrungen würdigten die herausragenden wissenschaftlichen Leistungen Seibolds. Gemeinsam mit dem amerikanischen Umweltschützer Lester Brown wurde Eugen Seibold 1994 von der japanischen Asahi Glass-Stiftung mit dem Blue Planet Prize, dem weltweit höchstdotierten Umweltpreis, ausgezeichnet. Von dem Preisgeld stiftete er gemeinsam mit seiner Frau Dr. Ilse Seibold der DFG den Grundstock zur Begründung eines Fonds. Daraus wird alle zwei Jahre der mit je 10.000 Euro dotierte Eugen und Ilse Seibold-Preis zur Förderung der Wissenschaft und zur Verständigung zwischen Deutschland und Japan verliehen.

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