Bereichsnavigation

Pressemitteilung Nr. 54 | 18. Dezember 2000
Heinz Maier-Leibnitz gestorben

Der frühere DFG-Präsident war einer der weltweit angesehensten Wissenschaftler Deutschlands

Im Alter von 89 Jahren ist am 16. Dezember 2000 der frühere Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Professor Dr. Heinz Maier-Leibnitz, in Allensbach am Bodensee gestorben. Von 1974 bis 1979 stand er an der Spitze der DFG. In dieser Zeit hat Maier-Leibnitz deren Rolle als Selbstverwaltungs-organisation der Wissenschaft entscheidend gefestigt. Heinz Maier-Leibnitz hat nicht nur den Staat immer wieder daran erinnert, wie wichtig die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses ist; auch die jüngeren Wissenschaftler hat er stets gemahnt, "nicht in passiver Anspruchshaltung alles vom Staat zu erwarten, sondern durch Leistung die eigenen Ansprüche zu rechtfertigen". Mit Entschie-denheit hat er die Ansicht vertreten, dass Grundlagenforschung nicht von "oben" her bestimmt werden könne; vielmehr müsse sie von den Personen, also den beteiligten Wissenschaftlern ausgehen.

Indem er höchste Ansprüche an die Forschung stellte, war er Vorbild für uns alle, betonte DFG-Präsident Professor Ernst-Ludwig Winnacker. Heinz Maier-Leibnitz habe sich um die Physik, aber auch um die Wissenschaft als Ganzes verdient gemacht. In seiner sechsjährigen Amtszeit als Präsident der Deutschen Forschungsgemeinschaft hat Maier-Leibnitz den Rang der deutschen Forschung im Ausland zur Geltung gebracht und in Deutschland besondere Anerkennung für sein Bemühen um ein offenes Verhältnis zwischen Wissenschaft und Öffentlichkeit gewonnen. Dabei wurde er zu einem hochgeschätzten Anwalt der Wissenschaf-ten. Viele Ehrungen, darunter seine Berufung zum Kanzler des Ordens Pour le Mérite, sind Zeugnis davon.

Stets war sein Wirken gekennzeichnet durch einen unbestechlichen Anspruch auf Qualität. Das galt im gleichen Maße für die Forschung wie für seine international anerkannten Kochkünste. Als "Doppelt wirksam" (so der Titel eines seiner Aufsätze) hat Maier-Leibnitz den "kochenden Vorsitzenden" beschrieben, der es versteht, den Verlauf einer Sitzung durch die Verlockungen des Gaumens und deren eigenhändige Vorbereitung zu beeinflussen. Mit der Präzision des Physikers hat er seine Rezepte in seinem berühmt gewordenen "Kochbuch für Füchse" niedergeschrieben.

Als Wissenschaftler wie als Wissenschaftspolitiker lag Heinz Maier-Leibnitz stets die Förderung des erfolgreichen Nachwuchses am Herzen. Der gemeinsam vom Bundesministerium für Bildung

und Forschung sowie der Deutschen For-schungsgemeinschaft jährlich vergebene "Heinz Maier-Leibnitz-Preis" ehrt herausragende wissenschaftliche Leistungen von Nachwuchswissenschaftlern und würdigt damit zugleich das Bemühen des früheren DFG-Präsidenten, der in der Nachwuchsförderung immer die Schlüsselfrage aller Wissenschaftsförde- rung gesehen hat.

Heinz Maier-Leibnitz wurde 1911 in Esslingen geboren. Nach dem Studium der Physik in Stuttgart und Göttingen promovierte er 1935 bei James Franck über ein Thema der Atomphysik. Bis 1952 arbeitete Maier-Leibnitz bei Walter Bothe am Kaiser-Wilhelm-Institut für medizinische Forschung in Heidelberg, dem Vorläufer des heutigen Max-Planck-Instituts. 1952 wurde er auf den Lehrstuhl für Technische Physik der Technischen Hochschule München berufen und baute dort den ersten Forschungsreaktor in Deutschland, das Garchinger "Atomei". Er war spiritus rector und Mitbegründer des später weltberühmten Physik-Departments an der Technischen Hochschule, das als Vorläufer der heutigen Fachbereichsstrukturen gilt. Von 1967 bis 1972 war er erster Direktor des von ihm mitinitiierten deutsch-französischen Gemeinschaftsinstituts Max von Laue - Paul Langevin in Grenoble. Unter seiner Leitung wurde dort der damals größte Forschungsreaktor der Welt gebaut.

Zusatzinformationen

© 2010-12 DFG Aktualisierungsdatum: 09.07.2010Sitemap  |  Impressum  |  Kontakt  |  RSS Feeds

Textvergrößerung und Kontrastanpassung