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Pressemitteilung Nr. 20 | 25. Mai 1999
Stellungnahme des DFG-Präsidenten zum Evaluationsbericht

"Wissenschaftliche Autonomie schützen und erhalten"

Zu den am 25.05.1999 veröffentlichten Empfehlungen einer international besetzten Kommission zur Evaluation von Deutscher Forschungsgemeinschaft (DFG) und Max-Planck-Gesellschaft (MPG) erklärte der Präsident der DFG, Professor Ernst-Ludwig Winnacker:

Die Kommission legt eine sorgfältige Analyse der Arbeits- und Wirkungsweise der Deutschen Forschungsgemeinschaft im Kontext unseres Wissenschaftssystems vor.

Ihre Empfehlungen sind in vieler Hinsicht eine eindrückliche Bestätigung für Bedeutung und Qualität der Arbeit der DFG. Sie bestärken uns in den zahlreichen Initiativen, die wir in letzter Zeit ergriffen haben, um unsere Leistungsfähigkeit weiter zu steigern. Sie eröffnen die Hoffnung, daß die Arbeitsbedingungen der DFG vielleicht schon in naher Zukunft verbessert werden können.

Die Kommission erkennt die zentrale Rolle der DFG im deutschen Forschungssystem an. In der satzungsgemäßen Verpflichtung der DFG, der Wissenschaft "in allen ihren Zweigen" zu dienen, sieht sie eine wichtige Voraussetzung für ihre Wirksamkeit. Gleiches gilt bezüglich der thematischen Offenheit und Zugänglichkeit des Kernbereichs ihrer Förderung, des sogenannten Normalverfahrens, - das jedem Wissenschaftler freien und gleichberechtigten Zugang zu Projektmitteln gestattet -, und dessen Ausbau sie mit Nachdruck empfiehlt.

Die Kommission würdigt die Bedeutung der DFG für den Wettbewerb um Fördermittel und zur Steigerung der Leistungsfähigkeit der Hochschulen und außeruniversitären Forschungsinstitute. Sie empfiehlt der DFG, ihre Rolle in der Förderung leistungsfähiger Strukturen in den

Universitäten künftig noch aktiver zu gestalten, beispielsweise in der Unterstützung früher Selbständigkeit des wissenschaftlichen Nachwuchses. Dies kann nur im Zusammenwirken mit den Hochschulen geschehen.

Die Kommission empfiehlt Bund und Ländern, die Handlungsfähigkeit der DFG durch weitere Steigerungen ihrer finanziellen Zuwendungen zu sichern, aber gleichzeitig auch, die Flexibilit ät im Umgang mit den Fördermitteln zu erhöhen. Dazu gehören zum Beispiel ein flexibleres Dienstrecht sowie die Globalisierung ihres Haushalts. Die DFG hofft, daß diesen Empfehlungen bald entsprochen wird.

Die Kommission empfiehlt für das Förderhandeln der DFG zahlreiche Einzelmaßnahmen. In erheblichem Umfang decken sich diese mit bereits laufenden Bemühungen. Dabei geht es beispielsweise um den Versuch, für die ehrenamtliche Gutachtertätigkeit auch verstärkt den wissenschaftlichen Nachwuchs zu gewinnen sowie den Anteil von Wissenschaftlerinnen zu erhöhen. Bei den 1999 anstehenden Fachgutachterwahlen wurden diese Anliegen bereits ber ücksichtigt. Wer Mittel bei der DFG beantragt, sollte möglichst transparent über die Argumente der Gutachter - vor allem ihre Bedenken - informiert werden. Eine entsprechende Regelung hat die DFG im Frühjahr für alle ihre Verfahren eingeführt.

Die Kommission empfiehlt der DFG schließlich, neue Wege und Strukturen für die Auswahl von bevorzugt zu fördernden Arbeitsgebieten zu finden, um auf diese Weise für einen Teil ihrer Mittel eine aktivere Programmpflege und -gestaltung zu betreiben. In ihrem Bemühen, sich zu einer strategisch handelnden Einrichtung der Forschungsförderung weiter zu entwikkeln, ist die DFG jedoch einerseits gehalten, die Auswahl besonders zu fördernder Arbeitsgebiete ausschließlich wissenschaftsgeleitet in ihren gewählten Beratungs- und Entscheidungsgremien durchzuführen. Mit einer durch politische Rahmenbedingungen geleiteten Forschungsf örderung, wie sie von Bund und Ländern in großem Umfang betrieben wird, kann, darf und sollte die DFG nicht konkurrieren. Andererseits sieht sie sich in der Anregung der Kommission darin bestärkt, durch Rückgriff auf die wissenschaftliche Kompetenz ihrer Gremien und ihrer Geschäftsstelle vermehrt nach förderungswürdigen Themen zu suchen, die vor allem dem interdisziplinären Charakter moderner Wissenschaft noch besser gerecht werden. Durch die Einrichtung von Programmgruppen in ihrer Geschäftsstelle hat die DFG auf diesem Wege bereits erste Schritte unternommen. Der Erfolg einer solchen, eher strategisch ausgerichteten Förderpolitik wird letzten Endes davon abhängen, inwieweit die DFG dabei ihre so unverzichtbare und von der Kommission ausdrücklich empfohlene wissenschaftliche Autonomie schützen und erhalten kann.

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