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Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe

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Der Auftrag der Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (sog. MAK-Kommission) besteht in der wissenschaftlichen Beratung des Senates der DFG sowie der Bundes-/Landesregierungen, Parlamente und Behörden zu Fragen des Gesundheitsschutzes bei Exposition gegen Gefahrstoffe, insbesondere im Arbeitsschutz. Die MAK-Kommission ist die älteste Kommission der DFG und besteht bereits seit mehr als sechzig Jahren. Seit 2012 hat die Kommission den Status einer Ständigen Senatskommission inne.

Gesunde und sichere Arbeitsplätze sind von hoher gesellschaftlicher Relevanz. Hierbei stellen sich immer wieder neue Herausforderungen durch die Verwendung und das Auftreten neuer Substanzen und Stoffgemische, deren gesundheitliche Relevanz zunächst oft nur unzureichend bekannt ist. Ein gutes und prominentes Beispiel hierfür ist der wachsende Einsatz von Nanomaterialien. Der Arbeitsschutz wird auf der regulatorischen Ebene im Bereich der Chemikalien und Substanzen durch die Festsetzung von Grenzwerten gewährleistet, deren Einhaltung durch den Arbeitgeber sichergestellt werden muss. Die wissenschaftliche Grundlage für diese Grenzwertsetzung, die im Ausschuss für Gefahrstoffe, einem Beratungsgremium des Bundesministeriums für Arbeit und Soziales, stattfindet, erarbeitet die MAK-Kommission. Dabei stellt die Kommission mit Unterstützung durch das wissenschaftliche Sekretariat der Kommission alle verfügbaren Informationen über Stoffe zusammen und leitet auf dieser Grundlage wissenschaftlich basierte Empfehlungen für Maximale Arbeitsplatzkonzentrationen (MAK-Werte) in der Luft, aber auch für Biologische Arbeitsstofftoleranzwerte in Blut und Urin (BAT-Werte), ab. Ergänzend dazu werden krebserzeugende, keimzellmutagene, sensibilisierende, hautresorptive und die Schwangerschaft beeinträchtigende Stoffe spezifisch markiert.

Die Empfehlungen werden ausführlich begründet und stehen der Wissenschaft, der Politik und der Öffentlichkeit in der MAK-Collection in deutscher und englischer Sprache frei zur Verfügung. Aufgrund des wachsenden Wissensgewinns und der Veröffentlichung neuer Studien und Befunde müssen die Begründungen und die darauf basierenden Grenzwertempfehlungen ständig überarbeitet und geprüft werden. Dies begründet u.a. den Status der Kommission als Ständige Senatskommission. Eine Liste mit dem aktuellen Erkenntnisstand zu allen bisher betrachteten Stoffen wird als MAK-und BAT-Werte-Liste jährlich veröffentlicht und dem Bundesministerium für Arbeit und Soziales übergeben. Die Liste wird in deutscher, englischer und seit 2018 auch in spanischer Sprache veröffentlicht, da die Kommission eng mit europäischen und internationalen Kommissionen wie dem Scientific Committee for Occupational Exposure Limits (SCOEL) der EU-Kommission oder der International Agency for Research on Cancer (IARC) zusammenarbeitet. Da die Einhaltung von Grenzwerten nur überprüft werden kann, wenn auch entsprechende Messverfahren vorhanden sind, erarbeitet, prüft und veröffentlicht die Kommission in zwei Arbeitsgruppen Analysenmethoden zur Messung in der Luft und in biologischem Material.

Die Senatskommission arbeitet in Themenwahl und Prioritätensetzung unabhängig und unterbreitet Grenzwertvorschläge ausschließlich aufgrund wissenschaftlicher Erkenntnisse, unabhängig von politischen oder wirtschaftlichen Interessen. Neben der wissenschaftsgeleiteten Zusammenführung, Diskussion und Veröffentlichung von Stoffbeurteilungen und Messverfahren werden in erheblichem Umfang auch konzeptionelle Arbeiten geleistet, die wiederum in die Grenzwertvorschläge einfließen. So werden beispielsweise Verfahren entwickelt, die eine Übertragung von Erkenntnissen aus tierexperimentellen Arbeiten auf den Menschen ermöglichen oder die es möglich machen, besondere Umstände im Arbeitsalltag (erhöhtes Atemvolumen o.ä.) zu berücksichtigen. Ferner werden generelle Konzepte zur Beurteilung von Stäuben und Nanomaterialien erarbeitet sowie Kriterien zur Interpretation entzündlicher Effekte diskutiert. Diese Konzepte werden in Symposien und Expertengesprächen zur Diskussion gestellt und optimiert sowie die Ergebnisse in wissenschaftlichen Zeitschriften veröffentlicht. Die Kommission gibt auf diese Weise wichtige Impulse in die Forschungsbereiche der Toxikologie und Prävention.

Die Senatskommission ist im Bereich der Beurteilung der gesundheitlichen Wirkung von Arbeitsstoffen die einzige unabhängige, wissenschaftsgetriebene Instanz in Deutschland. Diese wirtschaftliche und politische Unabhängigkeit bei der Erarbeitung von Grenzwertempfehlungen ist deshalb von hoher Relevanz, da die Empfehlungen die wissenschaftliche Grundlage für die gesetzlich festgelegten Grenzwerte am Arbeitsplatz bilden und damit erhebliche Auswirkungen auf den Gesundheitsschutz der Beschäftigten in den Unternehmen und die Überwachung durch die staatliche und berufsgenossenschaftliche Aufsicht haben. Die Themenfelder sind somit gesellschaftlich und politisch von hoher Bedeutung und werden auch in der Öffentlichkeit intensiv und z.T. kontrovers diskutiert.

Die Kommission ist interdisziplinär zusammengesetzt. Toxikologische, pathologische, unterschiedliche klinische, arbeitsmedizinische, epidemiologische und chemische Expertisen werden genauso benötigt wie Praxiserfahrung. Die Einbindung der breiten Öffentlichkeit, die Transparenz und Qualität der Arbeit werden durch unterschiedliche Mechanismen gewährleistet. So sind die in Diskussion befindlichen Stoffe als Arbeitsliste publiziert, damit bisher unbekannte Studien bzw. Erkenntnisse der Kommission zur Verfügung gestellt werden können. Ferner sind die Ergebnisse der Kommission sechs Monate einsehbar und können kommentiert werden, bevor diese endgültig verabschiedet werden. Die entwickelten Messverfahren werden vor der Veröffentlichung in mindestens einem unabhängigen Labor kritisch geprüft.

Die Regelungen zum Umgang mit Interessenskonflikten werden beständig weiterentwickelt und angepasst. Die Arbeit in der Kommission basiert auf einem von den Mitgliedern getragenen Selbstverständnis, in welchem die Struktur, die Aufgabenteilung und Schutzmechanismen der Kommission eindeutig formuliert sind.

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