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Pressemitteilung Nr. 33 | 8. Juli 2021
Zentrale Herausforderungen im Blick

DFG-Jahrespressekonferenz zu Coronavirus-Pandemie, kommender Legislaturperiode des Bundestags und Hochschulen für Angewandte Wissenschaften / Vorstellung Jahresbericht 2020

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im direkten Zusammenhang mit der Coronavirus-Pandemie bislang rund 140 Millionen Euro für Forschungsprojekte bereitgestellt. Davon entfallen gut 93 Millionen Euro auf Finanzhilfen, mit denen bereits geförderte und von der Pandemie und den Einschränkungen des öffentlichen Lebens betroffene DFG-Projekte in allen Wissenschaftsbereichen zusätzlich unterstützt werden. Mit insgesamt rund 45 Millionen Euro werden zudem über 150 neue wissenschaftliche Projekte zur Erforschung von COVID-19 und anderen Epidemien und Pandemien gefördert.

Diese Zahlen nannte DFG-Präsidentin Professorin Dr. Katja Becker am Donnerstag, dem 8. Juli 2021, auf der Jahrespressekonferenz der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Selbstverwaltungseinrichtung für die Wissenschaft in Deutschland. Becker und Generalsekretärin Dr. Heide Ahrens berichteten auf der digital stattfindenden Pressekonferenz über die DFG-Jahresversammlung 2021, die vom 5. bis 7. Juli ebenfalls in digitaler Form stattgefunden hatte, und nahmen zu aktuellen Themen aus Wissenschaft, Wissenschaftspolitik und -system Stellung.

Im Zeichen der Pandemie: Finanzhilfen, Antragszahlen, neue Förderungen

„Pandemie und Lockdown haben seit mehr als einem Jahr teilweise ganz erhebliche Auswirkungen auf die Arbeit vieler Förderprojekte und der in ihnen tätigen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Diese unmittelbaren Folgen abzufedern und den Fortgang und erfolgreichen Abschluss der Forschungen zu ermöglichen, war deshalb von Beginn an unser Ziel. Die uns dafür von unseren Zuwendungsgebern im Bund und in den Ländern großzügig eingeräumten Möglichkeiten wurden und werden sehr dankbar angenommen“, sagte die DFG-Präsidentin dabei mit Blick auf das im Sommer 2020 im DFG-Hauptausschuss beschlossene und im März dieses Jahres ausgeweitete Hilfspaket in Höhe von bis zu 175 Millionen Euro. Aus diesem wurden bislang in der Allgemeinen Forschungsförderung für mehr als 4000 geförderte Projekte Mittel in Höhe von rund 52 Millionen Euro bewilligt. Weitere Zusatzbewilligungen gingen an die Sonderforschungsbereiche mit gut 32 Millionen Euro und die Graduiertenkollegs mit knapp 9 Millionen Euro.

Vorerst keine negativen Auswirkungen hat die Coronavirus-Pandemie auf die Beantragung von neuen oder Fortsetzungen von bereits geförderten Projekten, wie eine neue DFG-Auswertung zeigt. So ist etwa die Zahl der Förderanträge in der Einzelförderung zwischen Anfang März 2020 und Ende Februar 2021 im Gegenteil um rund 1800 auf fast 16 700 gestiegen. Besonders deutlich fiel dabei der Zuwachs bei der Antragsstätigkeit von Wissenschaftlerinnen aus: Sie stellten 18 Prozent mehr Förderanträge als im selben Zeitraum des Vorjahrs, während von Wissenschaftlern 11 Prozent mehr Anträge eingingen. Auch der Gesamtanteil der Förderanträge von Wissenschaftlerinnen ist auf nun über 25 Prozent gestiegen. Ähnliche Entwicklungen stellten auch französische und schweizerische Partnerorganisationen und der European Research Council (ERC) fest. „Zumindest diese ersten Zahlen stehen erfreulicherweise auch den mitunter öffentlich diskutierten Befürchtungen entgegen, dass gerade Wissenschaftlerinnen etwa aufgrund verstärkter Fürsorgepflichten aktuell von ihrer wissenschaftlichen Arbeit abgehalten werden. Diese und weitere Entwicklungen müssen nun langfristig und differenziert betrachtet werden“, sagte die DFG-Präsidentin hierzu auf der Pressekonferenz.

Eine „überaus positive Bilanz“ zog Becker für die im Juni 2020 gestartete fächerübergreifende Ausschreibung und die im August begonnenen und inzwischen sieben Ausschreibungen des neuen Förderinstruments Fokus-Förderung zur Erforschung des Coronavirus und anderer Epidemien und Pandemien. „Das Interesse an unseren Ausschreibungen war riesengroß, insgesamt gingen fast 700 Anträge für entweder bewusst breit angelegte oder aber fachlich sehr fokussierte Forschungen ein.“ Als Ergebnis werden inzwischen 151 neue Forschungsprojekte gefördert – 51 in der interdisziplinären Ausschreibung und bislang 100 als Fokus-Förderung. Fazit der DFG-Präsidentin: „Diese Resonanz und die Qualität der neuen Projekte unterstreichen eindrucksvoll: Erkenntnisgeleitete Wissenschaft schafft nicht nur einen Wissensspeicher, sondern sorgt auch für Innovationskraft bei der Bewältigung globaler Herausforderungen.“

Impulse für kommende Legislaturperiode

Damit die Wissenschaft diese Schlüsselrolle auch künftig erfolgreich ausfüllen kann, bedarf es aus Sicht der DFG einer weitsichtigen Forschungspolitik, die Freiräume für wissenschaftsgeleitete Entscheidungen ermöglicht und flexibles Handeln unterstützt. Mit Blick auf die Bundestagswahl im September und die kommende Legislaturperiode hatte die Organisation dafür im Mai in einem Impulspapier zentrale Handlungsfelder und -empfehlungen benannt.

Die insgesamt 13 Impulse decken von der Exzellenzstrategie zur weiteren Stärkung der Spitzenforschung an den deutschen Hochschulen und der Programmpauschale über die tief greifenden Veränderungsprozesse in den Wissenschaften durch den digitalen Wandel bis hin zur Universitätsmedizin und translationalen Forschung sowie den neuen Züchtungstechniken in der Landwirtschaft ein breites Spektrum ab. Ebenso im Blickfeld ist die internationale wissenschaftliche Zusammenarbeit und die weltweite Wissenschaftsfreiheit.

„Auf allen diesen Feldern brauchen wir auch in der kommenden Legislaturperiode möglichst frühzeitige politische Weichenstellungen“ betonte die DFG-Präsidentin dazu auf der Jahrespressekonferenz. „Die kurzfristige Stärke der Wissenschaft hängt von der langfristigen Stabilität ihrer Grundlagen ab. Deshalb ist die weitere konsequente Stärkung der erkenntnisgeleiteten Forschung von entscheidender Bedeutung. Sie muss auch trotz Neuverschuldung und sinkender Steuereinnahmen im Zuge der Coronavirus-Pandemie entsprechend finanziert und gefördert werden.“

Als „ausgesprochene Ermunterung“ wertete Becker in diesem Zusammenhang die Grußbotschaft von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier für den in die DFG-Jahresversammlung eingebetteten Festakt, mit dem die DFG und der Stifterverband gemeinsam das 100. Gründungsjubiläum ihrer Vorgängerorganisationen und damit zugleich 100 Jahre freie und unabhängige Forschung und Forschungsförderung in Deutschland feierten. In seiner Videobotschaft hatte der Bundespräsident die Notwendigkeit einer angemessenen Finanzierung der Wissenschaft ohne pandemiebedingte Kürzungen unterstrichen.

Hochschulen für Angewandte Wissenschaften

Ein weiteres Thema der DFG-Jahresversammlung waren die Forschungspotenziale und Förderbedarfe der Hochschulen für Angewandte Wissenschaften (HAW) beziehungsweise Fachhochschulen, die aktuell im Kontext durchlässigerer Grenzen zwischen Grundlagenforschung und angewandter Forschung und Fragen des Transfers wissenschaftlicher Erkenntnisse und Innovationen in Wissenschaftspolitik und Wissenschaftssystem intensiv diskutiert werden.

Wie Präsidentin Katja Becker in der Jahrespressekonferenz betonte, sieht die DFG in einer weiteren Integration der HAW in ihr Förderhandeln die Möglichkeit, die hier zuletzt entstandenen oder im Entstehen begriffenen Forschungspotenziale für alle Akteure im Wissenschaftssystem zu erschließen. „Die DFG fördert qualitativ hochwertige, erkenntnisgeleitete Forschung, auch in anwendungsnahen Bereichen. Damit richten wir unser Förderangebot immer schon auch an HAW“, so Becker. Dementsprechend sind HAW bereits in zahlreichen Bereichen der DFG-Förderung vertreten. Allerdings stellen sie bislang nur eine geringe Anzahl an Förderanträgen und liegt ihr Fördererfolg unter dem der Universitäten.

Um den Zugang der HAW zu den Fördermöglichkeiten zu verbessern, hat die DFG in den vergangenen Monaten in einem intensiven Konsultationsprozess unter Einbeziehung von HAW, Universitäten und des Bundes und der Länder ein Bündel an Maßnahmen entwickelt. Die ersten von ihnen sind bereits umgesetzt, weitere wurden jetzt auf der Jahresversammlung diskutiert und beschlossen. Sie sollen beispielsweise individuelle Karrierewege stärker würdigen, die Ausstattung mit Großgeräten und Forschungsinfrastruktur verbessern oder die Internationalisierung der HAW vorantreiben.

„Unsere Maßnahmen zielen ganz bewusst auf eine weitere Öffnung unserer Förderinstrumente für die HAW ab. Entscheidend sind dabei allerdings weiterhin die Bedarfe, die aus der Wissenschaft selbst kommen“, betonte die DFG-Präsidentin zusammenfassend und hob zugleich die Bedeutung der Unabhängigkeit und Wissenschaftsgeleitetheit der Forschungsförderung hervor. Auch sei es nicht Aufgabe der DFG, die strukturellen Probleme der HAW, etwa beim fehlenden akademischen Mittelbau oder beim hohen Lehrdeputat, zu lösen. Überdies dürften Universitäten und HAW nicht in finanziellen Verteilungsfragen gegeneinander ausgespielt werden.

DFG-Jahresbericht 2020

Ebenfalls in der Jahrespressekonferenz wurde auch der DFG-Jahresbericht 2020 vorgestellt. Er informiert auf rund 340 Seiten über die wichtigsten Zahlen, Fakten und inhaltlichen Akzente des Förderhandelns der DFG und über ihr Engagement in Fragen von Wissenschaftssystem und Wissenschaftspolitik. In journalistisch angelegten Beiträgen stellt der Bericht zudem ausgewählte Forschungsprojekte vor, wobei der Schwerpunkt in diesem Jahr auf dem Thema Nachhaltigkeit liegt.

Wie Generalsekretärin Heide Ahrens erläuterte, wurden 2020 insgesamt 31 148 Projekte mit einer Gesamtsumme von 3,31 Milliarden Euro von der DFG gefördert. Wie in den Vorjahren war dabei mehr als die Hälfte aller geförderten Projekte – 17 375 Projekte, das entspricht 56 Prozent – in der Einzelförderung angesiedelt; für sie wurden insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro Fördermittel bewilligt. In den Graduiertenkollegs, Sonderforschungsbereichen und anderen Koordinierten Programmen wurden 844 Verbünde mit gut 11 906 Teilprojekten und einer Gesamtbewilligungssumme von rund 1,44 Milliarden Euro gefördert.

Aufgeteilt nach den großen Wissenschaftsbereichen erhielten die Lebenswissenschaften mit rund 1,2 Milliarden Euro die meisten Fördermittel (36,8 Prozent der Gesamtbewilligungssumme), gefolgt von den Naturwissenschaften mit rund 758 Millionen Euro (22,9 Prozent), den Ingenieurwissenschaften mit rund 665 Millionen Euro (20,1 Prozent) und den Geistes- und Sozialwissenschaften mit rund 526 Millionen Euro (15,9 Prozent); Projekte ohne fachliche Zuordnung wurden mit rund 143 Millionen Euro (4,3 Prozent) gefördert.

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Diese und alle weiteren Pressemitteilungen zur Jahresversammlung 2021 finden sich auch unter:

Begleitende Informationen zur Jahresversammlung auch im Internetangebot der DFG unter www.dfg.de und via Twitter unter

Ausführliche Informationen über die Auswirkungen der Coronavirus-Pandemie auf das Förderhandeln der DFG und über die von der DFG getroffenen Maßnahmen finden sich laufend aktualisiert unter:

Eine Zusammenstellung neugeförderter Projekte zur Erforschung von COVID 19 und anderen Epidemien und Pandemie unter:

Zum DFG-Infobrief „Corona, Gender und Forschungsförderung“:

Zum DFG-Impulspapier „Erkenntnisgeleitete Forschung stärken, von Wissensspeichern profitieren“:

Der DFG-Jahresbericht 2020 ist online verfügbar unter:

Eine Druckfassung kann angefordert werden bei: