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Pressemitteilung Nr. 8 | 29. März 2021
DFG fördert neun neue Forschungsgruppen und eine neue Klinische Forschungsgruppe

Themen von Nierenerkrankungen über Himmelsdurchmusterung im Röntgenbereich bis zum Laserstrahlschweißen / Insgesamt rund 41 Millionen Euro für erste Förderperiode

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet neun neue Forschungsgruppen und eine neue Klinische Forschungsgruppe ein. Dies beschloss der Hauptausschuss der DFG auf Empfehlung des Senats. Die Gremiensitzungen der DFG fanden aufgrund der Coronavirus-Pandemie in virtueller Form statt. Die neuen Forschungsgruppen erhalten insgesamt rund 41 Millionen Euro inklusive einer 22-prozentigen Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten.

Die Förderdauer der Verbünde richtet sich nach dem Zeitpunkt, zu dem die erste Skizze für einen Förderantrag eingereicht wurde. Forschungsgruppen, deren Antragsskizzen seit 1. Oktober 2018 eingereicht wurden, werden maximal zweimal vier Jahre gefördert; dies gilt für acht der jetzt eingerichteten Forschungsgruppen sowie für die Klinische Forschungsgruppe. Ein Verbund basiert noch auf einer Antragsskizze, die vor dem 1. Oktober 2018 eingegangen ist; er wird mit einer Laufzeit von zweimal drei Jahren gefördert.

Zusätzlich zu den zehn Einrichtungen wurde die Verlängerung von sechs Forschungsgruppen für eine zweite Förderperiode beschlossen, darunter eine, die im Rahmen der D-A-CH-Zusammenarbeit mit dem österreichischen Fonds für wissenschaftliche Forschung (FWF) und dem Schweizerischen Nationalfonds (SNF) gefördert wird.

Forschungsgruppen ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Im Ganzen fördert die DFG damit zurzeit 189 Forschungsgruppen, 15 Klinische Forschungsgruppen und 17 Kolleg-Forschungsgruppen. Klinische Forschungsgruppen sind zusätzlich durch die enge Verknüpfung von wissenschaftlicher und klinischer Arbeit charakterisiert, während Kolleg-Forschungsgruppen speziell auf geistes- und sozialwissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnitten sind.

Die zehn neuen Verbünde im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge der Hochschulen der Sprecherinnen und Sprecher)

Im Bereich von Nierenerkrankungen werden die wenigsten klinischen Studien durchgeführt, dabei sind Erkrankungen der Niere sehr komplex. Die Klinische Forschungsgruppe „Integration neuer Methoden zur Verbesserung von translationaler Nierenforschung“ will diese Lücke schließen. Sie hat es sich zum Ziel gesetzt, neue Verfahren zu etablieren, die die Pathophysiologie von Nierenerkrankungen besser verständlich machen, und daraus neue diagnostische Ansätze, neue Fragestellungen für klinische Studien und letztlich neue Therapien zu entwickeln. (Sprecher: Professor Dr. Peter Boor, RWTH Aachen; Klinische Leitung: Professor Dr. Marcus Möller, Universitätsklinikum Aachen)

In der Geflügelhaltung gibt es viele Krankheitserreger, die die Gesundheit der Tiere beeinträchtigen, aber auch relevant für die menschliche Gesundheit sein können, da Geflügelprotein von vielen Menschen verzehrt wird. Hühner werden daher so häufig geimpft wie keine andere Spezies weltweit – die zugrunde liegenden Immun- und Schutzmechanismen sind jedoch bisher weitgehend unbekannt. Aus diesem Grund will die Forschungsgruppe „ImmunoChick – Analyse der aviären Immunantwort im Kontext von Infektionen“ ein besseres Verständnis des Immunsystems von Hühnern erlangen und nutzt dazu neue genetisch modifizierte Hühnermodelle. (Sprecher: Professor Dr. Benedikt Bertold Kaufer, FU Berlin)

Der Chóco-Tieflandregenwald im Nordwesten Ecuadors ist ein Naturraum, in dem besonders viel Wald verloren ging und in Agrarflächen umgewandelt wurde. Die Forschungsgruppe „Reassemblierung von Interaktionsnetzwerken zwischen Arten – Resistenz, Resilienz und funktionale Regeneration eines Regenwaldes“ untersucht nun die Regenerationsfähigkeit der ehemaligen Weide- und Kakaoplantagen in einem Waldreservat. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betrachten dazu die Interaktionsnetzwerke zwischen verschiedenen Tierarten und deren Funktionen im Ökosystem Regenwald in unterschiedlich regenerierten Sekundärwäldern. So wollen sie im Verbund mit ecuadorianischen Partnern vor Ort herausfinden, wie gestörte Ökosysteme sich wieder erholen können. (Sprecher: Professor Dr. Nico Blüthgen, TU Darmstadt)

Im Juli 2019 wurde das Teleskop eROSITA auf einem Satelliten ins All geschossen, um eine hochaufgelöste Himmelsdurchmusterung im Röntgenbereich durchzuführen. Mitglieder des dahinterstehenden wissenschaftlichen Konsortiums wollen im Rahmen der Forschungsgruppe „eROSITA-Studien zu Endstadien der Sterne (eRO-STEP)“ Röntgenstrahlung von Endstadien der Sternentwicklung – also etwa von Neutronensternen, schwarzen Löchern und Supernova-Überresten – erforschen. Langfristig soll so auch ein tieferes Verständnis der großen interstellaren Strukturen, der interstellaren Stoßwellen und der Teilchenbeschleunigung gewonnen werden. (Sprecherin: Professorin Dr. Manami Sasaki, Universität Erlangen-Nürnberg)

In der Produktionstechnik ist der Laser ein weitverbreitetes Werkzeug, das unter anderem ein berührungsloses und hochautomatisiertes Zusammenfügen von Werkstücken ermöglicht. Eine der größten Schwierigkeiten dabei ist, dass Erstarrungsrisse in der Schweißnaht – dem Bereich, an der Werkstücke zusammengefügt werden – entstehen können und die Verbindung der Werkstücke dadurch verschlechtert wird. Wie und warum diese Risse auftreten, ist bislang nicht vollständig verstanden. Die Forschungsgruppe „Erstarrungsrisse beim Laserstrahlschweißen: Hochleistungsrechnen für Hochleistungsprozesse“ will mithilfe von Simulationen ein besseres Verständnis der Rissbildung erlangen und so die Qualität von Lasern als Werkzeug und letztlich auch die Qualität der Bauteile verbessern. (Sprecher: Professor Dr.-Ing. Michael Schmidt, Universität Erlangen-Nürnberg)

Landpflanzen haben im Laufe der Evolution eine ganze Reihe an wichtigen Innovationen in der Fortpflanzung entwickelt. Dazu gehören etwa die Bildung von Sporen oder Pollen, die unbewegliche Spermazellen transportieren, oder multizelluläre Embryonen, die, in Samen eingebettet, verbreitet werden. Bisher sind jedoch die zugrunde liegenden molekular-biologischen Mechanismen dieser Prozesse nur ansatzweise verstanden. Forscherinnen und Forscher aus den Bereichen Molekular-, Entwicklungs-, Zell- und Evolutionsbiologie sowie der Bioinformatik wollen nun im Rahmen der Forschungsgruppe „Innovation und Koevolution in der sexuellen Reproduktion von Pflanzen – ICIPS“ die Neuerungen in der Evolution pflanzlicher Reproduktion eingehender analysieren. (Sprecherin: Professorin Dr. Annette Becker, Universität Gießen)

Anhaltende Körperbeschwerden – sogenannte Persistierende Somatische Symptome (PSS) – sind in der Medizin weit verbreitet. Dazu zählen beispielsweise Schmerz, Magen-Darm-Beschwerden oder neurologische Beschwerden. Sie beeinträchtigen die Betroffenen oft länger als die eigentliche Grunderkrankung, auf der sie basieren, und sind zudem kostspielig für das Gesundheitssystem. Aber wie entstehen die somatischen Symptome und wie werden sie chronisch? Die Forschungsgruppe „Anhaltende Körperbeschwerden bei verschiedenen Erkrankungen: Vom Risikofaktor zur Modifikation“ will hier das Verständnis grundlegend erweitern, um fortdauernde körperliche Symptome früher zu erkennen und besser behandeln zu können. (Sprecher: Professor Dr. Bernd Löwe, Universität Hamburg)

Im Standardmodell der Teilchenphysik gilt der Zerfall eines Myon-Elementarteilchens (Mu) in drei Elektronen (3e) als extrem unwahrscheinlich. Eine Beobachtung dieses Zerfalls würde neue Physik jenseits des Standardmodells bedeuten. Das sogenannte Mu3e-Experiment hat es sich zur Aufgabe gemacht, diesen seltenen Zerfall mithilfe eines hochmodernen Teilchendetektors nachzuweisen. Um dies zu erreichen, vereint die Forschungsgruppe „Suche nach Verletzung der Lepton-Familienzahl mit dem Mu3e-Experiment“ all jene Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus Heidelberg, Karlsruhe und Mainz, die maßgeblich am Aufbau dieses Experiments mitwirken. (Sprecher: Professor Dr. André Schöning, Universität Heidelberg)

Mit den übergeordneten Konzepten der „Optimierung“ und „Zyklizität“ versucht die theoretische Linguistik zu beschreiben, welche sprachlichen Ausdrücke in einer Einzelsprache grammatisch sind und welche nicht. Die Forschungsgruppe „Zyklische Optimierung“ will sich den formal-theoretischen Fragestellungen in verschiedenen Kernbereichen der sprachlichen Grammatik widmen, die sich mit den Konzepten in Phonologie, Morphologie, Syntax und Semantik sowie an deren Schnittstellen betrachten lassen. (Sprecher: Professor Dr. Jochen Trommer, Universität Leipzig)

Selbstregulation ist eine wichtige psychische Ressource, die es dem Menschen erlaubt, adäquat auf verschiedenste Situationen zu reagieren und eigene Ziele erfolgreich zu verfolgen. Wie sie sich beim einzelnen Menschen jeweils entwickelt, hängt von vielen Faktoren ab. Bislang untersuchte die Forschung dazu vor allem Kinder im (Vor-)Schulalter, eher wenig ist hingegen über die Entwicklung von Selbstregulation bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen bekannt. Die Forschungsgruppe „Selbstregulation als Ressource in der Bewältigung von Entwicklungsanforderungen – eine prospektive Analyse von der mittleren Kindheit bis zur Adoleszenz“ untersucht die Bedeutung der Selbstregulation in dieser Altersgruppe und deren Auswirkungen etwa auf die Entstehung psychischer Erkrankungen. (Sprecherin: Professorin Dr. Petra Warschburger, Universität Potsdam)

Die sechs für eine zweite Förderperiode verlängerten Verbünde
(in alphabetischer Reihenfolge der Hochschulen der Sprecherinnen und Sprecher und mit Verweisen auf die Projektbeschreibungen in der DFG-Internetdatenbank GEPRIS zur laufenden Förderung):

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit der DFG
    Tel. +49 228 885-2109
    presse@dfg.de

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Verbünde.

Ansprechpartnerin in der DFG-Geschäftsstelle:

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