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Pressemitteilung Nr. 1 | 21. Januar 2021
„Mehr wissen, informiert entscheiden“
Pandemiekommission der DFG zur Impfung gegen Coronavirus

Internetdossier gibt auf unabhängiger und breiter Grundlage Antworten der Wissenschaft auf Fragen zu Nutzen und Nebenwirkungen / Weit verbreitete Unsicherheit in der Bevölkerung

Auch nach Beginn der bundesweiten Impfkampagne gegen das Coronavirus ist das Informationsbedürfnis und die Unsicherheit über die Impfung in weiten Teilen der Bevölkerung groß. Ein Dossier aus den Reihen der interdisziplinären Kommission für Pandemieforschung der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) will jetzt auf unabhängiger und breiter Grundlage Antworten der Wissenschaft auf viel diskutierte Fragen geben.

„Laut einer aktuellen Umfrage fühlt sich mehr als die Hälfte der Deutschen schlecht oder eher schlecht über die Impfung gegen SARS-CoV-2 informiert. Gleichzeitig sind bereits viele Mythen und Falschinformationen zu dem Thema im Umlauf. Beides ist bedenklich und kann leicht zu einer geringeren Impfbereitschaft führen. Mit unserem Dossier wollen wir daher gerade jenen Menschen mit hohem Informationsbedarf und einer kritischen Grundhaltung Informationen über die Impfung und deren Nutzen und Nebenwirkungen zur Verfügung stellen“, sagt Professorin Dr. Britta Siegmund, Vizepräsidentin der DFG und Direktorin der Medizinischen Klinik für Gastroenterologie, Infektiologie und Rheumatologie an der Charité – Universitätsmedizin Berlin.

Siegmund ist gemeinsam mit Susanne Herold, Professorin für Infektionskrankheiten der Lunge an der Justus-Liebig-Universität Gießen, und Cornelia Betsch, Heisenberg-Professorin für Gesundheitskommunikation an der Universität Erfurt, Autorin des Dossiers. Alle drei Wissenschaftlerinnen gehören der im Juni 2020 eingesetzten interdisziplinären Kommission für Pandemieforschung der DFG an, die die Rolle der Grundlagenforschung bei der Bekämpfung der Coronavirus-Pandemie stärken soll, besonders drängende Forschungsthemen identifiziert und wie jetzt zu aktuellen Fragen wissenschaftliches Wissen aufbereitet. Als vierter Autor kam Leif-Erik Sander, Professor für Infektiologie und Pneumologie an der Charité, hinzu.

Das nun im Internetangebot der DFG freigeschaltete Dossier trägt zunächst auf Basis der bisherigen wissenschaftlichen Studien und der offiziellen Daten Informationen zur COVID-19-Erkrankung sowie zu Krankheitsverläufen, akuten Komplikationen und möglichen Langzeitfolgen zusammen. Dabei ergeben sich deutliche Parallelen zur Maserninfektion, für die inzwischen weltweit eine Impfung eingesetzt wird, bei der der Nutzen die möglichen Komplikationen eindeutig überwiegt. „Vergleichbar mit Masern steht auch bei der SARS-CoV-2-Infektion und der daraus resultierenden COVID-19-Erkrankung bislang keine wirksame spezifische Therapie zur Verfügung. Damit stellt die Impfung eine zielführende Strategie dar, diese Erkrankung zu kontrollieren“, heißt es zusammenfassend.

Vor diesem Hintergrund und verbunden mit zusätzlichen Informationen zur Entwicklung und Zulassung der beiden bislang in Deutschland eingesetzten sogenannten messengerRNA-Impfstoffe (mRNA-Impfstoffe) – dem von der Mainzer Firma BioNTech gemeinsam mit dem US-Unternehmen Pfizer entwickelten und dem der amerikanischen Firma Moderna – beleuchtet das Dossier nachfolgend weitverbreitete Fragen zum Nutzen und zur Sicherheit der COVID-19-Impfung.

Dabei geht es unter anderem um die häufig geäußerte Befürchtung, dass die bislang eingesetzten Impfstoffe das Erbgut verändern können; sie lässt sich eindeutig entkräften. Weitgehend bejaht werden kann hingegen die Frage, ob die bisher vorliegenden Impfstoffe auch vor neuen Varianten von SARS-Cov-2 schützen. Bei der ebenfalls sehr häufig gestellten Frage nach den Nebenwirkungen zeigten sich bei den Impfungen in der Entwicklungs- und Testphase zwar oftmals Impfreaktionen vergleichbar einem milden Virusinfekt, ernste Nebenwirkungen konnten bislang jedoch nicht nachgewiesen werden. Einzelne schwere allergische Reaktionen wiederum sind auf der Grundlage der bisher vorliegenden Daten als sehr selten einzustufen; sie stellen für Menschen mit leichten Allergien kein grundsätzliches Risiko dar, während Personen mit Neigungen zu schweren allergischen Reaktionen sich nur unter enger medizinischer Überwachung impfen lassen sollten.

Während zahlreiche Fragen auf der Grundlage der vorliegenden Studien und Daten bereits jetzt mit der notwendigen Aussagekraft beantwortet werden können, ist dies bei anderen noch nicht möglich, so etwa dazu, wie lange der Impfschutz anhält. Nicht zuletzt im Hinblick auf solche Fragen soll das Dossier in regelmäßigen Abständen aktualisiert werden.

„Mit unseren Informationen aus der Wissenschaft wollen wir dazu beitragen, die Impfbereitschaft auf ein möglichst hohes Niveau zu bringen. Auf sie wird es entscheidend ankommen, wenn nach den ersten Impfphasen für ältere oder besonders gefährdete Menschen mittelfristig der Impfstoff flächendeckend zur Verfügung steht“, unterstreicht Britta Siegmund. „Nur wenn sich dann besonders viele Menschen impfen lassen, kann es zu einem Gemeinschaftsschutz, der viel zitierten Herdenimmunität, kommen und es besteht die Möglichkeit, die Pandemie zu überwinden.“

Weiterführende Informationen

Das Dossier „Mehr wissen, informiert entscheiden“ ist in zwei Fassungen verfügbar:

Beide Fassungen sowie ausführliche weitere Informationen zur Interdisziplinären Kommission für Pandemieforschung der DFG finden sich auf deren Internetpräsenz unter

Die drei Autorinnen und der Autor des Dossiers stehen für Interviews nach Terminabsprache zur Verfügung.

Kontakt für Interviewanfragen und allgemeiner Medienkontakt: