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Pressemitteilung Nr. 39 | 25. September 2020
DFG fördert sechs neue Forschungsgruppen und eine neue Klinische Forschungsgruppe

Themen von Internetsucht bis zu den Mechanismen von Schmerz / Insgesamt rund 30 Millionen Euro für erste Förderperiode

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet sechs neue Forschungsgruppen und eine neue Klinische Forschungsgruppe ein. Dies beschloss der Hauptausschuss der DFG auf Empfehlung des Senats. Die Gremiensitzungen der DFG fanden aufgrund der Coronavirus-Pandemie in virtueller Form statt. Die neuen Forschungsgruppen erhalten insgesamt rund 30 Millionen Euro inklusive einer 22-prozentigen Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten.

Die Förderdauer der Verbünde richtet sich nach dem Zeitpunkt, zu dem die erste Skizze für einen Förderantrag eingereicht wurde. Forschungsgruppen, deren Antragsskizzen seit 1. Oktober 2018 eingereicht wurden, werden maximal zweimal vier Jahre gefördert; dies gilt für fünf der jetzt neu eingerichteten Forschungsgruppen. Die zwei anderen Verbünde basieren auf Antragsskizzen, die vor dem 1. Oktober 2018 eingegangen sind; sie werden mit einer Laufzeit von zweimal drei Jahren gefördert.

Zusätzlich zu den sieben Einrichtungen wurde die Verlängerung von fünf Forschungsgruppen für eine zweite Förderperiode beschlossen. Forschungsgruppen ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Klinische Forschungsgruppen sind zusätzlich durch die enge Verknüpfung von wissenschaftlicher und klinischer Arbeit charakterisiert. Im Ganzen fördert die DFG zurzeit 160 Forschungsgruppen, 14 Klinische Forschungsgruppen und 16 Kolleg-Forschungsgruppen. Letztere sind speziell auf geistes- und sozialwissenschaftliche Arbeitsformen zugeschnitten.

Die sieben neuen Verbünde im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge der Hochschulen der Sprecherinnen und Sprecher)

Mithilfe von Diffusions-Chronometrie lassen sich unter anderem die Kristalle in verschiedenen Gesteinsschichten vergangener Vulkanausbrüche als Zeitmesser für die Prozesse einer Eruption untersuchen. Die Forschungsgruppe „Diffusions-Chronometrie von magmatischen Systemen“ will diese Methode weiter verfeinern und als neues Instrument zur Charakterisierung magmatischer Prozesse weiterentwickeln. So ließen sich beispielsweise die Bildung von Tiefengesteins-Körpern in der Erdkruste, Vulkanausbrüche an der Erdoberfläche sowie hydrothermale Lagerstätten besser verstehen. (Sprecher: Professor Dr. Sumit Chakraborty, Universität Bochum)

Die materialwissenschaftliche Forschungsgruppe „Periodische niedrigdimensionale Defektstrukturen in polaren Oxiden“ untersucht Mischkristalle aus Lithiumniobat und Lithiumtantalat. Durch die Variation des Verhältnisses von Niob und Tantal lassen sich die elektronischen und atomaren Transportprozesse verändern und die sogenannten ferroelektrischen Domänen kontrollieren, was neue Einsichten in materialwissenschaftlich-physikalische Phänomene erlaubt. Längerfristig will der Verbund die Eigenschaften dieser Materialkombination identifizieren, die neue Anwendungen ermöglichen, insbesondere im Hochtemperaturbereich, aber auch in der integrierten Akustik, Photonik und Sensorik. (Sprecher: Professor Dr.-Ing. Holger Fritze, TU Clausthal)

Das Spurenelement Eisen ist für die menschliche Gesundheit essenziell. Die Leber ist dabei das zentrale Organ des Eisenstoffwechsels und hält die systemische Konzentration an Eisen in einem optimalen Bereich. Auf Schwankungen der Eisenkonzentrationen reagiert das Knochengewebe besonders empfindlich, eine reduzierte Knochendichte und osteoporotische Frakturen können entstehen. Die Forschungsgruppe „Rolle des Eisenstoffwechsels in der osteohepatischen Achse – FerrOs“ erforscht deshalb die Mechanismen der Leber-Knochen-Kommunikation innerhalb der Eisenregulation. Mit neuen Erkenntnissen zur Pathophysiologie von eisenabhängigen Knochenerkrankungen will der Verbund zur Entwicklung dualer, innovativer therapeutischer Konzepte beitragen. (Sprecherin: Professorin Dr. Martina Rauner, TU Dresden)

Die Forschungsgruppe „Affective and Cognitive Mechanisms of Specific Internet-Use Disorders (ACSID)” untersucht die psychologischen und neurobiologischen Prozesse der Entstehung und Aufrechterhaltung von suchtartigen Verhaltensweisen im Internet. Dazu zählen Computerspielen, Pornografienutzung, Online-Shopping und die Nutzung sozialer Netzwerke. Ziel ist es, ein tieferes Verständnis von Internetnutzungsstörungen als neuartigen psychischen Erkrankungen zu erlangen und herauszufinden, welche affektiven und kognitiven Prozesse in der Prävention und Therapie Erfolg versprechende Ansatzpunkte bieten. (Sprecher: Professor Dr. Matthias Brand, Universität Duisburg-Essen)

Nichtgleichgewichtsphänomene in unterschiedlichen Kontexten, wie Transportprozesse in Nanostrukturen und Biomolekülen sowie unterschiedliche Formen von Reibung und andere dissipative Effekte, stehen im Fokus der Forschungsgruppe „Reduktion der Komplexität von Nichtgleichgewichtssystemen“. Ziel der Forscherinnen und Forscher aus Physik, Chemie und Materialwissenschaften ist es, präzise Theorien, Modelle und Rechenmethoden zu entwickeln, die eine genaue Beschreibung von Nichtgleichgewichtsprozessen in komplexen Systemen gestatten. (Sprecher: Professor Dr. Gerhard Stock, Universität Freiburg)

Bei einer teilweisen Entfernung der Leber, Leberresektion genannt, besteht insbesondere bei größeren Eingriffen ein hohes Risiko für ein postoperatives Leberversagen. Ziel der Forschungsgruppe „Quantifizierung des Zusammenhanges zwischen Leberperfusion und -funktion bei erweiterter Leberresektion – Ein systemmedizinischer Ansatz (QuaLiPerF)“ ist es, die Wechselwirkungen zwischen den durch die Operation verursachten Veränderungen der Durchblutung der Leber, Perfusion genannt, und ihrer Stoffwechselfunktion aufzuklären. Auf dieser Basis soll ein Modell der Durchströmung der Leber und ihrer Funktion entstehen, das es langfristig erlaubt, die Leberfunktion und -regeneration nach einer Operation besser vorherzusagen und damit das Risiko eines Leberversagens zu minimieren. (Sprecherin: Professorin Dr. Uta Dahmen, Universität Jena)

Durch eine Störung oder Schädigung der Nerven verursachte Schmerzen können auch ohne vollständige anatomische und physiologische Erholung neuronaler Strukturen abklingen. Die Klinische Forschungsgruppe „Periphere Mechanismen von Schmerz und deren Rückbildung“ befasst sich mit der Frage, warum dies bei manchen Patienten der Fall ist, während beispielsweise postoperative Schmerzen bei anderen auch chronisch werden können. Der Verbund untersucht dies anhand sogenannter neuropathischer Schmerzzustände nach Operationen, Chemotherapien oder bei Autoimmunität, um Behandlungsverfahren zu verbessern. (Sprecherin: Professorin Dr. Claudia Sommer, Universität Würzburg)

Die fünf für eine zweite Förderperiode verlängerten Verbünde
(in alphabetischer Reihenfolge der Hochschulen der Sprecherinnen und Sprecher und mit Verweisen auf die Projektbeschreibungen in der DFG-Internetdatenbank GEPRIS zur laufenden Förderung):

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Verbünde.

Ansprechpartnerin in der DFG-Geschäftsstelle:

Zu den Forschungsgruppen der DFG: