Zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen

Logo: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - zur Startseite Deutsche Forschungsgemeinschaft

banner: Kopfbereich DFG2020 Logo - deutsch Für das Wissen entscheiden

Pressemitteilung Nr. 21 | 29. Mai 2020
DFG fördert zehn neue Sonderforschungsbereiche

Themen reichen von Carbonbetonstrukturen über Deformation und Rigidität bis zur lokalen Kontrolle der Schilddrüsenhormonwirkung / 114 Millionen Euro Fördermittel für zunächst vier Jahre

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zur weiteren Stärkung der Spitzenforschung an den Hochschulen zehn neue Sonderforschungsbereiche (SFB) ein. Dies beschloss der zuständige Bewilligungsausschuss, der wegen der Corona-Pandemie per Videokonferenz tagte. Die neuen SFB werden ab dem 1. Juli 2020 zunächst vier Jahre lang mit insgesamt rund 114 Millionen Euro gefördert. Darin enthalten ist eine 22-prozentige Programmpauschale für indirekte Kosten aus den Projekten. Sechs der neuen Verbünde sind SFB/Transregio (TRR), die sich auf mehrere antragstellende Hochschulen verteilen.

Zusätzlich zu den zehn Einrichtungen stimmte der Bewilligungsausschuss für die Verlängerung von 23 SFB für je eine weitere Förderperiode, darunter sechs SFB/Transregio. Sonderforschungsbereiche ermöglichen die Bearbeitung innovativer, anspruchsvoller und langfristig konzipierter Forschungsvorhaben im Verbund und sollen damit der Schwerpunkt- und Strukturbildung an den antragstellenden Hochschulen dienen. SFB werden maximal zwölf Jahre gefördert. Ab Juli 2020 fördert die DFG insgesamt 274 SFB.

Die zehn neuen Sonderforschungsbereiche im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen und unter Nennung der Sprecherinnen und Sprecher sowie der weiteren antragstellenden Hochschulen):

Parkinson und Dystonie, Tics oder hirnbedingte Störungen des Ganges: Der SFB/Transregio „Behandlung motorischer Netzwerkstörungen mittels Neuromodulation“ untersucht die vielfältigen Symptome von Erkrankungen motorischer Regelkreise im Nervensystem. Dabei konzentrieren sich die Forscherinnen und Forscher auf die Anwendung, vertiefte Erforschung und Weiterentwicklung der Tiefenhirnstimulation, einer klinisch bereits etablierten Methode mit immer noch hohem ungenutztem Potenzial. Der SFB/TRR will unter anderem dazu beitragen, krankhaft veränderte Netzwerkaktivitäten ausschalten zu können und zugleich normale Funktionen zu erhalten oder gar wiederherzustellen. (Charité Berlin – FU Berlin und HU Berlin, Sprecherin: Prof. Dr. Andrea Kühn, ebenfalls antragstellend: Universität Würzburg)

Die Untersuchung vieler aktueller Fragestellungen der Naturwissenschaften basiert auf der Auswertung großer Datenbestände mit automatischen Analysewerkzeugen, deren Zusammenspiel in sogenannten Datenanalyseworkflows festgelegt wird. Der dafür notwendige Entwicklungsaufwand ist nach wie vor sehr hoch. Der SFB „FONDA – Grundlagen von Workflows für die Analyse großer naturwissenschaftlicher Daten“ will diese Lücke schließen und Techniken, Verfahren und Werkzeuge erforschen, die eine Steigerung der Produktivität von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern bei der Erstellung und Anwendung von Datenanalyseworkflows ermöglichen. Er konzentriert sich dabei auf die für dieses Ziel wichtigen Eigenschaften der Portierbarkeit, Adaptivität und Zuverlässigkeit. (HU Berlin, Sprecher: Prof. Dr. Ulf Leser)

Gegenstand des SFB/Transregio „BULK-REACTION – Gasdurchströmte, bewegte Schüttungen mit chemischer Reaktion“ sind chemische und physikalische Vorgänge in Partikelsystemen, die bei der Energiespeicherung oder auch in der Lebensmittel- und Pharmaindustrie zum Einsatz kommen. Der SFB will die zentralen Prozesse in diesen Systemen mithilfe dreidimensionaler Simulationen in einer bisher unerreichten Detailtiefe analysieren. Langfristiges Ziel ist es, die wissenschaftlichen Grundlagen für neue auf Partikelsystemen basierte Reaktoren und daraus resultierende Produkte zu schaffen, die Energieeffizienz dieser Prozesse zu erhöhen und die CO2-Emissionen zu reduzieren. (Universität Bochum, Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Viktor Scherer, ebenfalls antragstellend: Universität Magdeburg)

Neue Materialien ermöglichen beim Bauen neue Formen und Konstruktionen. Die Umsetzung ist aber oft ein langer und nicht selten mit Irrtümern gepflasterter Weg. Das gilt auch für den weltweit am meisten verwendeten Baustoff: Beton. Der SFB/Transregio „Konstruktionsstrategien für materialminimierte Carbonbetonstrukturen – Grundlagen für eine neue Art zu bauen“ hinterfragt die traditionellen Entwurfsprinzipien des Stahlbetonbaus, analysiert gegenseitige Abhängigkeiten von Materialien und will darauf aufbauend eine neue Entwurfs- und Konstruktionsstrategie für das Bauen mit Beton erarbeiten. (TU Dresden, Sprecher: Prof. Dr.-Ing. Manfred Curbach, ebenfalls antragstellend: RWTH Aachen)

Zweidimensionale Materialien aus einer oder wenigen Schichten haben ein großes Anwendungspotenzial etwa in der Elektronik. Bei ihrer Synthese ist die größte und bisher nur unzureichend erforschte Herausforderung, die notwendige strukturelle Präzision auf atomarer und molekularer Ebene zu erreichen, die wiederum die gewünschten Materialeigenschaften bedingt. Der SFB „Chemie der synthetischen zweidimensionalen Materialien“ zielt deshalb auf die Entwicklung von Methoden zur Materialsynthese, Struktur- und Eigenschaftscharakterisierung sowie zur Modellierung für die Herstellung neuer zweidimensionaler Materialien mit hoher struktureller Genauigkeit und entsprechend einstellbaren Eigenschaften. (TU Dresden, Sprecher: Prof. Dr. Xinliang Feng)

Die positiven oder negativen Erwartungen von Patientinnen und Patienten – auch bekannt als Placebo- oder Nocebo-Effekte – spielen für den Erfolg medizinischer Behandlungen eine wichtige Rolle. Sie können das Auftreten von Symptomen ebenso beeinflussen wie den Verlauf von Erkrankungen oder die Wirksamkeit und Verträglichkeit von Therapien. Der SFB/Transregio „Der Einfluss von Erwartung auf die Wirksamkeit medizinischer Behandlungen“ will deshalb die Wirkung von Erwartungen auf Behandlungen von Patientinnen und Patienten mit chronischen Schmerzen oder Depression untersuchen. Ziel ist es, solche Erwartungseffekte und deren individuelle Variation künftig systematisch im Rahmen von medizinischen Behandlungen berücksichtigen, vorhersagen und nutzen zu können. (Universität Duisburg-Essen, Sprecherin: Prof. Dr. Ulrike Bingel, ebenfalls antragstellend: Universität Hamburg, Universität Marburg)

Die lokale Wirkung der Schilddrüsenhormone ist wichtig für das Funktionieren vieler Organe. Der SFB/Transregio „Lokale Kontrolle der Schilddrüsenhormonwirkung (LocoTact)“ widmet sich der Frage, welche Faktoren die lokale Schilddrüsenhormonwirkung regulieren und wie eine fehlerhafte Regulation die Erkrankung von Herz, Leber oder Zentralnervensystem forciert. Indem der Verbund die zugrunde liegenden Mechanismen untersucht, will er zu gezielteren Therapiemöglichkeiten einiger seltener Erkrankungen, aber auch von Volkskrankheiten beitragen. (Universität Duisburg-Essen, Sprecherin: Prof. Dr. Dagmar Führer-Sakel, ebenfalls antragstellend: Charité Berlin – FU Berlin und HU Berlin, Universität Lübeck)

Der SFB/Transregio „Elastisches Tuning und elastische Reaktion elektronischer Quantenphasen der Materie (ELASTO-Q-MAT)“ analysiert die neuartigen physikalischen Phänomene von Festkörpern, die sich aus einer besonders starken Kopplung zwischen den elastischen Eigenschaften des Materials und seinen elektronischen Quantenphasen ergeben. Auf der Basis der gewonnenen Erkenntnisse will der SFB/Transregio neue Quantenmaterialien mit außergewöhnlichen Eigenschaften herstellen und das Anwendungspotenzial erforschen, dass sich aus dem Wechselspiel zwischen mechanischen und elektronischen Eigenschaften ergibt. (Universität Frankfurt/Main, Sprecherin: Prof. Dr. Maria-Roser Valenti, ebenfalls antragstellend: KIT Karlsruhe, Universität Mainz)

In der Herzforschung gibt es einen starken Fokus auf Muskelzellen. Andere Zellarten, sogenannte Nicht-Myozyten wie Immunzellen, bilden allerdings den Großteil der Herzzellen und standen bisher noch nicht im Zentrum eines thematisch fokussierten Forschungsverbunds. Der SFB „Die heterozelluläre Natur kardialer Läsionen: Identitäten, Interaktionen, Implikationen“ betrachtet Nicht-Myozyten als Schlüsselfaktoren für die Aufrechterhaltung und Reparatur von Herzstruktur und Herzfunktion – und somit als wichtigen Aspekt für mögliche Therapien. Ziel ist es, die Rolle von Nicht-Myozyten bei natürlichen Reparaturprozessen nach Herzläsionen zu verstehen, Konzepte zur Kontrolle und Steuerung der dabei ablaufenden Umbauprozesse zu entwickeln und damit die Grundlagen für neuartige Diagnose- und Therapieansätze zu legen. (Universität Freiburg, Sprecher: Prof. Dr. Peter Kohl)

Viele der wichtigen offenen Fragen der Mathematik sind geometrischer Natur oder lassen sich aus einem geometrischen Blickwinkel untersuchen. Deformationen und Rigidität sind zwei – widerstreitende – geometrische Konzepte, die dabei eine wichtige Rolle spielen. Sie stehen im Fokus des SFB „Geometrie: Deformation und Rigidität“. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler untersuchen die beiden Faktoren und stellen sie einander gegenüber, wodurch sie neue Einsichten gewinnen und teils schon seit Langem ungeklärte Vermutungen bestätigen oder widerlegen wollen. (Universität Münster, Sprecher: Prof. Dr. Arthur Bartels)

Die 23 für eine weitere Förderperiode verlängerten SFB
(in alphabetischer Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen, unter Nennung der Sprecherinnen und Sprecher sowie der weiteren antragstellenden Hochschulen und mit Verweisen auf die Projektbeschreibungen in der DFG-Internetdatenbank GEPRIS zur laufenden Förderung):

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Weitere Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der Sonderforschungsbereiche.

Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle:

Ausführliche Informationen zum Förderprogramm und zu den geförderten Sonderforschungsbereichen unter: Interner Linkwww.dfg.de/sfb