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Pressemitteilung Nr. 26 | 4. Juli 2019
„Richtungsweisende Entscheidungen für DFG und Wissenschaft in Deutschland“

Jahrespressekonferenz in Berlin mit Rückblick auf Jahresversammlung in Rostock / Vorstellung von künftiger Präsidentin / Kampagne „DFG2020 – Für das Wissen entscheiden“ / Jahresbericht 2018

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) hat eine positive Bilanz ihrer Jahresversammlung 2019 und der aktuellen wissenschaftspolitischen Situation gezogen. „In diesen Tagen und Wochen sind richtungsweisende Entscheidungen für die DFG und für die Wissenschaft in Deutschland getroffen worden“, sagte DFG-Präsident Prof. Dr. Peter Strohschneider am Donnerstag, dem 4. Juli 2019, in Berlin auf der Jahrespressekonferenz der größten Forschungsförderorganisation und zentralen Selbstverwaltungseinrichtung für die Wissenschaft in Deutschland.

Strohschneider berichtete in Berlin über die wichtigsten Ergebnisse der DFG-Jahresversammlung, die am Tag zuvor in Rostock zu Ende gegangen war. Mit ihm nahm auch die künftige Präsidentin der DFG, Prof. Dr. Katja Becker, an der Pressekonferenz teil. Die Biochemikerin und Medizinerin von der Justus-Liebig-Universität Gießen war am 3. Juli in Rostock von der Mitgliederversammlung als erste Frau an die Spitze der Organisation gewählt worden und tritt ihr Amt am 1. Januar 2020 als Nachfolgerin des nach zwei Amtsperioden turnusmäßig ausscheidenden Strohschneider an.

Der DFG-Präsident zeigte sich „überaus zufrieden und auch dankbar“ über die jüngsten Beschlüsse des Bundes und der Länder zur Fortführung der Wissenschaftspakte. Für die DFG sei dabei der Pakt für Forschung und Innovation (PFI) besonders bedeutsam: „Eine Steigerung des Budgets der DFG und der anderen Paktorganisationen um jährlich drei Prozente für weitere zehn Jahre ist weltweit wahrscheinlich ohne Beispiel“, sagte Strohschneider. „Diese finanzielle Planungssicherheit versetzt die DFG weiter in die Lage, hochkarätige Forschungsprojekte und große, mehrjährige Förderprogramme zu finanzieren. Und sie gibt uns die Gelegenheit, die Herausforderungen, die sich in den kommenden Jahren in der Finanzierung und Gestaltung des Wissenschaftssystems in Deutschland stellen, auf einer verlässlichen Grundlage und mit Kraft anzugehen.“

Der hohe Stellenwert von Wissenschaft und Forschung in der Politik sei auch in der Teilnahme des Chefs des Bundeskanzleramts, Bundesminister Prof. Dr. Helge Braun, an der Festveranstaltung am 2. Juli zum Ausdruck gekommen, der in Vertretung von Bundeskanzlerin Dr. Angela Merkel die Festrede hielt. Merkel hatte zum vierten Mal die Jahresversammlung der Förderorganisation besuchen wollen, konnte wegen des verlängerten EU-Gipfels in Brüssel aber nicht nach Rostock kommen.

„Dieser enorme Rückhalt in der Politik ist umso mehr zu schätzen, als in zahlreichen Ländern der Welt Wissenschaft und Forschung, Hochschulen und Wissenschaftsorganisationen und auch die Wissenschaftsfreiheit als Prinzip zunehmend unter Druck geraten“, betonte Strohschneider. In Deutschland hingegen genieße die Wissenschaft ein „enormes Freiheitsprivileg“, wie der DFG-Präsident mit Blick auf das 70-jährige Jubiläum des Grundgesetzes und der dort als Grundrecht garantierten Wissenschaftsfreiheit sagte.

„DFG2020 – Für das Wissen entscheiden“

Das Prinzip einer freien Wissenschaft und deren Wert für eine offene und informierte Gesellschaft will die DFG selbst im kommenden Jahr prominent in der Öffentlichkeit herausstellen. Strohschneider kündigte hierzu in Berlin die Kampagne „DFG2020 – Für das Wissen entscheiden“ an. Anlass ist die 100. Wiederkehr der Gründung der Vorläuferorganisation der DFG, der „Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ 1920. „Wir wollen mit zahlreichen und durchaus auch ungewöhnlichen Aktionen und Formaten überall in Deutschland unsere Überzeugung für eine unabhängige Wissenschaft in die Gesellschaft tragen – und wir wollen die Gesellschaft einladen, für eine unabhängige Wissenschaft einzutreten“, sagte der DFG-Präsident.

Die Kampagne soll unter breiter Beteiligung der Wissenschaft und wissenschaftlichen Einrichtungen durchgeführt werden, eine Reihe von Veranstaltungen findet in Kooperation mit dem Stifterverband statt, der selbst 1920 als „Stifterverband für die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft“ gegründet wurde. Feierlicher Höhepunkt soll Anfang Juli 2020 eine gemeinsame Festveranstaltung von DFG und Stifterverband in Berlin sein, zu der der Bundespräsident erwartet wird.

DFG-Jahresversammlung 2019 in Rostock: Satzungsnovelle und GWP-Kodex

In seinem Bericht zur Jahresversammlung hob Strohschneider neben der Wahl seiner Nachfolge vor allem die Novellierung der Satzung der DFG hervor. Die Mitgliederversammlung hatte hierzu am 3. Juli Änderungen beschlossen, die vor allem die Grundlagen für die künftige Arbeit in der Leitung der DFG legen sollen. Hierfür werden eine Richtlinien- und eine Geschäftsverteilungskompetenz für den Präsidenten bzw. die Präsidentin eingeführt. Beim Generalsekretär bzw. bei der Generalsekretärin wird neben der Mitgliedschaft im Vorstand als genuiner Kompetenzbereich die Leitung der Geschäftsstelle und der Vollzug des Wirtschaftsplans festgeschrieben. Die Amtszeit wird begrenzt, wie dies gängige Praxis ist; sie beträgt künftig bis zu acht Jahre, wobei Wiederbestellungen möglich sind. Die bisher mögliche dritte Amtszeit des Präsidenten bzw. der Präsidentin wird gestrichen.

Darüber hinaus werden mit der Satzungsnovellierung zwei neue Unterausschüsse des Hauptausschusses eingerichtet – der Ausschuss für Vorstandsangelegenheiten und der Ausschuss für Rechnungsprüfung –, welche die dienst- und arbeitsrechtlichen sowie auf Finanzfragen bezogenen Funktionen erledigen sollen, die der Hauptausschuss bisher in seiner Gesamtheit wahrnahm. Für weitere Fragen der Governance oder der Verankerung des Prinzips wissenschaftsgeleiteter Forschungsförderung in der Satzung wurde schließlich eine neue Satzungskommission eingesetzt.

Ein weiterer zentraler inhaltlicher Punkt der Jahresversammlung war die grundlegende Überarbeitung der DFG-Empfehlungen zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis und der Verfahrensordnung zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten. Die DFG-Gremien beschlossen hierzu in Rostock den neuen Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“. In 19 Leitlinien, die deutlich über die bisherigen Empfehlungen hinausgehen, formuliert er die angemessenen Standards für wissenschaftliches Arbeiten. „Damit wollen wir eine Kultur der wissenschaftlichen Integrität weiter verankern, die weniger von den Verstößen gegen die gute wissenschaftliche Praxis her gedacht wird als vom Berufsethos der Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler“, sagte Strohschneider. Der neue Kodex ist modular aufgebaut und soll auf einer dritten Ebene im Internet Fallbeispiele, FAQs und fachspezifische Ausführungen zu einem aktuellen Referenzwerk versammeln. Alle Hochschulen und Forschungseinrichtungen müssen die 19 Leitlinien nun rechtsverbindlich umsetzen, um auch weiterhin Fördermittel durch die DFG zu erhalten.

DFG-Jahresbericht 2018 – Förderprojekte und Förderpolitik, Zahlen und Fakten

Ebenfalls auf der Jahrespressekonferenz wurde der „Jahresbericht 2018“ der Förderorganisation vorgestellt. Er enthält neben der Darstellung der maßgeblichen förder- und forschungspolitischen Themen – von den ersten Förderentscheidungen in der Exzellenzstrategie über das 50-jährige Jubiläum der Sonderforschungsbereiche bis zur neuen Nationalen Forschungsdateninfrastruktur (NFDI) – und ausgewählter Förderprojekte auch die wichtigsten Zahlen und Fakten zum Förderhandeln:

Insgesamt wurden im vergangenen Jahr 33 160 Projekte von der DFG gefördert, für die gut 3,4 Milliarden Euro bewilligt wurden. Dies waren noch einmal rund 700 Projekte beziehungsweise 250 Millionen Euro mehr als ein Jahr zuvor. Rund 8000 Projekte wurden 2018 neu bewilligt. Die bewilligten Mittel kamen zu 69,3 Prozent vom Bund und 29,7 Prozent von den Ländern.

Auch 2018 war mehr als die Hälfte aller geförderten Projekte – 17 100 – in der Einzelförderung angesiedelt; für sie wurden insgesamt rund 1,2 Milliarden Euro Fördermittel bewilligt – rund 85 Millionen Euro mehr als 2017. In den Graduiertenkollegs, Sonderforschungsbereichen und anderen Koordinierten Programmen wurden 847 Verbünde mit gut 13 828 Teilprojekten und einer Gesamtbewilligungssumme von rund 1,39 Milliarden Euro gefördert.

In die 99 im Rahmen der Exzellenzinitiative des Bundes und der Länder geförderten Einrichtungen flossen rund 566,2 Millionen Euro. Erstmals bewilligt wurden 2018 Mittel für die Exzellenzstrategie, das Nachfolgeprogramm der Exzellenzinitiative. Für die Ende September 2018 beschlossene Förderung von 57 Exzellenzclustern und die damit verbundenen Universitätspauschalen wurden insgesamt 2,89 Milliarden Euro bewilligt. Diese Summe bezieht sich allerdings auf die gesamte Laufzeit der beschlossenen Förderung über sieben Jahre.

Aufgeteilt nach den großen Wissenschaftsbereichen erhielten auch 2018 die Lebenswissenschaften mit rund 1,2 Milliarden Euro die meisten Fördermittel (34,2 Prozent der Gesamtbewilligungssumme), gefolgt von den Naturwissenschaften mit rund 760 Millionen Euro (22,3 Prozent), den Ingenieurwissenschaften mit rund 664 Millionen Euro (19,5 Prozent) und den Geistes- und Sozialwissenschaften mit rund 530 Millionen Euro (15,6 Prozent).

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

DFG-Jahresversammlung 2019

Ausführliche Pressemitteilung zur künftigen Präsidentin der DFG sowie zur Satzungsnovellierung, dem neuen Kodex „Leitlinien zur Sicherung guter wissenschaftlicher Praxis“ und den anderen Themen unter:

„DFG2020 – Für das Wissen entscheiden“

Erste Informationen über die geplante Kampagne finden sich unter dem Link

und werden in den kommenden Monaten fortlaufend erweitert.

DFG-Jahresbericht 2018

Der Jahresbericht steht online unter

zur Verfügung und kann in gedruckter Forum per Mail an Link auf E-Mailpresse@dfg.de angefordert werden.