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Pressemitteilung Nr. 41 | 20. September 2018
DFG fördert neun neue Forschungsgruppen

Themen von Niederschlagsschätzungen über Energieversorgung des Gehirns bis zu Tourette-Syndrom / Insgesamt rund 21 Millionen Euro für erste dreijährige Förderperiode

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet neun neue Forschungsgruppen ein. Dies beschlossen Senat und Hauptausschuss der DFG in Bonn. Forschungsgruppen ermöglichen Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern, sich aktuellen und drängenden Fragen ihrer Fachgebiete zu widmen und innovative Arbeitsrichtungen zu etablieren. Ihre maximale Förderdauer beträgt zweimal drei Jahre.

In der ersten Förderperiode erhalten die neun neuen Verbünde insgesamt rund 21 Millionen Euro inklusive einer 22-prozentigen Programmpauschale für indirekte Kosten der Projekte. Im Ganzen fördert die DFG damit aktuell 203 Forschungsgruppen.

Die neuen Forschungsgruppen im Einzelnen
(in alphabetischer Reihenfolge der Hochschulen der Sprecherinnen und Sprecher)

Die Forschungsgruppe „Zeitnahe Niederschlagsschätzung und -vorhersage“ will die Prognose von Niederschlägen verbessern. Dazu greifen die Forscherinnen und Forscher aus Meteorologie, Atmosphärenforschung und Hydrologie auf Daten zurück, die erst seit wenigen Jahren verfügbar sind. So sollen Kürzestfrist- und mittelfristige Niederschlagsvorhersagen sowie lokale Hochwasservorhersagen besser getroffen werden.
(Sprecherin: Privatdozentin Dr. Silke Trömel, Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn)

In den Kulturwissenschaften spielt Ambiguität, also die Uneindeutigkeit von Phänomenen, Situationen und Eindrücken, eine zunehmend große Rolle als Forschungskonzept. Die Forschungsgruppe „Ambiguität und Unterscheidung: Historisch-kulturelle Dynamiken“ untersucht diese als Erscheinungsform aus einer historisch-vergleichenden Perspektive. Der zeitliche Rahmen reicht dabei vom Spätmittelalter bis in die Gegenwart. In den Fokus genommen werden Kulturen im Mittelmeerraum, in Türkei und „Orient“, Schlesien, Nordamerika und Südafrika.
(Sprecher: Prof. Dr. Benjamin Scheller, Universität Duisburg-Essen)

Das menschliche Gehirn benötigt sehr viel Energie. Wenn sein Bedarf die Menge an bereitstehender Energie überschreitet, führt dies zu Schäden bis hin zu Behinderungen und Tod. Die frühen Prozesse, die durch eine mangelnde Energieversorgung an Synapsen hervorgerufen werden, sind dabei noch weitgehend unerforscht. Die Forschungsgruppe „Synapsen unter Stress: Akute Veränderungen durch mangelnde Energiezufuhr an glutamatergen Synapsen“ untersucht deshalb die frühen zellulären Antworten nach Unterbrechung der Energieversorgung, um einen Beitrag zur Entwicklung von Therapien zur Behandlung von schlaganfallinduzierten Hirnschädigungen zu leisten.
(Sprecherin: Prof. Dr. Christine R. Rose, Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf)

Die Forschungsgruppe „Sensitivity of High Alpine Geosystems to Climate Change Since 1850 (SEHAG)” will den Einfluss des Klimawandels auf hochalpine Geosysteme untersuchen. Die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler setzen dabei auf die Betrachtung verschiedener geowissenschaftlicher Einzelaspekte, wie etwa der Reliefsphäre, der Biosphäre und der Hydrosphäre, um am Ende die Veränderungsprozesse in hochalpinen Gebieten zusammenfassend analysieren zu können. Ihre Arbeiten erforschen den Zeitraum von 1850 bis heute und treffen Prognosen bis 2050.
(Sprecher: Prof. Dr. Michael Becht, Katholische Universität Eichstätt-Ingolstadt)

Chromosomen enthalten DNA, auf der die Gene codiert sind; eine Instabilität von Chromosomen verursacht deshalb zahlreiche Fehlbildungen und gilt als eine Ursache von Krankheiten wie Krebs oder neurodegenerative Erkrankungen. Die Forschungsgruppe „Chromosomale Instabilität: Funktionelle Wechselwirkungen von DNA-Replikationsstress und mitotischer Fehlfunktion“ will die molekularen Mechanismen von Chromosomenmutationen besser verstehen lernen und so neue Therapieansätze ermöglichen.
(Sprecher: Prof. Dr. Holger Bastians, Georg-August-Universität Göttingen)

Wie schaffen es Gehirne, aktuelle Sinnesreize, zurückliegende Erfahrung und zukünftige Verhaltensoptionen zu integrieren? Und was tragen einzelne Nervenzellen, ihre Synapsen und neuronalen Schaltkreise dazu bei? Bisher wurden diese drei Ebenen weitgehend getrennt voneinander betrachtet. Die Forschungsgruppe „Entschlüsselung eines Gehirn-Schaltkreises: Struktur, Plastizität und Verhaltensfunktion des Pilzkörpers von Drosophila“ will Nervenzellen, Synapsen und neuronale Schaltkreise gemeinsam in den Blick nehmen und beispielhaft an einem Teil des Gehirns der Taufliege Drosophila erforschen.
(Sprecher: Prof. Dr. André Fiala, Georg-August-Universität Göttingen)

Charakteristisch für das Gilles-de-la-Tourette-Syndrom (GTS) ist das Auftreten von motorischen oder verbalen Tics: So werden von den betroffenen Patientinnen und Patienten etwa unwillkürlich obszöne Gesten gemacht, Fäkalsprache verwendet oder Sätze und Wörter reflexartig wiederholt. Die Ergebnisse etlicher Studien weisen zwar darauf hin, dass bestimmte Hirnregionen eine wichtige Funktion bei der Entstehung der Tics haben. Dennoch fehlt ein übergeordnetes Konzept zum Verständnis dieser Erkrankung, bei der neben der Bewegungsstörung auch Aspekte der Wahrnehmung und Handlungskontrolle eine Rolle spielen. Hier will die Forschungsgruppe „Kognitive Theorie des Tourette-Syndroms – ein neuer Ansatz“ einen Beitrag leisten und vor allem die Beziehung zwischen den Tics und den Dranggefühlen der Betroffenen eingehender analysieren.
(Sprecher: Prof. Dr. Alexander Münchau, Universität zu Lübeck)

Die Forschungsgruppe „Large-Scale and High-Resolution Mapping of Soil Moisture on Field and Catchment Scales – Boosted by Cosmic-Ray Neutrons” will die Messung der Bodenfeuchte verbessern, also des Wassers, das im Boden verbleibt, nachdem sich Sickerwasser in tiefere Zonen verlagert oder zur Bildung neuen Grundwassers beigetragen hat. Ihre Messung trägt unter anderem zur Vorhersage von Grundwasserneubildung und Verdunstung bei. In den letzten Jahren hat sich mit dem „Cosmic-Ray Neutron Sensing“ (CRNS) ein physikalisch basiertes, nicht invasives Verfahren zur Messung der Bodenfeuchte entwickelt. Die Forscherinnen und Forscher wollen bestehende Forschungslücken rund um das neue Verfahren schließen und grundsätzliche Aussagen zur Bodenfeuchte und Prozessen des Wasserkreislaufs treffen.
(Sprecher: Prof. Dr. Sascha E. Oswald, Universität Potsdam)

Die Regulation des Stoffwechselumschaltens bei Cyanobakterien ist der zentrale Forschungsgegenstand der Forschungsgruppe „The Autotrophy-Heterotrophy Switch in Cyanobacteria: Coherent Decision-Making at Multiple Regulatory Layers“. Cyanobakterien haben die Fähigkeit, sowohl autotroph als auch heterotroph zu leben, und passen ihren Stoffwechsel an die jeweiligen Bedingungen an. Damit betreiben sie einerseits Fotosynthese und nutzen Licht als Energiequelle, andererseits können sie heterotroph organische Nahrung aufnehmen und verwerten. Die Forschungsgruppe will die Existenz beider Stoffwechselsysteme in der Bakterienzelle untersuchen und herausfinden, welche Mechanismen der Organismus nutzt, um zwischen den beiden Stoffwechselarten umzuschalten.
(Sprecher: Prof. Dr. Karl Forchhammer, Eberhard Karls Universität Tübingen)

Die drei für eine zweite Förderperiode verlängerten Forschungsgruppen

(in alphabetischer Reihenfolge der Hochschulen der Sprecherinnen und Sprecher und mit Verweisen auf die Projektbeschreibungen in der DFG-Internetdatenbank GEPRIS zur laufenden Förderung):

Weiterführende Informationen

Medienkontakt:

Ausführliche Informationen erteilen auch die Sprecherinnen und Sprecher der eingerichteten Verbünde.

Zu den Forschungsgruppen der DFG: