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Pressemitteilung Nr. 38 | 28. Juli 2011
Zehn Jahre Emmy Noether-Treffen – nachhaltige Vernetzung für den wissenschaftlichen Nachwuchs

Wissenschaftspolitischer Abend zum Verhältnis von Wissenschaft, Öffentlichkeit und Politik

Bereits zum zehnten Mal trafen sich vom 20. bis 22. Juli 2011 aktuell und ehemalige Geförderte des Emmy Noether-Programms der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) in Potsdam zum jährlichen Gedanken- und Erfahrungsaustausch. Die 2001 geborene Idee eines Netzwerktreffens ist damit längst zu einer festen Einrichtung geworden, die auch in diesem Jahr konkrete Fragen der knapp 150 anwesenden Geförderten beantwortete, aber auch allgemeinere Themen aufgriff und größere Zusammenhänge aufzeigte. Das Emmy Noether-Programm der DFG fördert durch die Einrichtung von Nachwuchsgruppen die frühe wissenschaftliche Selbstständigkeit exzellenter junger Forscherinnen und Forscher. Zusätzlich zu den DFG-Geförderten waren auch in diesem Jahr wieder Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in Potsdam dabei, die Starting Grants des European Research Council (ERC) erhalten haben.

Der 2003 etablierte Wissenschaftspolitische Abend rückte in diesem Jahr das Thema „Wissenschaft, Öffentlichkeit, Politik – Wechselwirkungen und gegenseitige Herausforderungen“ in den Fokus. Mit Cornelia Quennet-Thielen, Staatssekretärin im Bundesministerium für Bildung und Forschung, Professor Klaus Töpfer, einem der beiden Vorsitzenden der Ethikkommission „Sichere Energieversorgung“, und Professor Hermann Parzinger, Präsident der Stiftung Preußischer Kulturbesitz Berlin, standen den Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern hochkarätige Gesprächspartner zur Verfügung.

„Politik ist gut beraten, wenn sie Wissenschaft in Anspruch nimmt“, machte Cornelia Quennet-Thielen gleich zu Beginn klar. Dass dabei wissenschaftliche Faktenbezogenheit und politische Entscheidungsfindung mit Blick auf Mehrheiten und Kompromisse eine unterschiedliche Arbeitsweise bedingten, fügte Hermann Parzinger an. Klaus Töpfer plädierte für den Umbau der Gesellschaft in eine Wissensdemokratie. Er mahnte die Wissenschaft, stets alle Erkenntnisse auf den Prüfstand zu stellen. Der Wille zur Falsifizierung sei allerdings angesichts des derzeitigen Trends zur Beschleunigung immer schwerer aufrechtzuerhalten. Quennet-Thielen nannte in diesem Zusammenhang die Exzellenzinitiative als Möglichkeit, exzellente Forschung nachhaltig zu etablieren.

„Wir müssen die Menschen früher in den wissenschaftlichen Prozess einbeziehen. In einer immer transdisziplinärer arbeitenden Wissenschaft und einer Mediengesellschaft ist es Aufgabe der Politik, komplexe Zusammenhänge mehrheitsfähig zu machen“, sagte Töpfer mit Blick auf die Gesellschaft. Quennet-Thielen nannte dazu als neues Instrument des Bundesministeriums für Bildung und Forschung die sogenannten Bürgerdialoge, die Austausch und Meinungsbildung der Bevölkerung unterstützen sollen. „Die Übersetzungsaufgabe muss der Wissenschaft noch bewusster werden“, sagte Parzinger auch in Anbetracht kürzer werdender Sendezeiten und Aufmerksamkeitsspannen. Das Publikum mahnte Raum für die Erziehung zur Kritikfähigkeit an. Daran entzündete sich eine Diskussion über den Bologna-Prozess und immer straffer organisierte Studiengänge. Abschließend nahm DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner Bezug auf die 60-jährige Geschichte der DFG und deren Erfahrungen in der Politikberatung. Forscherinnen und Forscher sowie die Forschungsorganisationen sollten in Zukunft noch selbstbewusster die gesellschaftliche Rolle der Wissenschaft neben Politik und Wirtschaft betonen. „Die Wissenschaft sollte außerdem mehr Zeit einfordern“, sagte Kleiner. Dies müsse für den wissenschaftlichen Erkenntnisprozess ebenso wie für die Darstellung und Wahrnehmung von Forschungsergebnissen und die Meinungsbildung auf wissensbasierter Grundlage in Öffentlichkeit und Politik gelten. „Wissenschaft ist anstrengend.“

Die Emmy Noether-Lecture, die seit 2003 spannende Berichte der Geförderten über ihre eigene Forschung präsentiert, nutzte der Festkörperphysiker Christian Ast anlässlich des Jubiläums ausnahmsweise zu einem Vortrag über die Namensgeberin des Programms. Entlang der Eckdaten ihres Lebenslaufes, mit vielen Zitaten und einer Einführung in die physikalische Relevanz ihrer Forschung zeichnete er ein Bild der Ausnahmemathematikerin Emmy Noether. Sie hatte, weil sie eine Frau war, zeitlebens keine feste Stelle inne und musste beständig um Anerkennung ringen. „Ihre eigene Situation ließ sie jedoch unberührt. Sie konzentrierte sich auf das Wesentliche, ihre Forschung“, sagte Ast und nannte sie damit eine ideale Patin des Programms. Dass der wissenschaftliche Nachwuchs unbekümmert selbstständig arbeiten könne, sei ja das Ziel des Emmy Noether-Programms.

Die drei Tage des Potsdamer Treffens boten den Anwesenden wie in jedem Jahr auch die Möglichkeit, sich beispielsweise in den fachlichen Workshops mit Kolleginnen und Kollegen zu vernetzen, aktuelle Informationen aus der DFG zu erhalten, Fragen an Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der DFG-Geschäftsstelle zu stellen oder sich in weiteren Workshops übergreifenden Fragen zu widmen. Das Spektrum der traditionellen Themen wie „Familie und Beruf“ oder „Aufbau einer Nachwuchsgruppe“ erweiterten die Geförderten, die das Programm weitgehend selbst gestalten, in diesem Jahr um Angebote zur Öffentlichkeitsarbeit und der Bewertung von Wissenschaft. Außerdem schilderten zwei mittlerweile als Professoren tätige Ehemalige in einem kurzweiligen Vortrag, was man beim „Vorsingen“ für eine Berufung bedenken muss und was man besser lassen sollte. Somit war diese Jubiläumsveranstaltung beispielhaft für die nun zehn Emmy-Noether-Treffen: Geförderte profitierten vom Austausch untereinander, mit Ehemaligen und der DFG.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen rund um die Förderung im Emmy Noether-Programm unter:

Weitere Informationen zu diesem und den vorausgegangenen Treffen im DFG-Magazin im Internet unter: