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Pressemitteilung Nr. 64 | 20. November 2008
Von Blechbauteilen bis Wirtszellen: DFG richtet zehn weitere Sonderforschungsbereiche ein

Erfolgreiches Förderprogramm besteht seit 40 Jahren

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) richtet zum 1. Januar 2009 zehn weitere Sonderforschungsbereiche (SFB) ein. Sie sollen mit insgesamt etwa 90 Millionen Euro für zunächst vier Jahre gefördert werden. Die neuen SFB befassen sich unter anderem mit der Krankheitsentstehung durch Viren und Bakterien, mit Vernarbungen in Leber und Niere und mit der menschlichen Haut. Weitere Themen sind die Optimierung von Planungs-, Produktions- und Nutzungsprozessen im Leichtbau und die Verbesserung der Kommunikation zwischen Menschen und technischen Systemen. Unter den zehn Einrichtungen befinden sich vier SFB/Transregio, die auf mehrere Standorte verteilt sind.

Neben den Einrichtungen beschloss der zuständige Bewilligungsausschuss von Deutschlands zentraler Forschungsförderorganisation auch die Fortsetzung von 28 SFB für eine weitere Periode. Damit fördert die DFG ab Anfang kommenden Jahres 250 Sonderforschungsbereiche. Sie erhalten 2009 rund 480 Millionen Euro einschließlich der 20-prozentigen Programmpauschale für indirekte Kosten, die sich aus den Forschungsprojekten ergeben.

Die Herbstsitzung des Bewilligungsausschusses stand nicht zuletzt im Zeichen des 40-jährigen Jubiläums der Sonderforschungsbereiche: Im Herbst 1968 wurden die ersten 18 SFB eingerichtet - mit einer Fördersumme von insgesamt 4,4 Millionen Mark. Diese neue Form der Forschung im Verbund sei eine "kleine Revolution" gewesen, erinnerte DFG-Präsident Professor Matthias Kleiner in einer Jubiläumsrede vor dem Bewilligungsausschuss. An den Hochschulen und auch in der DFG, so Kleiner, hätten die SFB anfangs durchaus Befürchtungen ausgelöst - 40 Jahre später hätten sie die in sie gesetzten Erwartungen mehr als erfüllt. "Mit Sonderforschungsbereichen können Hochschulen ihre Ressourcen bündeln, lokale Schwerpunkte schaffen und Spitzenforschung fördern", unterstrich der DFG-Präsident. Vor allem ihre konzentrierte Qualität, ihr fächerübergreifender Ansatz und der lange Atem einer bis zu 12-jährigen Förderung machten die SFB zu einem "Programm messbarer Spitzenforschung". Auch zur Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses, zur internationalen Forschungskooperation und zum Austausch zwischen Wissenschaft und Wirtschaft trügen die SFB und ihre Varianten der Transregio und Transferprojekte bei. Fazit des DFG-Präsidenten nach 40 Jahren Sonderforschungsbereiche: "Um dieses Programm beneidet uns die ganze Welt."

Die neuen Sonderforschungsbereiche im Einzelnen:
(in der alphabetischen Reihenfolge ihrer Sprecherhochschulen)

Mit einem wissenschaftlich und klinisch hochbedeutsamen Thema befasst sich der SFB/Transregio 57 "Organfibrosen: Von den Mechanismen der Schädigung zur Beeinflussung der Erkrankung". In ihm wenden sich Forscherinnen und Forscher an mehreren Standorten den Fibrosen, also der krankhaften Vermehrung von Bindegewebe, in der Leber und der Niere zu. Derartige Vernarbungen nehmen häufig einen tödlichen Ausgang und sind zudem mit hohen Behandlungskosten verbunden. Der neue SFB/Transregio will die noch weitgehend unbekannten pathophysiologischen Grundlagen fibrotischer Erkrankungen entschlüsseln. Dabei geht es speziell um die Identifizierung gemeinsamer molekularer Mechanismen in Niere und Leber. Erst auf dieser Grundlage ist die Entwicklung von innovativen Therapien denkbar. (Sprecherhochschule: Rheinisch-Westfälische Technische Hochschule Aachen; Sprecher: Professor Christian Trautwein; weitere beteiligte Hochschulen: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn, Universität des Saarlandes, Saarbrücken.)

Die nähere Erforschung von besonderen Molekülen, Atomen und Ionen mit ungepaarten Elektronen steht im Mittelpunkt des SFB 813 "Chemie an Spinzentren - Konzepte, Mechanismen, Funktionen". Die sogenannten Spinzentren weisen außergewöhnliche magnetische Eigenschaften und eine hohe chemische Reaktivität auf; beides könnte für die Entwicklung neuartiger Materialien von größter Bedeutung sein. Die beteiligten Forscherinnen und Forscher an der Universität Bonn und am Forschungszentrum Jülich wollen unter anderem neue theoretische und experimentelle Methoden zum Studium von Spinzentren erarbeiten und die Mechanismen ihrer Transformation verstehen. Die so erzielten Erkenntnisse sollen für die Entwicklung neuer Reaktionen und multifunktionaler Materialien genutzt werden. (Sprecherhochschule: Rheinische Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn; Sprecher: Professor Frank Neese; Kooperationspartner: Forschungszentrum Jülich)

Die "Beherrschung von Unsicherheit in lasttragenden Systemen des Maschinenbaus" ist das Thema des neu eingerichteten SFB 805. In ihm befassen sich Ingenieurwissenschaftler verschiedener Fachrichtungen und Mathematiker mit dem Thema "Unsicherheit", das im Maschinenbau in allen Phasen der Entwicklung, Produktion und Nutzung von Produkten auftritt und gravierende wirtschaftliche und sicherheitstechnische Folgen haben kann. Dies gilt vor allem für lasttragende Systeme im Leichtbau, die hohe Tragfähigkeit, geringes Gewicht und niedrige Produktionskosten verbinden sollen. Anhand eines besonders komplexen Flugzeugfahrwerks will der SFB klären, wie sich Unsicherheit und die daraus resultierenden Fehleinschätzungen beherrschen lassen. Dies soll helfen, die Planungs-, Produktions- und Nutzungsprozesse zu optimieren. (Sprecherhochschule: Technische Universität Darmstadt; Sprecher: Professor Holger Hanselka; außerdem beteiligt: Fraunhofer-Institut für Betriebsfestigkeit und Systemzuverlässigkeit, Darmstadt)

Wie Krankheiten durch Viren und Bakterien entstehen - zu dieser zentralen medizinischen Frage will der SFB 796 "Steuerungsmechanismen mikrobieller Effektoren in Wirtszellen" neue grundlegende Erkenntnisse erarbeiten. Die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler nehmen dabei die molekularen Mechanismen der Krankheitsentstehung in den Blick. Ihr besonderes Augenmerk gilt den strukturellen und molekularen Grundlagen und Mechanismen der Interaktion zwischen Virulenzfaktoren und Wirtsfaktoren. Indem er sowohl pflanzliche als auch humane Untersuchungssysteme miteinbezieht, will der SFB ein möglichst breites Spektrum möglicher Wechselwirkungen zwischen beiden Bereichen abdecken. Darüber hinaus sollen neue Virulenzfaktoren wie zum Beispiel die Protease untersucht werden. In der Gesamtschau sollen somit universelle wie auch spezielle Mechanismen der Entstehung von Krankheiten erkannt werden. (Sprecherhochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen; Sprecher: Professor Uwe Sonnewald; außerdem beteiligt: Fraunhofer-Institut für Integrierte Schaltungen IIS, Erlangen)

Die vielfältige Optimierung von Bauteilen aus Blech ist das Ziel des neuen SFB/Transregio 73, der in Erlangen-Nürnberg, Dortmund und Hannover angesiedelt ist. Unter dem Haupttitel "Umformtechnische Herstellung von komplexen Funktionsbauteilen mit Nebenformelementen aus Feinblechen - Blechmassivumformung" wollen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler zum einen erforschen, wie sich die Funktionalität und die Komplexität von Blechbauteilen steigern lässt. Dafür müssen wissenschaftliche Grundlagen geschaffen werden, um einen Werkstofffluss nicht nur in der Ebene, sondern auch aus der Blechebene heraus in Feinblechen zu ermöglichen. Zum anderen liegt der Fokus auf der Entwicklung neuer, robuster und flexibler Fertigungsprozesse durch die erstmalige Kombination des Blechumformprozesses mit dem Massivumformprozess. Dadurch sollen sich die benötigten Einzelkomponenten reduzieren und hochbelastbare, gewichtsreduzierte Elemente in kleinen und großen Stückzahlen produzieren lassen. Damit geht es nicht zuletzt um eine erhebliche Verbesserung der Wirtschaftlichkeit in einem bedeutsamen Produktionszweig. (Sprecherhochschule: Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg, Erlangen; Sprecherin: Professorin Marion Merklein; weitere beteiligte Hochschulen: Gottfried Wilhelm Leibniz Universität Hannover, Technische Universität Dortmund)

Die sogenannte Redox-Forschung hat sich bislang vor allem mit der Entstehung und Wirkung von oxidativem Stress in der Ausbildung von Krankheiten befasst. Dagegen ist es ein relativ neues Forschungsgebiet, reaktive Sauerstoffspezies auch als Signalmoleküle zur physiologischen Funktion einer Zelle zu verstehen. Genau hier setzt der SFB 815 "Redox-Regulation: Generatorsysteme und funktionelle Konsequenzen" an. Ziel ist es, die Rolle von Redox-Signalen in physiologischen Prozessen sowie im Übergang zu pathophysiologischen Vorgängen besser zu verstehen. Aus den gewonnenen Erkenntnissen sollen auch Forschungsansätze für die gezielte Behandlung verschiedenster Erkrankungen gewonnen werden. (Sprecherhochschule: Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt am Main; Sprecher: Professor Bernhard Brüne; außerdem beteiligt: Chemotherapeutisches Forschungsinstitut, Georg-Speyer-Haus, Frankfurt am Main)

Gleich mit einer ganzen Reihe hochkarätiger mathematischer Fragestellungen befasst sich der SFB/Transregio 71 "Geometrische Partielle Differentialgleichungen". In ihm befassen sich Mathematiker verschiedener Fachrichtungen und mathematische Physiker mit analytischen Problemen, die sich aus einem geometrischen Kontext ergeben. Dieser kann entweder in der Differentialgeometrie begründet sein oder aber Anwendungen betreffen, die eine geometrische Modellierung erfordern. Die geometrischen Fragestellungen stammen unter anderem aus der Geometrischen Maßtheorie und aus der Variationsrechnung. Als besonders bedeutsam könnten sich hier die geplanten Arbeiten zum sogenannten Willmore-Funktional erweisen. Im Bereich der Anwendungen werden Themen etwa aus der Quantendynamik sowie den mathematischen Grundlagen der Festkörperphysik aufgegriffen. Übergeordnetes Ziel ist es, geometrische partielle Differentialgleichungen mit Methoden der Analysis, der Numerik und der rechnergestützten Simulation zu studieren und geometrische und physikalische Phänomene zu beschreiben. (Sprecherhochschule: Albert-Ludwigs-Universität Freiburg; Sprecher: Professor Ernst Kuwert; weitere beteiligten Hochschulen: Eberhard Karls Universität Tübingen; Universität Zürich)

Die Struktur, Funktion und Dynamik biologischer Membranen fasziniert Wissenschaftler verschiedenster Fachrichtungen schon lange. Membranen sind essenziell für alle Lebensformen, da sie Strukturen zur Ausbildung von geschlossenen Kompartimenten bereitstellen und so biochemische Reaktionen in lebenden Zellen von ihrer Umgebung abtrennen. Dennoch ist bisher weitgehend unbekannt, wie die Membranumgebung die Funktion von Membranproteinen beeinflusst und wie Proteine die Membranstruktur auf molekularer Ebene modulieren. Im neu eingerichteten SFB 803 "Funktionalität kontrolliert durch Organisation in und zwischen Membranen" wollen nun Chemiker, Biologen und Physiker in enger Verknüpfung von Theorie und Experiment quantitative Informationen über das Wechselspiel von Membranlipiden und -proteinen erhalten. So sollen Protein- und Lipidfunktionalitäten vorhergesagt und allgemeingültige Struktur- und Funktionsmotive identifiziert werden. Auf diese Weise soll ein besseres Verständnis der dynamischen Prozesse biologischer Membranen ermöglicht werden. (Sprecherhochschule: Georg-August-Universität Göttingen; Sprecherin: Professorin Claudia Steinem, außerdem beteiligt: Max-Planck-Institut für biophysikalische Chemie, Göttingen)

Mit der menschlichen Haut und ihrer Funktion als Schutzschild beschäftigt sich der neu eingerichtete SFB 829. Unter dem Titel "Molecular Mechanisms Regulating Skin Homeostatis" wollen die beteiligten Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler die Kommunikation der verschiedenen Komponenten untersuchen, die zur Barrierefunktion der Haut zum Schutz gegen externe Schädigungen beitragen. Im Umkehrschluss sollen damit auch die molekularen Mechanismen weiter geklärt werden, die das Gleichgewicht stören und damit zu chronisch entzündlichen und allergischen Erkrankungen oder etwa zu Wundheilstörungen führen können. Diese Untersuchungen sollen es letztlich ermöglichen, neue therapeutische Ansätze zu entwickeln, mit denen sich sehr gezielt in die gestörten Stoffwechselwege eingreifen lässt, die zu diesen Erkrankungen führen. Damit sind die Arbeiten des SFB in ihrer Langzeitperspektive auch von erheblicher medizinischer und klinischer Bedeutung. (Sprecherhochschule: Universität zu Köln; Sprecher: Professor Thomas Michael Krieg; außerdem beteiligt: Deutsche Sporthochschule Köln, Max-Planck-Institut für Biologie des Alterns, Köln)

Wie sich die Kommunikation zwischen dem Menschen und technischen Systemen verbessern lässt, ist die hochaktuelle Fragestellung des SFB/Transregio 62 "Eine Companion-Technologie für kognitive technische Systeme". Dabei interessiert die beteiligten Ingenieure, Informatiker und Neurobiologen insbesondere, wie sich Emotionen in dieser Kommunikation besser ausdrücken und handhaben lassen. Ziel ihrer Arbeiten ist die systematische und interdisziplinäre Erforschung kognitiver Fähigkeiten - und ihre Realisierung in technischen Systemen. Dabei stehen Eigenschaften wie Individualität, Anpassungsfähigkeit, Verfügbarkeit, Kooperativität und Vertrauenswürdigkeit im Mittelpunkt. Die Realisierung dieser sogenannten Companion-Eigenschaften in kognitiven technischen Systemen soll bewirken, dass diese Systeme von ihren Nutzern als verlässliche, vertrauenswürdige und emphatische Assistenten wahrgenommen und akzeptiert werden. Damit will der neu eingerichtete SFB/Transregio nicht zuletzt die Grundlagen für eine Technologie schaffen, die menschlichen Nutzern eine neue Dimension des Umgangs mit technischen Systemen erschließt. (Sprecherhochschule: Universität Ulm; Sprecherin: Professorin Susanne Biundo-Stephan; weitere beteiligte Hochschule: Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg; außerdem beteiligt: Leibniz-Institut für Neurobiologie, Magdeburg)

Weitere Informationen

Weitere Informationen erteilen die Sprecher der Sonderforschungsbereiche.

Ansprechpartner in der DFG-Geschäftsstelle ist

  • Dr. Klaus Wehrberger,
    Leiter der Gruppe Sonderforschungsbereiche, Forschungszentren und Exzellenzcluster,
    Tel. +49 228 885-2355,
    Klaus.Wehrberger@dfg.de

Zum 40-jährigen Jubiläum der SFB ist eine Sonderbeilage zum DUZ-Magazin erschienen. Das komplette Heft findet sich im Internet unter:

  • www.dfg.de/forschungsfoerderung/ koordinierte_programme/sonderforschungsbereiche/ download/spektrum_beiheft_sfb_0809.pdf

Mehr zu den Sonderforschungsbereichen auch unter:

  • www.dfg.de/sfb