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Pressemitteilung Nr. 59 | 13. Oktober 2004
DFG-Graduiertenkollegs zunehmend internationaler

Strukturiert Promovieren wird attraktiver - 23 neue Förderungen beschlossen

Die Graduiertenkollegs der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) ziehen immer mehr Antragsteller an. Der zuständige Bewilligungsausschuss wählte in seiner Sitzung vom 8. Oktober 2004 aus 66 Anträgen 23 Projekte zur Förderung aus. Die Antragszahlen sind damit so hoch wie seit acht Jahren nicht mehr. Das Programm zeigt sich zunehmend für internationale Antragstellergruppen attraktiv. Erfreulich ist zudem die hohe Anzahl der Neuanträge aus den Ingenieurwissenschaften. Derzeit fördert die DFG insgesamt 270 Graduiertenkollegs, darunter 34 internationale. Für das Programm der Graduiertenkollegs wendet die DFG im Jahr 2004 rund 70 Millionen Euro auf.

Im neu eingerichteten Internationalen Graduiertenkolleg "Economic Behavior and Interaction Models" an der Universität Bielefeld und der Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne beschäftigen sich Forscher mit dem wirtschaftlichen Verhalten von Individuen in einer Gesellschaft. Im Vordergrund stehen dabei neue Methoden der mathematischen Wirtschaftstheorie in Verbindung mit verschiedenen anderen, bis in die Sozialwissenschaft reichenden Ansätzen. Untersucht wird das Wechselspiel zwischen dynamischen evolutionären Prozessen, institutionellen Gegebenheiten und dem menschlichem Entscheidungsverhalten. Der Fokus liegt in der Kombination der strategischen Aspekte und der Dynamik von Interaktion.

Im Graduiertenkolleg "Vertrauenswürdige Software-Systeme - Konstruktion, Zertifizierung und Einsatz" an der Universität Oldenburg bearbeiten Informatiker und Juristen die Anforderungen von Nutzern nach Sicherheit und Vertrauen in Software-Systeme. Denn im alltäglichen Gebrauch, beispielweise in der Automobiltechnik oder im Gesundheitswesen, spielen komplexe Steuerungssysteme eine immer größere Rolle. Die Forschungsschwerpunkte des interdisziplinären Graduiertenkollegs beschränken sich dabei nicht nur auf die Sicherheitsproblematik, sondern befassen sich auch mit der Zuverlässigkeit, der Korrektheit, der Einhaltung von Datenschutzrichtlinien und der Verfügbarkeit von Software-Systemen.

Die interdisziplinäre Zusammenarbeit von Wissenschaftlern verschiedener Ingenieurdisziplinen wird im Graduiertenkolleg "Seehäfen für Containerschiffe zukünftiger Generationen: Interaktion von Schiff, Fluid, Struktur und Boden" an der Technischen Universität Hamburg-Harburg gefördert. Forscher aus dem Schiffbau, der Mechanik und Meerestechnik sowie der Geotechnik arbeiten an der Grundlagenforschung auf dem Gebiet der Interaktion des Schiffskörpers mit dem Wasser, der Kai-Struktur und dem Boden. Da die Größe der Containerschiffe in den kommenden Jahren zunimmt, müssen auch die Hafenanlagen den Anforderungen angepasst und Grundlagenuntersuchungen für entsprechende Kai-Konstruktionen durchgeführt werden.

Arbeitsgruppen aus Instituten der Medizinischen Fakultät, der Biowissenschaften, der Pharmazie und der Psychologie beschäftigen sich im Kolleg "Interdisziplinäre Ansätze in den zellulären Neurowissenschaften (InterNeuro)" der Universität Leipzig mit der neurowissenschaftlichen Forschung. Im Vordergrund stehen dabei Untersuchungen zur Retina als visuelles Organ sowie akustische Informationsverarbeitungssysteme. Die Verknüpfung von Biowissenschaften und Biophysik ist geeignet, die hochkomplexen neurowissenschaftliche Fragestellungen mit speziellen Methoden zu bearbeiten.

Der Interaktion zwischen Infektionserregern und ihren Wirten auf molekularer Ebene widmet sich das interdisziplinäre Kolleg "Genetische und immunologische Determinanten von Pathogen-Wirt-Interaktionen" an der Humboldt-Universität Berlin. Während sich die Forschung in der Virologie, Bakteriologie und Parasitologie noch immer stark auf das spezifische Arbeitsfeld bezieht, wollen die Antragsteller mit diesem Kolleg die Fächergrenzen überschreiten. Im Mittelpunkt stehen Querschnittsthemen aus allen drei Organismengruppen bei unterschiedlichen Wirtsspezies.

Die neuen Graduiertenkollegs im Einzelnen:

  • Die Bedeutung der Biodiversität für Stoffkreisläufe und biotische Interaktionen in temperaten Laubwäldern, Universität Göttingen
  • Viren des Immunsystems, Universität Erlangen-Nürnberg
  • Modellierung, Analyse und Simulation in der Wirtschaftsmathematik, Universität Ulm
  • Analysis, Numerics and Optimisation of Multiphase Problems, Humboldt-Universität Berlin
  • Generationengeschichte. Generationelle Dynamik und historischer Wandel im 19. und 20. Jahrhundert, Universität Göttingen
  • Entwicklung neuer computerbasierter Methoden für den Arbeitsplatz der Zukunft in der Weichteilchirurgie, Universität Heidelberg
  • Proteininteraktionen und -modifikationen im Herzen, Universität Düsseldorf
  • Vertrauenswürdige Software-Systeme - Konstruktion, Zertifizierung und Einsatz, Universität Oldenburg
  • Seehäfen für Containerschiffe zukünftiger Generationen: Interaktion von Schiff, Fluid, Struktur und Boden, Technische Universität Hamburg-Harburg
  • Physik an Hadron-Beschleunigern, Universität Freiburg
  • Von der Zelle zum Organ: Molekulare Mechanismen der Organogenese, Universität Freiburg
  • Visualization of Large and Unstructured Data Sets. Applications in Geospatial Plan-ning, Modelling and Engineering, Technische Universität Kaiserslautern
  • Eingebettete Mikrosysteme, Universität Freiburg
  • Genetische und immunologische Determinanten von Pathogen-Wirt-Interaktionen, Humboldt-Universität Berlin
  • Orientierung und Bewegung im Raum, Universität München
  • Interdisziplinäre Ansätze in den zellulären Neurowissenschaften (InterNeuro), Universität Leipzig
  • Zelluläre Mechanismen von Lernen und Gedächtniskonsolidierung in der hippokampalen Formation, Freie Universität Berlin
  • Geometrie und Analyse von Symmetrien, Universität Paderborn
  • Aerothermodynamische Auslegung eines Scramjet-Antriebssystems für zukünftige Raumtransportsysteme, Universität Stuttgart
  • Optische Messtechniken für die Charakterisierung von Transportprozessen an Grenzflächen, Technische Universität Darmstadt
  • Kunst und Technik. Material und Form in künstlerischen und technischen Gestaltungsprozessen, Technische Universität Hamburg-Harburg
  • Interference of Pathogens with the Host Signaling Machinery, Universität Würzburg
  • Economic Behavior and Interaction Models, Universität Bielefeld/Université Paris 1 Panthéon-Sorbonne

Seit 1990 fördert die DFG in Graduiertenkollegs besonders qualifizierte Doktorandinnen und Doktoranden in allen wissenschaftlichen Disziplinen. Jeweils 15 bis 25 von ihnen arbeiten in einem meist interdisziplinären Forschungs- und Studienprogramm unter der Anleitung von Professorinnen und Professoren, die in Forschung und Lehre besonders ausgewiesen sind. Derzeit schließen rund sechs Prozent aller Doktoranden in Deutschland ihre Promotion in Graduiertenkollegs ab. Absolventen von Graduiertenkollegs sind in der Regel umfassender qualifiziert und durchschnittlich zwei Jahre jünger als andere Doktoranden. Der Anteil der ausländischen Promovenden ist mit 27 Prozent an den Graduiertenkollegs fast dreimal so hoch wie im Bundesdurchschnitt.

Weiterführende Informationen  

Nähere Informationen erteilt Dr. Jörg Schneider Gruppe Graduiertenkollegs und Nachwuchsförderung), Deutsche Forschungsgemeinschaft, Kennedyallee 40, 53175 Bonn, Tel.: (0228) 885-2424, E-Mail: joerg.schneider@dfg.de.