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Pressemitteilung Nr. 52 | 6. Dezember 2000
Abrupte Klimaänderungen - kein neues Phänomen

Bilanz des DFG-Schwerpunktprogramms "Wandel der Geo-Biosphäre während der letzten 15 000 Jahre"

Wer Klimaentwicklungen heute erklären oder voraussagen will, muss zuvor das Klimasystem der Vergangenheit rekonstruiert und verstanden haben. Wie klimatische Veränderungen die Lebensräume auf den Kontinenten umgestaltet und welche Umweltbedingungen diesen Wandel herbeigeführt haben, ist bislang nur unzureichend erforscht. In insgesamt 50 Forschungsprojekten haben Geographen, Geologen, Geochemiker, Paläontologen und Archäologen sich auf die Spur des Ökosystems der Vergangenheit gesetzt. Die Forscher arbeiteten im Rahmen des interdisziplinären Schwerpunktprogramms "Wandel der Geo-Biosphäre während der letzten 15 000 Jahre. Kontinentale Sedimente als Ausdruck sich verändernder Umweltbedingungen", das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) über einen Zeitraum von sechs Jahren mit rund achtzehn Millionen Mark gefördert worden ist. Zum Abschluss des Projektes zogen die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler jetzt bei einer internationalen Tagung in Bonn Bilanz.

"Abrupte Klimaänderungen und ausgeprägte Klimaschwankungen haben die letzten 15 000 Jahre mehr bestimmt, als man bisher dachte", so der Sprecher des Schwerpunktprogramms, Professor Wolfgang Andres von der Universität Frankurt/Main. Das Forschungsprojekt von Professor Hans-Ulrich Schmincke von der Universität Kiel bestätigt dies. Er rekonstruierte den Ablauf der Eruption des Laacher See-Vulkans in der Eifel; gleichzeitig fragte er nach der Klimaauswirkung dieses Ereignisses. Bei Ausbruch in einem Frühjahr vor 12 900 Jahren katapultierte der Vulkan eine Eruptiossäule von zwanzig bis dreißig Kilometern in den Himmel; die verstreute Asche ist heute noch in vielen Landstrichen nachweisbar. Schmincke und seine Mitarbeiter zeigten, dass sich das Klima nach dem Vulkanausbruch nachweisbar für einige Jahre abkühlte; wahrscheinlich hat es auch mehr geregnet.

Wie die Pflanzenwelt zum Zeitpunkt des Vulkanausbruchs im nahe gelegenen Neuwieder Becken und im Mittelrheintal aussah, haben Professor Hans-Jürgen Beug und Dr. Felix Bittmann von der Universität Göttingen untersucht. Mit Hilfe von Pollen-, Pflanzen- und Holzkohlenfunden stellte die Göttinger Forschergruppe fest, dass es damals eine große, bislang nicht beschriebene Vielfalt von Pflanzen gab. Für die damalige Lebensumwelt waren allein natürliche Klimaveränderungen verantwortlich. In die späteiszeitliche Bio-Geosphäre hatte der Mensch noch nicht eingegriffen. Vor etwa 7500 Jahren nahm der Einfluss des Menschen auf seine natürliche Umwelt, zum Beispiel durch den Ackerbau, zu - jedoch nicht in dem Maße, wie bislang vermutet. Erst in der ausgehenden Steinzeit hielten sich natürliche Umweltveränderungen und die Veränderungen von Menschenhand die Waage.

Ziel des Schwerpunktprogramms war es, die natürlichen und die durch den Menschen verursachten Umweltveränderungen der Erdgeschichte durch die Untersuchung von Ablagerungen zu erschließen. Die Wissenschaftler untersuchten Sedimente aus vielen deutschen Landschaften - von den Küsten der Nord- und Ostsee bis zum Alpenrand. Die See- und Flussablagerungen ebenso wie die Watten- und Küstensedimente oder Moore ermöglichten, den Zeitpunkt und den Umfang früherer Eingriffe des Menschen in seine natürliche Umwelt und dadurch hervorgerufene Veränderungen zu rekonstruieren. So konnten grundlegende Erkenntnisse über das Funktionieren von Ökosystemen seit dem Ende der letzten Eiszeit gewonnen werden. Der Mensch allein, so lässt sich schlussfolgern, ist für den Klimawandel unserer Tage nicht verantwortlich. Auch ohne den Eingriff des Menschen hat es schon früher nachhaltige Klimaänderungen und Klimaschwankungen gegeben.

Weiterführende Informationen

Weitere Informationen erteilt der Koordinator des Schwerpunktprogramms, Professor Dr. Wolfgang Andres, Institut für Physische Geographie der Universität Frankfurt, Tel.: 069/7 98-24 01, E-Mail: Andres@em.uni-frankfurt.de /

  • http://www.rz.uni-frankfurt.de/