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Pressemitteilung Nr. 39 | 1. September 2000
Gewinner der DFG-Initiative Bioinformatik

Bielefeld, München, Leipzig, Saarbrücken und Tübingen erfolgreich

Der Hauptausschuß der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat heute aus insgesamt 31 eingereichten Konzepten die Gewinner der Initiative Bioinformatik ausgewählt. Mit jährlich rund zehn Millionen DM unterstützt die DFG den Ausbau der Bioinformatik an den Standorten Bielefeld, München, Leipzig, Saarbrücken und Tübingen für zunächst zwei Jahre.

Im Juni 1999 hatte die DFG die deutschen Universitäten aufgerufen, gemeinsam mit außeruniversitären Instituten in ihrer Region Konzepte zur Entwicklung eines Wissenschafts- und Ausbildungsprofils in der Bioinformatik auszuarbeiten. Bioinformatik ist eine noch junge, sich rasch entwickelnde interdisziplinäre Wissenschaft, in der Kenntnisse und Methoden der Biologie, der Chemie und Pharmazie und der Informatik zusammengeführt werden, um die gewaltigen Mengen an Informationen aus den weltweiten Bemühungen um die Entschlüsselung der Erbanlagen von Mikroorganismen, Pflanzen und Tieren bis hin zum Menschen (Humangenomprojekte) zu ordnen, in Beziehung zueinander zu setzen und für Anwendungen, etwa in der Medizin, nutzbar zu machen. Für alle Standorte, an denen moderne biowissenschaftliche Forschung betrieben wird, ist damit der Aufbau einer kompetenten Bioinformatik unabdingbar. So gibt es inzwischen Bioinformatikprogramme in Frankreich, Großbritannien und den Vereinigten Staaten.

Präsidium und Senat der DFG wollten mit der Ausschreibung den Universitäten und Forschungseinrichtungen einen Anstoß geben, durch gezielte Stärkung vorhandener Potenziale ihre Attraktivität durch zukunftsorientierte Studienangebote zu steigern, für die akademische Forschung und für die Wirtschaft dringend benötigte Nachwuchskräfte qualifiziert auszubilden und so zugleich den Wissenschaftsstandort Deutschland zu verbessern. Auf der Basis der Empfehlungen einer international zusammengesetzten Gutachtergruppe hat der Hauptausschuß zur Förderung im Rahmen der "Initiative Bioinformatik" fünf Standorte ausgewählt, die besonders innovative Konzepte vorgelegt haben:


In Bielefeld werden mit den Mitteln der DFG am Centrum für Biotechnologie zwei Institute errichtet, ein Institut für Genomforschung und ein Institut für Bioinformatik, die insgesamt zehn Arbeitsgruppen beherbergen sollen. Die DFG unterstützt hier eine schon lange etablierte Zusammenarbeit zwischen Informatik und Biologie, die bereits vor Jahren zur Gründung eines Studiengangs in der Bioinformatik geführt hat. An der Universität Bielefeld wird auch bereits ein Graduiertenkolleg in der Bioinformatik gefördert.

In München werden LMU und TU, das Max-Planck-Institut für Biochemie sowie das GSF-Forschungszentrum für Umwelt und Gesundheit ein Netzwerk der Bioinformatik in Ausbildung und Forschung gründen. Dieses baut auf einem breiten Spektrum verschiedener Bereiche der Genomforschung und Informationstechnologie auf, in dem die Münchner Wissenschaftler bereits ausgewiesen sind. Sie wollen nun ihre Anstrengungen bündeln und vorrangig einen gemeinsamen Studiengang sowie einen gemeinsamen Forschungsschwerpunkt der verschiedenen Institutionen in der Bioinformatik einrichten.

Die Leipziger Wissenschaftler wollen sich auf zwei scharf umgrenzte, hochaktuelle Themen konzentrieren - "Genetische Evolution" sowie "Zelluläre Signaltransduktion und Selbstorganisation von Geweben". Aufgebaut wird ein Interdisziplinäres Zentrum für Bioinformatik (IZBI) als zentrale Einrichtung der Universität Leipzig, in dem die vorhandenen Forschungsaktivitäten gebündelt werden. Die Kooperation zwischen der Universität und dem Max-Planck-Institut für evolutionäre Anthropologie ist ein wichtiger Bestandteil des Konzepts.

Der Aufbau eines virtuellen Biolabors, mit dem die Zahl der Laborexperimente auf ein Minimum reduziert werden kann, ist die Vision der mehrheitlich aus der Informatik stammenden Saarbrücker Wissenschaftler. Die von der DFG bereitgestellten Mittel sollen zur Gründung eines Kompetenzzentrums eingesetzt werden, in dem die Expertise aus den Biowissenschaften und der Informatik unter maßgeblicher Beteiligung des Max-Planck-Instituts für Informatik gebündelt werden soll. Im Mittelpunkt des Interesses stehen die Komponenten eines virtuellen Labors, die bei der Entwicklung neuer Arzneistoffe eine wichtige Rolle spielen.

Auch die Tübinger Initiative kann schon einen etablierten Studiengang in der Bioinformatik vorweisen. Dieser selbst gesetzte Schwerpunkt soll weiter ausgebaut werden, indem mit Hilfe der Mittel der DFG ein Zentrum für Bioinformatik Tübingen (ZBIT) in einem neu erworbenen Gebäude eingerichtet wird. Die existierende Expertise, aufbauend auf einer ausgedehnten Forschungslandschaft in weiten Bereichen der Biomedizin aber auch der Informatik, wird gebündelt und durch neu zu etablierende Abteilungen erweitert. Die Universität arbeitet mit den örtlichen Instituten der Max-Planck-Gesellschaft eng zusammen.

Mit der Förderung der fünf genannten Standorte leistet die DFG einen wichtigen Beitrag zum Ausbau der Ausbildungs- und Forschungskapazität in der Bioinformatik in Deutschland.

Die internationale Gutachtergruppe kam nach dem Vergleich aller Anträge und Gesprächen mit den Initiatoren der neun in die Endauswahl gelangten Anträge zu der Aussage, dass die Ausschreibung weit über den Kreis der erfolgreichen Initiativen hinaus zu einer Aufbruchstimmung geführt habe, die die Bioinformatik in den nächsten Jahren im internationalen Wettbewerb nach vorn bringen und damit die Konkurrenzfähigkeit Deutschlands in großen Bereichen der Life Sciences sichern helfen werde.

Weiterführende Informationen

Nähere Informationen: Dr. Ingrid Ehses, Referat Biologie 4, Tel.: 0228 / 885-2258, E-Mail: ingrid.ehses@dfg.de, und Dr. Andreas Engelke, Referat Ingenieurwissenschaften 6, Tel.: 0228 / 885-2523, E-Mail: andreas.engelke@dfg.de