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Eugen und Ilse Seibold-Preis 2019

Zwei Mittler zwischen Japan und Deutschland

Der Politik- und Verwaltungswissenschaftler Prof. Dr. Kōichirō Agata und der Rechtswissenschaftler Prof. Dr. Harald Baum erhalten den Eugen und Ilse Seibold-Preis der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG). Sie werden ausgezeichnet für ihr jahrelanges erfolgreiches Engagement, das zum deutsch-japanischen Wissenschaftsaustausch ebenso wie zu einem kulturellen Austausch beigetragen hat. Das entschied die Jury des Preises in ihrer Sitzung im Mai 2019.

„Kōichirō Agata und Harald Baum sind nicht nur in ihrem jeweiligen Land und in ihrem Fach als hervorragende Wissenschaftler bekannt. Sie genießen auch im jeweils anderen Land hohes Ansehen und haben durch ihr großes persönliches Engagement nicht zuletzt im Rahmen des Studierendenaustauschs in besonderer Weise zum deutsch-japanischen Verständnis beigetragen“, begründete die Juryvorsitzende Prof. Dr. Katja Becker, Vizepräsidentin der DFG, die Entscheidung. Der mit jeweils 10 000 Euro dotierte Preis wird am 9. September 2019 in Bonn verliehen.

Prof. Dr. Kōichirō Agata

Prof. Dr. Kōichirō Agata

© Volker Lannert/Universität Bonn

Mit Kōichirō Agata zeichnet die DFG einen Wissenschaftler aus, der sich über Jahrzehnte hinweg für den Austausch und die Kooperation zwischen Deutschland und Japan eingesetzt hat. Der Verwaltungswissenschaftler aus Tokio wirkte viele Jahre im Auswahlausschuss des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) bei der Stipendienvergabe an japanische Studierende mit und wurde 2008 zum ersten Vertrauenswissenschaftler der Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH) in Japan berufen. Er ist zudem seit vielen Jahren als Mitglied des Stiftungsrates des Japanisch-Deutschen Zentrums Berlin tätig.

Der Fokus von Agatas Forschung liegt im Vergleich der Kommunalverwaltung in Japan und Deutschland. Er ging nach Abschluss seines Studiums der Politikwissenschaften an der Waseda University Tokyo als DAAD-Stipendiat von 1984 bis 1988 an die Universität Köln und an die Hochschule für Verwaltungswissenschaften in Speyer, an der er 1992 zum Doktor der Verwaltungswissenschaften promoviert wurde. Anschließend wurde er an die Waseda University berufen, an der er seit 1997 den Lehrstuhl für Verwaltungswissenschaften innehat und seit 2008 Dekan an der Okuma School of Public Management der Waseda University ist. Seine Fachexpertise konnte er dabei regelmäßig außerwissenschaftlichen Kreisen zur Verfügung stellen, beispielsweise als Berater des Bildungsministeriums (MEXT) sowie des japanischen Innen- und Außenministeriums. Für seine Verdienste um die deutsch-japanischen Beziehungen wurde ihm 2006 das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland verliehen.

Prof. Dr. Harald Baum

Prof. Dr. Harald Baum

© privat

Auch Harald Baum machte sich über viele Jahre hinweg für den Austausch und die Kooperation zwischen Deutschland und Japan stark. Er erweiterte das Verständnis beider Länder, indem er in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit das japanische Recht deutschen Rechtswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern näherbrachte sowie das deutsche Recht in Japan zugänglich machte. Dies tat er nicht nur in seiner Rolle als Vizepräsident der Deutsch-Japanischen Juristenvereinigung e. V., sondern insbesondere als Gründer und Herausgeber der Zeitschrift für Japanisches Recht, die seit mehr als 20 Jahren regelmäßig auf Deutsch und Englisch über ihren Gegenstand informiert. Hierfür wurde ihm 2010 der Preis der Stiftung zur Förderung des japanisch-deutschen Wissenschafts- und Kulturaustauschs (JaDe) verliehen.

In seinen Forschungsarbeiten beschäftigt sich Baum mit internationalem Privat- und Verfahrensrecht, wobei sein Schwerpunkt durchweg auf japanischem Recht liegt. Nach seinem Studium der Rechtswissenschaften an den Universitäten Hamburg und Freiburg und seiner anschließenden Promotion an der Universität Hamburg 1984 trat er als wissenschaftlicher Referent in das Max-Planck-Institut für ausländisches und internationales Privatrecht in Hamburg ein, wo er bis heute tätig ist. Forschungsaufenthalte im Ausland, allen voran in Japan, bestimmten seinen weiteren Weg. Im Jahr 2004 habilitierte Baum im Fachbereich für Rechtswissenschaften der Universität Hamburg, wo er 2010 zum Professor berufen wurde. Neben seinen Lehr- und Forschungstätigkeiten in Deutschland und in Japan organisierte er zahlreiche rechtswissenschaftliche Tagungen und legte dabei großen Wert auf die Ausbildung des wissenschaftlichen Nachwuchses.

Der Eugen und Ilse Seibold-Preis der DFG wird seit 1997 in der Regel alle zwei Jahre an japanische und deutsche Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler vergeben. Die Preise honorieren besondere Leistungen auf allen Wissenschaftsgebieten, in diesem Jahr wurde der Preis turnusgemäß in den Geistes- und Sozialwissenschaften vergeben.

Die Mittel für den Preis stammen aus einem von Eugen und Ilse Seibold gestifteten Fonds. Von 1980 bis 1985 war der Meeresgeologe Eugen Seibold Präsident der DFG, 1994 wurde ihm gemeinsam mit dem amerikanischen Umweltschützer Lester Brown der „Blue Planet Prize“ der japanischen Asahi Glas-Stiftung verliehen. Von dem mit 400 000 Euro weltweit höchstdotierten Umweltpreis haben Eugen Seibold und seine Frau Dr. Ilse Seibold der DFG 150 000 Euro zur Begründung eines Fonds gestiftet. Die Erträge dieses Fonds dienen der Förderung der Wissenschaft und der Verständigung zwischen Deutschland und Japan.

Zu den Personen

Preisträger und Programm