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Prof. Dr. Martin Krönke - Gottfried Wilhelm Leibniz-Preisträger 2001

Lebenslauf

Geburtsdatum: 9. April 1953

Geburtsort: Marburg

  

Ausbildung 

1972 Erlangung der Hochschulreife, Darmstadt 

1972-1979 Studium der Medizin, Johannes-Gutenberg-Universität Mainz

1979 ärztliche Prüfung, Approbation als Arzt

Promotion zum Dr.med. ("summa cum laude")

1988  Habilitation, Medizinische Fakultät, Universität Göttingen

1989 Facharzt für Laboratoriumsmedizin 

1993 Facharzt für Mikrobiologie und Infektionsepidemiologie

  

Bisher ausgeübte berufliche Tätigkeiten und wissenschaftlicher Werdegang 

1977-1979 Dissertation am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Uni Mainz 

1979-1980 Grundwehrdienst als Stabsarzt am HInstW850 in Darmstadt

1980-1983 Wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Medizinische Mikrobiologie, Universität Mainz

1983-1985  Ausbildungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft: National Cancer Institute, NIH, Bethesda, Maryland, USA

1985-1989 Mitglied der Klinischen Arbeitsgruppe "Biologische Regulation der Wirt-Tumor-Interaktion" der Max-Planck-Gesellschaft, Göttingen

1989-1990 Heisenberg-Stipendiat der Deutschen Forschungsgemeinschaft

1991-1995 Professor (C3) Institut f. Med. Mikrobiologie und Hygiene, TU München 

1995-1999 Professor (C4) und Direktor des Instituts für Immunologie, Uni Kiel 

1998 Sprecher des DFG-Sonderforschungsbereiches 415, Universität zu Kiel

"Spezifität und Pathophysiologie von Signaltransduktionswegen"

seit 1999 Professor (C4) und Direktor des Instituts für Medizinische Mikrobiologie, Immunologie und Hygiene, Medizinische Einrichtungen der Universität zu Köln

  

Preise/Stipendien 

1979 Preis der Johannes-Gutenberg-Universität für wissenschaftliche Leistungen von Studenten

1983 Ausbildungsstipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft

1987 Förderpreis des Johann-Georg-Zimmermann-Fonds

1989 Heisenberg-Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft

1994 Wissenschaftspreis Medizinische Grundlagenforschung; SmithKline Beecham Stiftung

2000 Heinz Maurer-Preis für Dermatologische Forschung

Forschungsschwerpunkte

Regulation des Immunsystems durch lösliche Botenstoffe (sog. Zytokine)

 

Allgemeiner Hintergrund

Zellen des Immunsystems setzen hormonartige Substanzen, die sogenannten Lympho- bzw. Zytokine frei. Zytokine spielen als Träger des Informationsaustausches der immunkompetenten Zellen untereinander eine entscheidende Rolle für die Regulation der Immunantwort. Durch Zytokine alarmieren sich Zellen des Immunsystems gegenseitig und regulieren die Abwehr gegen Bakterien, Viren, Parasiten und auch Tumoren.

Immunreaktionen können nur erfolgreich verlaufen, wenn alle beteiligten Zellen und Zytokine des Immunsystems zusammenarbeiten und aufeinander abgestimmt sind. Überschiessende Fehlsteuerungen in diesem komplexen Netzwerk führen zu gesundheitlichen Schädigungen von leichten Entzündungserscheinungen bis zum lebensbedrohlichen Schock.

Ausfälle des Zytokinnetzwerks äussern sich zum Teil in schweren Immundefektsyndromen, d.h. in häufigen und schwer verlaufenden Infektionen wie bei AIDS.

In den letzten Jahren wurden viele dieser Zytokine molekulargenetisch kloniert, eine Grundvoraussetzung für die präzise Aufklärung der Zytokinwirkmechanismen und für die Prüfung in klinischen Studien.

Einige Zytokine werden bereits klinisch angewendet. Beispiel 1: das sog. G-CSF, welches bei Tumorpatienten nach einer Chemotherapie dafür sorgt, dass sich das Immunsystem wieder schneller erholt. Beispiel 2: Interferon wird bei Patienten mit Multipler Sklerose eingesetzt, um die Rezidivhäufigkeit zu vermindern.

Die Erforschung von Zytokinen und deren Wirkmechanismen wird auch in Zukunft zum Verständnis der Pathogenese vieler Krankheiten beitragen und sehr wahrscheinlich zur Entwicklung von neuen Medikamenten bei Infektionskrankheiten, akuten und chronischen Entzündungen und Krebs führen.

 

Interleukin-2 (IL-2), Tumor Nekrosis Faktor (TNF) und deren Membranrezeptoren

Bereits vor ca 20 Jahren stand ein Wachstumsfaktor für T-Lymphozyten, Interleukin-2 (IL-2), im Vordergrund des Interesses. Am Institut für Medizinische Mikrobiologie in Mainz wurden die IL-2 produzierenden T-Lymphozyten und deren Aktivierungsbedingungen näher erforscht. IL-2 ist ein Wachstumsfaktor für T-Lymphozyten und damit wichtig für den Aufbau einer Immunantwort. Wenig später, 1984, gelang es zusammen mit Dr. Greene, damals Leiter einer Arbeitsgruppe an den National Cancer Institutes der USA, mit dem Rezeptor für IL-2 erstmals auf der Welt einen Lymphokin-Rezeptor molekulargenetisch zu klonieren und funktionell zu charakterisieren. Durch diese Studien wurden therapeutische Anwendungsmöglichkeiten für Antikörper gegen den IL-2 Rezeptor gebahnt. Anti-IL-2 Rezeptor Antikörper sind heute zugelassene Medikamente zur Therapie von Transplantatabstossungsreaktionen und werden erprobt in der Therapie einer vor allem in Japan verbreiteten, retroviral induzierten Leukämieform, der sog. Adulten-T-Zell Leukämie.

Nach der Rückkehr nach Deutschland bildeten Membranrezeptoren für Zytokine weiterhin den wissenschaftlichen Schwerpunkt und vor allem auch die Moleküle, die die Effekte dieser Membranrezeptoren in das Zellinnere vermitteln, fachlich: Signaltransduktion. Im Mittelpunkt des Interesses stand jetzt Tumor Nekrose Faktor (TNF) und die Signaltransduktion des Membranrezeptors für TNF. TNF wurde zuerst als Tumor-zerstörendes Zytokin beschrieben. Der Name ist historisch bedingt. Seit einigen Jahren weiss man, dass TNF einer der wichtigsten Entzündungsfaktoren ist und bei der Abwehr von bakteriellen und viralen Infektionen eine wichtige Rolle spielt.

Zu den wichtigsten Entdeckungen zählen die Entschlüsselung von Rezeptoren, die auf der Zelloberfläche die Signale für TNF aufnehmen, umsetzen und ins Zellinnere weitergeben. Bei der Untersuchung von Vorgängen innerhalb der Zelle wurden neben bekannten Komponenten, die schon für andere Hormon/Zytokinrezeptoren beschrieben worden sind, auch neue Enzymsysteme entdeckt, die Signale innerhalb der Zelle übermitteln.

In der Zwischenzeit werden anti-TNF Antikörper bei der Rheumatoiden Arthritis bereits erfolgreich in der Klinik eingesetzt. Leider sind sie nur vorübergehend wirksam, da die Antikörper ihre Wirksamkeit schnell verlieren. Mit der Aufklärung der molekularen Wirkmechanismen des TNF Rezeptors könnten neue Angriffspunkte identifiziert werden für die Entwicklung von neuen wirksamen Medikamente für akute und chronische Entzündungskrankheiten.

Die weiteren Forschungsarbeiten werden sich in den nächsten Jahren darauf konzentrieren, die Rolle von TNF Rezeptoren für die Erregerabwehr bei Infektionskrankheiten und für Entzündungsprozesse präzise zu definieren. Dies ist für die Grundlagenforschung und ebenso für die medizinische Anwendung von besonderer Bedeutung.