Zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen

Logo: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - zur Startseite Deutsche Forschungsgemeinschaft

Dr. Thomas Mayer - Heinz Maier-Leibnitz-Preisträger 2000

Laudatio von Prof. Dr. Jürgen Mlynek, Vizepräsident der DFG

32 Jahre alt, Harvard Medical School, Boston, USA

Der gerade 32-jährige Biologe Thomas Mayer kann bereits jetzt auf einen eindrucksvollen wissenschaftlichen Werdegang zurückblicken: sein Studium absolvierte er in nur 8 Semestern in Heidelberg, sowohl Diplom- wie auch Doktorarbeit wurden mit der Note ausgezeichnet bewertet. Seit 2 Jahren ist Herr Mayer Postdoc im renommierten Arbeitskreis von Prof. T.J. Mitchison an der Harvard Medical School. Den USA-Aufenthalt absolviert er als Stipendiat im Rahmen des EmmyNoether-Programms der DFG, und zwar in der sog. Phase 1. Ich hoffe, Herr Mayer, dass Sie die weiteren Möglichkeiten des Emmy-Noether Programms (Phase II) nutzen und demnächst bei der DFG den Aufbau einer eigenen Arbeitsgruppe in Deutschland beantragen, anstatt eine Assistenzprofessur in den USA anzustreben.

Herr Mayer ist vom "Bankenfach". Keine Sorge, er ist nicht ein "verkappter Yuppie". Die Einlagen in seinen Banken sind auch wertvoll, aber keine Wertpapiere im herkömmlichen Sinne. Allerdings bestätigt sich bei Herrn Mäyer das öffentliche Vorurteil, Banken würden Unterdrückungstendenzen zeigen. Was sind also Mayer-Banken: Die Mayer'schen Banken stellen eine Vielzahl (typisch 16 000 - 90 000) verschiedener chemisch-synthetisierter Substanzen zur Verfügung mit denen die Zellteilung in Säugetierzellen unterdrückt werden kann.

Worum geht es?

Wie auch bei anderen grundlegenden zellbiologischen Vorgängen spielt bei der Zellteilung das sog. Zytoskelett eine zentrale Rolle. Das Zytoskelett bildet normalerweise das innere Gerüst jeder (eukaryontischen) Zelle. Dieses Gerüst dient u.a. dazu, der Zelle eine stabile Struktur zu geben und effiziente Transportvorgänge innerhalb der Zellle zu ermöglichen. Bei Eintritt in die Zellteilung (auch Mitose genannt) kommt es jedoch zu tiefgreifenden Umgestaltungen des Zytoskeletts. Obwohl seit langem die vielfältigen Funktionen des Zytoskeletts während der Kernteilung bekannt sind, weiß man über die beteiligten Faktoren und vor allem über deren zeitliche wie räumliche Regulation nur sehr wenig. Ursache für diese "Wissenslücke" ist u.a. die Tatsache, dass die hohe Dynamik mit der die Zellteilung abläuft und die zahlreichen Wechselwirkungen komplexen

Vorgänge die Anzahl nutzbringend einsetzbarer Untersuchungsmethoden stark einschränkt. Zur Zeit werden für die Untersuchung des Zytoskeletts hauptsächlich 2 Ansätze verwendet: Genetische Manipulationen und der Einsatz niedermolekularer chemisch-synthetisierter Verbindungen. Der große Vorteil niedermolekularer Verbindungen gegenüber genetischen Manipulationen ist, dass sie i.a. ihre Wirkung innerhalb weniger Sekunden bis Minuten entfalten und sich somit die Aktivität der betroffenen Proteine zeitlich exakt "ein" - und "ausschalten" lässt.

Das Ziel von Herrn Mayer war es, niedermolekulare Verbindungen gezielt für die Untersuchung von Vorgängen der Zellteilung einzusetzen. Neuartig an seinem Vorgehen war der biologische Ansatz, über den zunächst ca. 16 000 verschiedene Substanzen in einem miniaturisierten Verfahren darauf getestet werden konnten, ob der Prozess der Kernteilung (Mitose) angehalten wird. Von 139 zunächst gefundenen "Treffern" blieben letztendlich nur 5 für seinen Zweck wirklich interessante Substanzen über. Die Substanz, die den dramatischsten Effekt hatte, wurde Monastrol genannt. Da Monastrol Zellen im Prozeß der Zellteilung arretiert, besteht auch die Möglichkeit, dass Monastrol das Wachstum von Tumorzellen unterdrückt, welche in der Regel sehr sensitiv gegenüber die Zellteilung inhibierende Substanzen sind. Diese Hypothese wird zur Zeit in Zusammenarbeit mit dem "National Cancer Institute" in den USA untersucht.

Herr Mayer hat mit diesen Arbeiten einen zukünftsweisenden Weg für die'Entdeckung neuer, inhibitorischer Substanzen beschnitten, der eine generelle Suche nach Inhibitoren komplexen biologischer Prozesse in vivo erlaubt. Dieser auch als biochemische Genetik beschriebene Weg ist besonders attraktiv bei der Suche nach neuen und Nebeneffekt-freien Eingriffsmöglichkeiten zur Bekämpfung von Krankheiten. Dafür wird Herrn Dr. Thomas Mayer der Heinz Maier-Leibnitz Preis 2000 verliehen.