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Information für die Wissenschaft Nr. 49 | 2. Juli 2019
Schwerpunktprogramm „Kulturerbe Konstruktion“
(SPP 2255)

Der Senat der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) hat im März 2019 die Einrichtung des Schwerpunktprogramms „Kulturerbe Konstruktion – Grundlagen einer ingenieurwissenschaftlich fundierten und vernetzten Denkmalpflege für das bauliche Erbe der Hochmoderne“ (SPP 2255) beschlossen. Als Laufzeit sind sechs Jahre vorgesehen. Die DFG lädt hiermit zur Antragstellung für die erste dreijährige Förderperiode ein.

Im Fokus des Schwerpunktprogramms steht mit den Bauten der Hochmoderne (etwa 1880 bis 1970) ein noch junges Erbe, das umfassend das Bild unserer Städte und Landschaften prägt, zugleich aber in seinem Bestand stark gefährdet ist. Durch seine Eigenheiten in Struktur, Ausbau und Fassaden entzieht es sich in vielfacher Hinsicht klassisch denkmalpflegerischen, an kunsthistorischen Kanonisierungen orientierten Zugängen. Oftmals definieren hier gerade die Tragstruktur oder der Herstellungsprozess den Denkmalwert – die Konstruktion wird so zum eigentlichen Kulturerbe. Denkmalgerechte Strategien und Methoden für dessen Bewertung und Erhalt sind jedoch erst ansatzweise entwickelt; es mangelt an bautechnikgeschichtlichen, denkmaltheoretischen und ingenieurwissenschaftlichen Grundlagen sowohl für die Bewertung als auch für die Bewahrung. Ziel des Schwerpunktprogramms ist die fach- und ortsübergreifende Bündelung der Kompetenzen von Geschichtswissenschaften, Denkmalpflege und Bauingenieurwesen zur Entwicklung eines neuen Arbeitsfelds „Ingenieurwissenschaftlich fundierte und vernetzte Denkmalpflege“. Bezogen auf die Epoche der Hochmoderne soll sich die Arbeit disziplinübergreifend auf drei Themenbereiche konzentrieren:

1. Im Themenbereich „Erfassen und Einordnen“ sollen gezielt wesentliche Desiderate der bautechnikgeschichtlichen Forschung zur Hochmoderne aufgegriffen werden. Ziel ist die Präzisierung des bautechnikgeschichtlichen Koordinatensystems jener Epoche als unerlässliche Grundlage für eine belastbare Verortung und Bewertung des Kulturerbes Konstruktion und seiner Denkmale. Zentrale Fragestellungen sind:

  • Welche wesentlichen Hauptlinien und Neuerungen kennzeichnen die Entwicklung des Bauingenieurwesens, vor allem in den Bereichen a) Tragkonstruktion (und deren ingenieurwissenschaftliche Fundierung), b) Bauwerkshülle und Fassade (vor dem Hintergrund industriell gefertigter und modularer Systeme) und c) Rationalisierung der Planungs- und Bauprozesse?
  • Welche Tragstrukturen charakterisierten den Hoch-, welche den Ingenieurbau? Lassen sich hierbei Spezifika deutscher Konstruktionskulturen und -schulen herausarbeiten?
  • Welchen Stellenwert hatten zeittypische Leitbilder, wie entwickelten und veränderten sie sich im Kontext der Zeitläufte, welche Wirkungsmacht konnten sie entfalten?
  • Wie beeinflussten die gesellschaftlichen, ökonomischen und politischen Bedingungen die Entwicklung?

2. Der Bereich „Erkennen und Bewerten“ konzentriert sich auf die Entwicklung angemessener Methoden einer integralen Bewertung des breit gefächerten Spektrums unterschiedlicher Bauten und ihrer komplexen Strukturen. Projekte im Themenbereich 2 zielen auf die Erarbeitung und Vermittlung von leistungsfähigen Ansätzen, Gütekriterien und Methoden für die denkmalkundliche Bewertung hochmoderner Bautechnik, die die bautechnischen Dimensionen in ihrer ganzen Vielfalt einbeziehen. Zentrale Fragestellungen des Themenbereichs sind:

  • Wie lassen sich wissenschaftliche, konstruktive und prozessuale Innovationen des Bauingenieurwesens als denkmalkonstituierende Elemente identifizieren, würdigen und vermitteln?
  • Welche Kriterien und Kompetenzen bestimmten die Benennung einschlägiger Baudenkmale?
  • Wie entwickelten sich die gesellschaftlichen und berufsspezifischen Inwertsetzungsprozesse dazu?
  • Welche angemessenen Gütekriterien und Instrumente für eine sachgerechte Bewertung und Kommunikation gilt es zu entwickeln?

3. Im Fokus des Bereichs „Erhalten und Entwickeln“ stehen die Erarbeitung und exemplarische Verifikation vernetzter Handlungsstrategien für Erhalt und Weiterentwicklung dieses Erbes, in denen denkmalfachliche und ingenieurwissenschaftliche Methoden zusammengehen. Hier sollen Bauingenieure und Denkmalpfleger – aufeinander bezogen und auch in unmittelbarer Kooperation – Handlungsstrategien für Erhalt und Weiterentwicklung des baulichen Erbes der Moderne erarbeiten. Zentrale Fragestellungen sind:

  • Welcher Stellenwert kommt bei Baukonstruktionen der Hochmoderne den grundlegenden Denkmalpflege-Kategorien „Authentizität“ und „Integrität“ zu?
  • Wie lassen sich die denkmalpflegerischen Leitbilder mit ingenieurtechnischen Optimierungsbestrebungen hinsichtlich Dauerhaftigkeit, Mängelbeseitigung oder struktureller Stringenz vereinen?
  • Wie lässt sich mit dem Problem unzulänglicher Reparierbarkeit umgehen?
  • Wie lässt sich hochmoderne Bautechnik – auch unter Berücksichtigung obwaltender wirtschaftlicher Restriktionen – verantwortungsbewusst erhalten und weiterbauen?

Die vorgeschlagenen Forschungsprojekte sollen Leitfragen aus diesen Themenbereichen aufgreifen und klare Bezüge zu Bautechnikgeschichte und/oder Denkmalpflege erkennen lassen. Die Themen sollen schwerpunktmäßig im Untersuchungszeitraum (1880–1970) angesiedelt sein. Anträge interdisziplinär zusammengesetzter Arbeitsgruppen werden ausdrücklich begrüßt. Besonderer Wert wird auf eine Erläuterung gelegt, wie sich das vorgeschlagene Projekt in das Schwerpunktprogramm einbetten soll.

Das Schwerpunktprogramm wurde von Werner Lorenz (BTU Cottbus-Senftenberg), Thomas Hänseroth (TU Dresden), Silke Langenberg (Hochschule München), Steffen Marx (Leibniz Universität Hannover) und Hans-Rudolf Meier (Bauhaus-Universität Weimar) initiiert. Als Hilfestellung zur thematischen Eingrenzung der Projektanträge finden Sie den von der Initiativgruppe erarbeiteten Antrag auf Einrichtung des Programms und weitere Informationen auf der unten angegebenen Homepage.

Vorbereitungskolloquium

Zur Unterstützung der individuellen Antragstellung richten die Initiatoren für alle interessierten Forscherinnen und Forscher am 9. September 2019 in Cottbus ein Kolloquium aus; die Teilnahme ist für die Antragsberechtigung im Schwerpunktprogramm jedoch keine Voraussetzung. Bitte melden Sie sich bei Interesse bis zum 9. August 2019 beim Koordinator des Schwerpunktprogramms (werner.lorenz@b-tu.de) an. Bei fristgerechter Anmeldung übernimmt die DFG die Reisekosten.

Antragstellung

Reichen Sie Ihren Antrag in deutscher oder englischer Sprache bitte bis spätestens 23. Oktober 2019 bei der DFG ein. Die Antragstellung erfolgt ausschließlich über das elan-Portal zur Erfassung der antragsbezogenen Daten und zur sicheren Übermittlung von Dokumenten. Bitte wählen Sie unter „Antragstellung – Neues Projekt/Antragsskizze – Schwerpunktprogramm“ im elektronischen Formular aus der angebotenen Liste „SPP 2255 Kultererbe Konstruktion“ aus.

Berücksichtigen Sie bitte beim Aufbau Ihres Antrags das DFG-Merkblatt 54.01 zu Sachbeihilfen mit Leitfaden für die Antragstellung und die Hinweise im Merkblatt Schwerpunktprogramm 50.05, Teil B.

Handelt es sich bei dem Antrag innerhalb dieses Schwerpunktprogramms um Ihren ersten Antrag bei der DFG, beachten Sie, dass Sie sich vor der Antragstellung im elan-Portal registrieren müssen. Ohne Registrierung bis zum 16. Oktober 2019 ist eine Antragstellung nicht möglich. Bitte wählen Sie im Registrierungsformular bei den abschließenden Angaben ebenso wie bei der Antragstellung Ihr Schwerpunktprogramm aus der angebotenen Liste der Ausschreibungen aus. Die Bestätigung der Registrierung erfolgt in der Regel bis zum darauffolgenden Arbeitstag.

Weiterführende Informationen

Genauere inhaltliche Angaben finden Sie im Antrag zur Einrichtung des Schwerpunktprogramms unter:

Das elan-Portal der DFG zur Einreichung der Anträge finden Sie unter:

Die Merkblätter DFG-Vordruck 50.05 und 54.01 stehen unter:

Inhaltliche Fragen beantwortet Ihnen der Koordinator des Schwerpunktprogramms:

  • Prof. Dr.-Ing. Werner Lorenz,
    Brandenburgische Technische Universität Cottbus-Senftenberg,
    Institut für Bau- und Kunstgeschichte,
    Konrad-Wachsmann-Allee 8, 03046 Cottbus,
    Tel. +49 355 69-2694,
    Link auf E-Mailwerner.lorenz@b-tu.de

Auskünfte zur Antragstellung bei der DFG erteilen:

Fachlich:

Formal:

Hinweis:

Diese "Ausschreibung - Information für die Wissenschaft" ist unter
Interner Linkwww.dfg.de/foerderung/info_wissenschaft/2019/info_wissenschaft_19_49
erreichbar. Bitte verwenden Sie ausschließlich diese URL, um das Dokument zu zitieren oder per Link einzubinden.