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Plenarsitzung der MAK-Kommission 2018

Mitglieder tauschen sich über Erreichtes aus und legen Themen für 2018 fest / Stärkung der Kommunikation zur Kommissionsarbeit / Situation in Toxikologie und Arbeitsmedizin als Herausforderung

Am 22. März 2018 haben sich in Bonn Mitglieder der Ständigen Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe (MAK-Kommission) zu ihrer Plenarsitzung getroffen. Die Vorsitzende, Professorin Dr. Andrea Hartwig, fasste die Arbeitsergebnisse der Kommission des vergangenen Jahres zusammen. Insgesamt wurden 63 Stoffe bewertet, darunter MAK- und BAT-Werte abgeleitet und auf krebserzeugende , keimzellmutagene, sensibilisierende und hautresorptive Eigenschaften hingewiesen, aber auch die zur Analyse notwendigen Messmethoden etabliert.

Zu Beginn der Sitzung gedachten die Anwesenden des kürzlich verstorbenen Professor Dr. med. Gerhard Schlüter – einem langjährigen Gast der Kommission war. Frau Hartwig hob hervor, dass „Herr Schlüter die Aufgaben der Kommission fachlich hoch kompetent und aktiv unterstützt hat. Als übergreifend denkender, leidenschaftlicher Wissenschaftler, der es verstand, wissenschaftlichen Nachwuchs für toxikologische Fragen zu begeistern, hinterlässt er eine spürbare Lücke“.

Dr. Astrid Smola vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales betonte die zentrale Bedeutung der Kommission für die Politikberatung bezüglich des Schutzes am Arbeitsplatz gegenüber Gefahrstoffen. Mit der Trennung der wissenschaftsgeleiteten Diskussion in der Kommission von der anschließenden Diskussion im Ausschuss für Gefahrstoffe, bei der dann auch soziökonomische Gesichtspunkte beziehungsweise die Umsetzungsmöglichkeiten insgesamt berücksichtigt werden müssten, werde sichergestellt, dass der Gesetzgebungsprozess auf wissenschaftlichen Erkenntnissen aufbaut. Der überwiegende Teil der MAK- und BAT-Werte, die im Jahr 2017 nach einer sechsmonatigen Kommentierungsphase auf der Plenarsitzung endgültig verabschiedet wurden, wurden zwischenzeitlich vom Ausschuss für Gefahrstoffe (AGS) des Ministeriums für Arbeit und Soziales übernommen und in die Technischen Regeln für Gefahrstoffe integriert. Der Beitrag zur gesetzlichen Verankerung der wissenschaftlich erarbeiteten Zusammenhänge durch die Kommission ist damit beträchtlich.

Die Zugriffszahlen auf die im Open Access zur Verfügung stehenden Ergebnisdokumente sind im Vergleich zum Vorjahr auf 380.000 Volltextzugriffe weiter angestiegen. Die Arbeiten der Kommission werden dabei auch aus dem Ausland (im vergangen Jahr besonders häufig aus den USA, Indien, Kanada und China) gelesen. Um den vermutlich aus sprachlichen Gründen bisher noch unzureichend erreichten spanischen Sprachraum besser abdecken zu können, wird die MAK-und BAT-Werte-Liste seit dem vergangenen Jahr (Mitteilung 53, 2017) erstmals auch als spanische Ausgabe veröffentlicht.

Auch auf der diesjährigen Plenarsitzung widmete sich die Ständige Senatskommission der Diskussion grundlegend neuer methodischer Ansätze, die für die Beurteilung der Gesundheitsgefährdung von Stoffen für den Menschen relevant sind. In diesem Jahr stellte Professor Dr. Lothar Rink die neuesten Erkenntnisse zur Funktionsweise des Immunsystems und dessen Beeinflussung durch toxische Substanzen vor.

In den Berichten aus den Arbeitsgruppen wurde deutlich, dass die in der Kommission vertretenen Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen Disziplinen einen umfassenden Blick auf die zu einer Substanz vorhandenen Studien und Erkenntnisse ermöglichen. So werden sowohl substanzbezogene experimentelle In-vitro-Untersuchungen, alle verfügbaren Erkenntnisse im Tiermodell als auch Befunde bei exponierten Menschen berücksichtigt. Um die Einzelbeobachtungen in diesen unterschiedlichen Modellen zu einem konsistenten Bild zusammenzusetzen, bedarf es einer genauen Betrachtung der Qualität und Nachvollziehbarkeit von Untersuchungen. Dies wird durch die breite Expertise der Mitglieder der Kommission sowie des wissenschaftlichen Mitarbeiterstabs gewährleistet, die tierexperimentelle, arbeitsmedizinische, chemische, toxikologische, aber auch praktische Kenntnisse über den Einsatz der entsprechenden Substanzen umfasst. Ein gutes Beispiel hierfür ist die Beschäftigung mit Aluminium, einer Substanz, deren Risikobewertung auch über den Arbeitsschutz hinaus eine große Bedeutung hat, da zahlreiche Gebrauchsgegenstände und Hygieneartikel erhebliche Mengen Aluminium enthalten. Die Kommission hat empfohlen, den Grenzwert für Aluminium bei 50 Mikrogramm/g Kreatinin im Urin festzulegen. Bei Einhaltung dieses Grenzwerts ist der Mensch am Arbeitsplatz vor gesundheitlichen Auswirkungen effektiv geschützt.

Über die inhaltliche Arbeit hinaus hat sich die Kommission im vergangenen Jahr auch mit Prozessabläufen und Maßnahmen beschäftigt, die dem wachsenden öffentlichen Interesse an der Kommissionsarbeit, aber auch der Sicherstellung eines vertraulichen Diskussionsraums gleichermaßen gerecht werden. Mit der Erarbeitung und Veröffentlichung eines Selbstverständnisses für die Kommissionsarbeit hat die Kommission einen wertvollen Beitrag zur Erhöhung der Transparenz und wirksamen Vermeidung von Interessenkonflikten geleistet.

Im kommenden Jahr sollen insbesondere die stets im Vordergrund stehenden konzeptionellen Arbeiten zur Chemikalienbewertung weiter ausgebaut, aber auch die Öffentlichkeitsarbeit intensiviert werden, um die Bedeutung und Arbeitsweise der MAK-Kommission einem interessierten Publikum zu vermitteln. Ferner soll die Plenarsitzung zukünftig verstärkt dazu dienen, die Arbeitsergebnisse im breiteren Wissenschaftsumfeld zu diskutieren und Forschungsbedarf aufzuzeigen.

Die übergeordnet größte Herausforderung, der sich die Kommission in der Zukunft stellen muss, ist allerdings der bereits seit Jahren herrschende Rückbau der toxikologischen und arbeitsmedizinischen Lehrstühle in Deutschland, dessen spürbare Konsequenz ein ausgeprägter Nachwuchsmangel in diesen Forschungsfeldern ist.

Für die Ständige Senatskommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe geht mit der Plenarsitzung ein arbeitsreiches und erfolgreiches Jahr zu Ende, und sie blickt auf spannende und herausfordernde Themen, die in den kommenden Jahren den Arbeitsschutz als wissenschaftlich-gesellschaftliche Gesamtaufgabe beschäftigen werden.

Weiterführende Informationen:

Nachruf auf Prof. Gerhard Schlüter auf den Seiten der Fraunhofer-Gesellschaft

Weitere Informationen zur Bewertung von Aluminium auf den Seiten der DFG

und beim Ärzteblatt

Zum Selbstverständnis der Kommissionsarbeit