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Die Anfangsjahre des Bestehens

Sitzungen im kaiserlichen Kinderspielsaal des Berliner Schlosses

Das Berliner Schloss in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Im 2. Stockwerk rechts vom Eosanderportal lagen die Räume der Notgemeinschaft.
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Das Berliner Schloss in den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts. Im 2. Stockwerk rechts vom Eosanderportal lagen die Räume der Notgemeinschaft.

© berliner-schloss.de

Die Notgemeinschaft mietete für die Geschäftsstelle Räume im Berliner Schloss. Das Schloss, seit 1914 nur noch von Wachleuten und weiterem Personal besetzt, wurde ab 1918 gar nicht mehr vom Staat genutzt.

Neben dem Schlossmuseum zogen als neue Mieter Vereine und Institutionen ein – so auch die Kaiser-Wilhelm-Gesellschaft und ab 1925 der neu gegründete DAAD.

Das Arbeitszimmer von Friedrich Schmidt-Ott im Berliner Schloss
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Das Arbeitszimmer von Friedrich Schmidt-Ott im Berliner Schloss

© aus Zierold, Forschungsförderung in drei Epochen, 1968

F. Schmidt-Ott beschreibt in seiner Biographie „Erlebtes und Erstrebtes" das Arbeiten der Notgemeinschaft im Schloss:

„Nach vorübergehender Benutzung des zu meiner Verfügung stehenden Roosevelt-Zimmers der Staatsbibliothek gelang es mir, eine Reihe von Räumen im zweiten Stock des Schlosses, südlich vom Eosanderportal, zu gewinnen. Dort lag mein Zimmer zunächst dem Eingang, neben denen der Kollegen Schwoerer und Siegismund, mit denen ich in jederzeitigem Austausch über die uns bewegenden Fragen stand. Anschließend die übrigen Räume. Die mehr als achtzig Stufen zählende Wendeltreppe bot nicht gerade bequemen Aufstieg. Abwärts pflegte ich sie in schnellem Trabe zu erledigen. Der einzige Aufzug des Schlosses, der seinerzeit für die herzleidende Kaiserin eingebaut war, wurde erst nach längerer Zeit zu unserer Benutzung freigegeben. Dem lebhaften Besucherverkehr in der Notgemeinschaft bot diese Lage kein Hindernis. Der große Kinderspielsaal der kaiserlichen Prinzen gab sogar die Möglichkeit, wenigstens gelegentlich, einen Parlamentarischen Abend zu veranstalten, jederzeit aber Sitzungen des Hauptausschusses und Sitzungen unserer Ausschüsse und Kommissionen darin abzuhalten.“

Die Arbeit der Notgemeinschaft in den ersten Jahren ihres Bestehens

Notgemeinschaftsausschuss 1924 mit Fritz Haber (v.l.) und Max Planck (Mitte)
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Notgemeinschaftsausschuss 1924 mit Fritz Haber (v.l.) und Max Planck (Mitte)

© aus Zierold, Forschungsförderung in drei Epochen, 1968

Auf der Gründungssitzung am 30. Oktober 1920 wurde die Satzung beschlossen und das Präsidium gewählt, welches den Präsidenten Friedrich Schmidt-Ott umfasste und seine beiden Stellvertreter Walther v. Dyck und Fritz Haber.

Die Arbeitsweise der Notgemeinschaft war stark auf den Präsidenten und das Präsidium ausgerichtet: Jeder Antrag wurde bei der Geschäftsstelle gestellt, von dort dem zuständigen Fachausschuss zur Begutachtung übersandt und nach der Begutachtung dem Hauptausschuss vorgelegt. Der Hauptausschuss legte eine Stellungnahme vor; die letztendliche Entscheidung oblag dem Präsidium mit dem Präsidenten an der Spitze.

Die Verwaltung der Notgemeinschaft war sehr klein, bestand sie doch zunächst nur aus dem Präsidenten, zwei Referenten, einem Hilfs- und einem Büroarbeiter sowie zwei Sekretärinnen. Schon nach ihrer Gründung hatte die Notgemeinschaft fast 2.000 Anträge zu bearbeiten, eine Überweisung der Fördergelder konnte aber erst ab Sommer 1921 mit der endgültigen Freigabe der Reichsmittel erfolgen.

Die Notgemeinschaft legte ihren Förderschwerpunkt zunächst auf die Verbesserung der wissenschaftlichen Infrastruktur. Sie sah es als ihre wichtigste Aufgabe an, vor allem Universitäten bei der Beschaffung von ausländischer Literatur und Zeitschriften zu helfen. Weiterhin wurde die Anschaffung von Laboratorienbedarf und Versuchstieren unterstützt. Vom April 1922 bis März 1923 wurden laut des Zweiten Berichts der Notgemeinschaft 58 Anträge auf Forschungsstipendien bewilligt. Die Geisteswissenschaften waren mit einem Förderanteil von 57 Prozent besonders stark vertreten, da vor allem kulturpolitisch prestigeträchtige Wissenschaftsunternehmungen gefördert wurden. Erst ab Mitte der 1920er Jahre verschob sich das Verhältnis zugunsten der Naturwissenschaften und der Technik.

Die Tätigkeit des Bibliotheksausschusses

Zweiter Bericht der Notgemeinschaft, 1923
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Zweiter Bericht der Notgemeinschaft, 1923

© Zweiter Bericht der Notgemeinschaft, 1923

Oberste Priorität bei der Förderung lag für die Notgemeinschaft in der Auffüllung fehlender Bibliotheksbestände, vor allem bei ausländischen Zeitschriften. Für sämtliche deutsche Bibliotheken war die Zahl der ausländischen Zeitschriften von 3.000 vor dem Krieg auf 250 gesunken. Ein Kauf ausländischer Zeitschriften war aber durch die Schwäche der Mark im Ausland und der zunehmenden Inflation kaum möglich, so dass die Notgemeinschaft andere Wege finden musste, um den Bibliotheken zu helfen:

Privatpersonen, Bibliotheken im Ausland oder andere Institutionen spendeten Geld und Sachmittel der Notgemeinschaft mit dem Auftrag, die Mittel an bedürftige wissenschaftliche Einrichtungen weiterzureichen. So spendete beispielsweise die amerikanische Wohltätigkeitsorganisation "Rockefeller Foundation" Geld für den Kauf von amerikanischer und angelsächsischer medizinischer Literatur, wie dem Dritten Bericht der Notgemeinschaft 1923/1924 zu entnehmen ist.

Über die Beschaffung von Literatur durch Spenden hinaus entwickelte die Notgemeinschaft einen Zeitschriften-Tausch deutscher Wissenschaftler mit befreundeten ausländischen Fachkollegen. Die Notgemeinschaft erstellte eine Liste der Periodika, die ihr zur Verfügung standen, und diese Bestände konnten dann zum Tausch verwendet werden. Die Tausch-Aktion war ein großer Erfolg – im Geschäftsjahr 1922/1923 wies der Bibliotheksausschuss etwa 300 Tauschverbindungen aus, durch welche ca. 600 ausländische Zeitschriften beschafft werden konnten.

Die Notgemeinschaft richtete auf Vorschlag der Rockefeller Stiftung für die von ihr gespendeten ausländischen Zeitschriften Lesezirkel für ca. jeweils fünf Hochschulstädte ein: Die Zeitschriftenmappen lagen zwei Monate in einer Universität aus und wurden dann an die nächste Hochschule übergeben.

Weitere Informationen

Hinweise zur genutzten Literatur und den Fundorten