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Neunte Deutsch-Russische Nachwuchswoche zur Quantenphysik an der Lomonosov-Universität Moskau

(01.10.19) Ende September richteten die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) und der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) unter dem Dach des unter dem Dach des Deutschen Wissenschafts- und Innovationshauses (DWIH Moskau) die neunte „German-Russian Week of the Young Researcher“ aus. 50 Promovierende, Postdoktoranden und Professoren aus beiden Ländern stellten an der Lomonosov-Universität Moskau (MSU) ihre Forschungsansätze im Bereich der Quantenphysik vor. Zur Eröffnung wurden rund 70 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Gäste der Nachwuchswoche von MSU-Prorektor Prof. Dr. Andrej Fedjanin, der Ständigen Vertreterin des Deutschen Botschafters in Moskau, Beate Grzeski, sowie Dr. Michael Harms (DAAD) und Dr. Jörn Achterberg (DFG) begrüßt.

Die neunte Nachwuchswoche stand ganz im Zeichen des Deutsch-Russischen Themenjahrs der Hochschulkooperation und Wissenschaft 2018–2020. Das 2018 von den Außenministerien beider Länder angekündigte Themenjahr sowie die Deutsch-Russische Roadmap für die Zusammenarbeit in Bildung, Wissenschaft, Forschung und Innovation zielen darauf ab, die institutionelle Kooperation zwischen Universitäten und wissenschaftlichen Organisationen zu vertiefen – und die Deutsch-Russische Nachwuchswoche ist ein gutes Beispiel dazu, betonte Beate Grzeski in ihrem Grußwort. Bilaterale Veranstaltungen wie diese bieten Nachwuchswissenschaftlerinnen und -wissenschaftlern hervorragende Möglichkeiten zum Netzwerken, fügte Jörn Achterberg hinzu. Anschließend wurde die deutsche Delegation vom Dekan der Physikalischen Fakultät, Prof. Dr. Nikolaj Syssoew, zu weiteren Gesprächen empfangen.

Eröffnung der Deutsch-Russischen Nachwuchswoche an der Lomonosov-Universität, Moskau
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Eröffnung der Deutsch-Russischen Nachwuchswoche an der Lomonosov-Universität, Moskau

© DWIH/Sergey Teplyakov

Dr. Maria Chekhova aus dem Max-Planck-Institut für Physik des Lichts (Erlangen) führte mit ihrem Vortrag zu „Generation of Entangled Photons“ aus Sicht der Quantenoptik in die Thematik der Woche ein, Prorektor Fedjanin fügte mit seinem Vortrag zum Thema „Nonlinear and Tunable All-Dielectric Metasurfaces“ den Blick der Festkörperphysik hinzu. Zudem war die deutsche Seite mit Dieter Weiss (Regensburg), Isabelle Staude (Jena), Mario Agio (Siegen) und Nicolas Joly (Erlangen-Nürnberg) sowie 15 Doktoranden und Postdoktoranden aus Paderborn, Rostock und Berlin vertreten. Sie diskutierten mit ihren russischen Kollegen aus Moskau, St. Petersburg, Kasan, Nowosibirsk und Nizhnij Nowgorod zu Themen aus den Bereichen Photonik, Quantenoptik, Licht-Materie-Wechselwirkung in Nanostrukturen, Einzelphotonenquellen, Spintronik bis zu Quantencomputern und Quantenkommunikation.

Neben den Fachvorträgen, die verschiedenste Aspekte der Licht-Materie-Wechselwirkung in Quantensystemen beleuchteten, konnten Forscherinnen und Forscher aus beiden Ländern ihre Arbeiten in verschiedenen Formaten wie Diskussionsrunden und Postersitzungen vorstellen. Im Rahmen eines Runden Tisches regten Prof. Dr. Kulik (MSU) und Dr. Chekhova zu einer Diskussion an über die aktuell bekannt gewordenen Arbeiten zur Quantenüberlegenheit – die noch nicht veröffentlichten Daten sollen zeigen, dass ein auf Quantensystemen beruhender Computer Rechnungen durchführen kann, die ein derzeitiger Rechner nicht bewältigen kann. Den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Nachwuchswoche wurde auch ein Besuch des Zentrums für Quantentechnologien an der Lomonosov-Universität ermöglicht. Am 2017 gegründeten und von Prof. Dr. Kulik geleiteten Zentrum wird in Bereichen wie Quantenkryptografie, Quanteninformation und Quantensimulatoren geforscht.

Eines der Ziele der deutsch-russischen Nachwuchswochen ist es auch, die Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler über die breite Palette der bilateralen Forschungsförderprogramme zu informieren. Dazu luden die Veranstalter die im DWIH Moskau vertretenen deutschen Forschungs- und Förderorganisationen wie DAAD, DFG, Helmholtz-Gemeinschaft, Fraunhofer-Gesellschaft und die Freie Universität Berlin, die Universitätsallianz Ruhr und die Vertreterinnen der Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Thüringen ein. Im Rahmen eines Science Café konnten sich die Teilnehmerinnen und Teilnehmer über internationale Programme beraten lassen. Ihre Programme stellten auch die Partnerorganisationen der DFG, die Russian Foundation for Basic Research (RFBR) und die Russian Science Foundation (RSF), vor. Außerdem sah das Programm der Woche 2019 eine Sektion über Nachwuchsförderung vor. Dr. Astrid Evers, Gruppe Nachwuchsförderung, und Nadezhda Krasikova, DAAD-Außenstelle Moskau, berichteten über aktuelle Förderprogramme für Studierende, Promovierende und Postdocs.

Am Rande der Nachwuchswoche nahm die DFG-Delegation mit Dr. Cosima Schuster (Physik), Dr. Astrid Evers (Gruppe Nachwuchsförderung), Dr. Jörn Achterberg (Internationale Zusammenarbeit) und Mechthild Köhler an einem Workshop mit der Russian Science Foundation teil. Im Rahmen des Workshops tauschten die Partner ihre Erfahrung im Bereich der Nachwuchsförderung aus. Dr. Astrid Evers stellte das 2019 eingeführte Walter-Benjamin-Programm vor. Dr. Cosima Schuster (Gruppe Physik und Chemie) berichtete über Erfahrungen in der gemeinsamen Begutachtung und Anerkennung von Ergebnissen in internationalen Ausschreibungen mit Partnerorganisationen der DFG.

Grundlegendes Ziel des Formats der Nachwuchswochen ist eine breite Netzwerkbildung und die Intensivierung der Kooperation auf der Ebene des wissenschaftlichen Nachwuchses. Dabei greifen die Konferenzen interdisziplinäre und zukunftweisende Themen auf, die zugleich aktuelle Schwerpunkte oder Potenziale der bilateralen Zusammenarbeit zwischen Deutschland und Russland berücksichtigen. Die Nachwuchswochen wurden 2011 auf Initiative von DAAD und DFG im Rahmen des Deutsch-Russischen Jahres der Wissenschaft, Bildung und Innovation ins Leben gerufen und finden einmal pro Jahr an wechselnden Standorten mit wechselnden Themen in Russland statt. Veranstaltet werden die Wochen in Zusammenarbeit mit den bedeutendsten Universitäten und Forschungszentren des Landes (Moskau, St. Petersburg, Kazan, Jekaterinburg, Novosibirsk).

Bereits in der Vergangenheit hat die DFG erfolgreich mit der MSU zusammengearbeitet. Im Oktober 2018 unterzeichneten DFG-Präsident Peter Strohschneider und der Rektor der Lomonosov-Universität Viktor Sadovnichy im Rahmen der Eröffnung des allrussischen Wissenschaftsfestivals eine gemeinsame Absichtserklärung zum Ausbau der Zusammenarbeit. So organisierte die Physikalische Fakultät der Lomonosov-Universität gemeinsam mit der DFG am Vortag des Sommerempfangs einen DFG-MSU-Workshop zu „Funding Opportunities for Scientific Cooperation between Russia and Germany”. Außerdem richtete die DFG gemeinsam mit der MSU bereits dreimal Vorlesungen mit Leibniz-Preisträgern aus – zuletzt im Jahr 2017 an der Physikalischen Fakultät mit dem ehemaligen DFG-Vizepräsidenten Prof. Dr. Wolfgang Ertmer im Bereich der Quantenoptik. Das große wissenschaftliche Kooperationspotenzial der Hochschule spiegelt sich nicht zuletzt auch in den Förderstatistiken der DFG, die in den letzten zehn Jahren über 100 deutsch-russische Forschungsvorhaben, darunter auch zwei Internationale Graduiertenkollegs, an der Lomonosov-Universität förderte.

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