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DFG-Stipendiatin gewinnt internationalen Science Slam in San Francisco

(13.09.19) Die DFG-Stipendiatin Aline Gottlieb gewinnt mit ihrem 7-minütigen Beitrag den ersten internationalen Science Slam im Rahmen der Jahrestagung des German Academic International Network in San Francisco (USA). Sie zeigt, wie sich aufgrund von weniger körperlicher Aktivität in der Gesellschaft und durch eine zu hohe Kalorien/Zuckerzufuhr die nicht-alkoholische Fettlebererkrankung (NAFLD) rapide in der Weltbevölkerung ausbreitet.

DFG-Stipendiatin Aline Gottlieb auf der GAIN19 Jahrestagung

DFG-Stipendiatin Aline Gottlieb auf der GAIN19 Jahrestagung

© Barak Shrama Photography

Zum 20. Mal traf sich das German Academic International Network (GAIN) zu der zwischen Ost- und Westküste alternierenden Jahrestagung und zum ersten Mal standen bei der diesjährigen Tagung in San Francisco nicht nur die Spitzen der deutschen Forschungs- und Förderlandschaft, sondern auch Teile der Zielgruppe, nämlich Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, als Stars auf der Bühne. In einem Science Slam sollten sie ihre jeweilige Forschung auch einem Laienpublikum in unterhaltsamer Weise näherbringen und auf diese Weise auch darlegen, warum die von ihnen ausgegebenen, aber in der Regel aus öffentlichen Kassen finanzierten Forschungsmittel sinnvolle Investitionen in die Zukunft sind. Damit aus dem Wettbewerb ein internationaler würde, schrieb der Veranstalter den Wettbewerb in enger Zusammenarbeit mit dem ehemaligen DFG-Stipendiaten und GAIN-Beirat Martin R. Lichtenthaler in der gesamten Bay Area aus. Aus den eingegangenen 13 Bewerbungs-Videos wurden im Juli sieben ausgewählt, die sich dann in der Abschlussrunde auf der GAIN-Tagung mit jeweils 7-minütigen Beiträgen dem Publikum zur Bewertung stellten.

Die Entscheidung war deutlich. Die Preisträgerin Aline Gottlieb ist nicht nur eine ausgezeichnete Wissenschaftlerin mit einem derzeit von der DFG geförderten Forschungsaufenthalt an der John Hopkins University in Baltimore, sondern sie versteht es auch, die Relevanz ihrer Arbeit mit wenigen Strichen nachvollziehbar zu skizzieren, dem Publikum einen jeweils persönlichen Zugang zur Problematik zu ermöglichen und es schließlich mit einem optimistischen Ausblick zu entlassen. Jeder im Publikum erkannte „Herbert“, der von Dr. Gottlieb vorgestellte „Protagonist“ des Problems nicht-alkoholischer Fettlebererkrankungen (NAFLD). „Herbert“ isst was er mag, also eher ungesund, trinkt in Maßen Alkohol und er bewegt sich deutlich weniger als er eigentlich sollte. Die Folge unter anderem: Seine Leber verfettet. Das betrifft zwar mittlerweile 25% der Weltbevölkerung, ist aber alles andere als trivial, denn NAFLD fördert Entzündungen des Gewebes, diese wiederum Vernarbungen und, wenn es richtig dicke kommt, dann unumkehrbare Zirrhose und schließlich Krebs der Leber. In Zahlen bezogen auf die Bevölkerung Deutschlands: Bei 20 Mio. ließe sich NAFLD erkennen, bei 4 Mio. Entzündungen der Leber, 800.000 zeigten bereits Gewebevernarbungen an der Grenze zur Unumkehrbarkeit und Leberzirrhosen betreffen 200.000 Menschen. Derzeit gibt es weder effektive, kostengünstige Methoden der rechtzeitigen Erkennung von NAFLD, noch eine medikamentöse Therapie für dieses komplexe Erkrankungsbild. An beidem arbeitet Dr. Gottlieb derzeit in Baltimore und nach ihrer Rückkehr wird sie ihre Forschung an der Ruhr-Universität in Bochum fortsetzen. Sie hofft, NAFLD bald zuverlässig und kostengünstig erkennen und Betroffenen dann auch anders helfen zu können, als mit dem Ratschlag „EHMM“ für „Eat Healthy and Move More“. Bei „Herbert“ hatte letzteres allerdings schon geholfen. Nach der Diagnose NAFLD stellte er sein Leben in einigen Bereichen etwas um und er hat nun keine der 4 Mio. chronisch entzündeten Lebern in Deutschland. Diese gute Nachricht erleichterte es der Jury umso mehr, Dr. Gottlieb auf das Siegerpodest des ersten GAIN-Science Slams zu heben und ihr das Preisgeld von 1.000 Dollar zu überreichen.

Aline Gottlieb sitzt mit anderen Teilnehmern im Publikum des ersten GAIN-Science Slams

Aline Gottlieb sitzt mit anderen Teilnehmern im Publikum des ersten GAIN-Science Slams

© Barak Shrama Photography

Ja, zugegeben: Lebenswissenschaften, zumal die mit erkennbarer Translation haben bei solchen Wettbewerben einen strukturellen Vorteil, doch auch die anderen Wettbewerber zeigten dem Publikum, dass sich Forschungsprojekte durchaus allgemeinverständlich und unterhaltsam darstellen lassen. In Zeiten knapper werdender öffentlicher Ressourcen und entsprechend schärferer Verteilungskämpfe könnte sich das auszahlen, wie es auch die auf der GAIN-Tagung anwesende Delegation des Bundestagsausschuss für Bildung, Forschung und Technikfolgenabschätzung als ein Ergebnis des Science Slams bemerkt haben dürfte. Nicht zuletzt dadurch wurde die Veranstaltung zu einem gerade in den USA immer wieder gerne beschworenen „Win-Win-Win“.

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