Zur Hauptnavigation springen Direkt zum Inhalt springen

Logo: Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) - zur Startseite Deutsche Forschungsgemeinschaft

banner: Kopfbereich DFG2020 Logo - deutsch Für das Wissen entscheiden

Langfristige Projekte verdeutlichen Potenzial der deutsch-mexikanischen Kooperation

(08.07.19) Über die vergangenen Jahre hinweg hat sich Mexiko zu einem bedeutenden Partner in der Wissenschaftskooperation mit Deutschland entwickelt. Diese Annäherung wurde von der DFG und ihrem Lateinamerika-Büro begleitet und spiegelt sich in einer Reihe neuer Kooperationen mit mexikanischen Institutionen wider. Zur Stärkung und Intensivierung der Beziehungen besuchten Vertreterinnen und Vertreter der DFG im Mai die Partnerorganisation CONACYT (Consejo Nacional de Ciencia y Tecnología) sowie verschiedene Forschungseinrichtungen.

Im Rahmen eines Termins bei CONACYT lernte die DFG-Delegation das neu zusammengesetzte Team im Bereich internationale Zusammenarbeit kennen. Bei dieser Gelegenheit wurde das beiderseitige Interesse an der Kooperation bekräftigt, die auf einer 1991 unterzeichneten und 2014 verlängerten Vereinbarung basiert. Unter den zahlreichen gemeinsamen Initiativen in diesem Zeitraum ist insbesondere das erfolgreiche Internationale Graduiertenkolleg „Zwischen Räumen – Entre Espacios“ hervorzuheben, das von den beiden Organisationen über neun Jahre hinweg bilateral gefördert wurde. Im Rahmen des 2018 abgeschlossenen Projekts unter Beteiligung mexikanischer und deutscher Forschender aus den Geistes- und Sozialwissenschaften wurden insgesamt 122 Doktorandinnen und Doktoranden in beiden Ländern ausgebildet (ausführliche Informationen dazu weiter unten).

Projektbeteiligte des IGK „Zwischen Räumen – Entre Espacios“

Projektbeteiligte des IGK „Zwischen Räumen – Entre Espacios“

© Entre Espacios

Die gemeinsame Förderung solcher komplexen und langfristigen Projekte endet damit jedoch nicht: Noch in diesem Jahr wird das neue deutsch-mexikanische Graduiertenkolleg „Temporalities of Future in Latin America: Dynamics of Aspiration and Anticipation“ eingerichtet – die zweite Initiative dieser Art, die von der DFG und CONACYT gemeinsam gefördert wird. Das neue Graduiertenkolleg ist ebenfalls im geisteswissenschaftlichen Bereich angesiedelt und wird kommenden Oktober in Mexiko-Stadt offiziell eröffnet.

Neben dem Besuch bei CONACYT umfasste die Reise nach Mexiko auch Termine bei Bildungs- und Forschungseinrichtungen mit etablierten Verbindungen zu Deutschland. Dazu zählen unter anderem das Colegio de Mexico (COLMEX), das Zentrum für Forschung und weiterführende Studien (Centro de Investigación y de Estudios Avanzados – CINVESTAV) sowie die Autonome Universität Mexikos (UNAM). Die dort geführten Gespräche ermöglichten die Abstimmung gemeinsamer Aktivitäten und die Erkundung von Potenzial für zukünftige Initiativen.

„Zwischen Räumen – Entre Espacios” – ein Beispiel für den Erfolg deutsch-mexikanischer Kooperation

Die Einrichtung des Internationalen Graduiertenkollegs „Zwischen Räumen – Entre Espacios“ war ein wichtiger Meilenstein für die DFG, denn es war das erste koordinierte Projekt, das zusammen mit einer Partnerorganisation in Lateinamerika gefördert wurde. Nach Abschluss der letzten Förderphase im vergangenen Jahr kann nun Bilanz gezogen werden: Seit Projektbeginn im Jahr 2009 wurden insgesamt 122 mexikanische und deutsche Promovierende ausgebildet, und aus den Teilprojekten gingen 198 Publikationen hervor.

Das am Lateinamerika-Institut der Freien Universität Berlin (FU Berlin) und am COLMEX angesiedelte Projekt hat außerdem zum Aufbau eines umfangreichen internationalen Netzwerks von Geistes- und Sozialwissenschaftlern beigetragen, an dem auch Forschende anderer Institutionen wie der Universität Potsdam, der Humboldt-Universität zu Berlin und der UNAM in Mexiko beteiligt sind.

„Dieses Projekt wurde nur durch die enge Zusammenarbeit von Forschenden aus der ganzen Welt möglich, die an mexikanischen und deutschen Institutionen tätig sind. Der Grundsatz der gleichberechtigten Zusammenarbeit über einen relativ langen Zeitraum hinweg hat sich dabei als sehr effektiv erwiesen“, lautet die Einschätzung von Prof. Dr. Stefan Rinke, Forscher an der FU Berlin und Projektkoordinator auf deutscher Seite.

Für die Bearbeitung des Themas – Globalisierungsräume aus der Perspektive Lateinamerikas – ist die internationale Zusammensetzung der Beteiligten ideal. Der Globalisierungsprozess veranlasste sowohl die Geistes- als auch die Sozialwissenschaften zur Erforschung der Bewegungen, die Räume der Vernetzungen und Raumordnungen formen und verändern. Im Laufe der Jahrhunderte haben verschiedene Bewegungen und Akteure kontinuierlich neue Handlungs- und Interaktionsräume sowie transnationale und transregionale Verbindungen in Lateinamerika, auf dem gesamten amerikanischen Kontinent und weltweit geschaffen. Das Forschungsprogramm konzentrierte sich auf diese Bewegungen, Akteure und Repräsentationen.

„Zuerst analysierten wir dieses Phänomen aus lateinamerikanischer Sicht. In einem nächsten Schritt untersuchten wir diese Dynamiken unter Berücksichtigung ihrer historischen Wurzeln, die auf den Beginn des europäischen Kolonialismus im 15. Jahrhundert zurückgehen. Wir haben uns gefragt: Wer waren die in Globalisierungsprozessen aktiven Personen, wer und was hat die Grenzen überschritten und wie wurden diese Prozesse in verschiedenen Medien dargestellt?“, erläuterte Prof. Dr. Carlos Alba Vega, Professor am COLMEX und mexikanischer Projektkoordinator.

Im Rahmen des Internationalen Graduiertenkollegs sollte ein breiteres Verständnis des Globalisierungsprozesses und dessen Relevanz für Lateinamerika erreicht werden. Erforscht wurde die Bedeutung der Globalisierung über fünf Jahrhunderte hinweg in Bezug auf Geschlecht, verschiedene soziale Schichten und ethnische Gruppen.

Zur Bearbeitung der Themen waren 20 renommierte Forschende aus den Fächern Geschichte, Anthropologie, Politik, Literatur, Wirtschaft und Kultur eingebunden, die ein entsprechendes Ausbildungs- und Betreuungsprogramm für Promovierende aus Deutschland und Mexiko erarbeiteten. Dabei konnte ein Teil der Forschungsarbeit in einem sechs- bis zwölfmonatigen Aufenthalt an der Partnereinrichtung im Ausland und unter beiderseitiger Betreuung durchgeführt werden.

Weitere Informationen