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Erstes Synthesezentrum für Biodiversität in Lateinamerika eröffnet neues Kooperationspotenzial

(18.10.18) Eine Welt mit umweltbezogenen, sozialen und wirtschaftlichen Problemen erfordert zunehmend nachhaltige Lösungen – dafür sind Kooperationen verschiedener Wissenschaftsbereiche sowie die Neuordnung, Zusammenführung und Synthese wissenschaftlicher Daten aus verschiedenen Quellen eine wichtige Grundlage.

Publikum des Workshops am Institute for Advanced Studies (IEA) der USP

Publikum des Workshops am Institute for Advanced Studies (IEA) der USP

© Leonor Calasans / IEA-USP

In diesem Zusammenhang spielt die Einrichtung von Analyse- und Synthesezentren eine wichtige Rolle, denn sie fungieren als effizientes Werkzeug zur Ermittlung und Integration von Daten. Dadurch können regional begrenzte Informationen oft besser ausgewertet und eine Basis für die Erarbeitung effektiver politischer Maßnahmen und Lösungsvorschläge geschaffen werden.

Ein Konsortium bestehend aus brasilianischen Förderagenturen und weiteren in- und ausländischen Organisationen wird noch in diesem Jahr ein Synthesezentrum für den Bereich Biodiversität und Ökosystemdienstleistungen (SinBiose) eröffnen – die erste Initiative dieser Art in Lateinamerika. Dem brasilianischen Ministerium für Wissenschaft, Technologie, Innovation und Kommunikation (MCTIC) zufolge wurden von den insgesamt bereitgestellten 1 Million Real für die Anfangsphase des Zentrums bereits 300.000 Real freigegeben.

Einzelheiten zu dem Vorhaben wurden im Rahmen eines Workshops am 24. September am Institute for Advanced Studies (IEA) der Universität São Paulo (USP) bekanntgegeben, an dem auch Dr. Kathrin Winkler, Leiterin des DFG-Büros Lateinamerika, sowie Vertreterinnen und Vertreter anderer Förderorganisationen weltweit teilnahmen.

„Das neue Synthesezentrum soll bereits existierende Daten aus lösungsorientierten Projekten – sei es zu einem Einzugsgebiet oder einer Stadt – zusammenbringen und dadurch zur Weiterentwicklung und Umsetzung entsprechender Maßnahmen beitragen“, erläuterte der Organisator der Veranstaltung, Prof. Carlos Alfredo Joly vom Institut für Biologie an der Bundesstaatlichen Universität Campinas (UNICAMP) und Koordinator des BIOTA-Programms der DFG-Partnerorganisation FAPESP im Bundesstaat São Paulo.

Anwesende Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler stellten bestehende Synthesezentren in den USA, Kanada, Großbritannien und Deutschland vor, darunter auch das Synthesis Centre for Biodiversity Sciences (sDiv) in Leipzig. Die Einrichtung gehört zu den von der DFG finanzierten Forschungszentren und hat in der aktuellen Förderphase (2012-2020) neun Mio. Euro jährlich zur Verfügung.

Anders als das neu entstehende Zentrum in Brasilien, widmet sich das sDiv nicht vornehmlich Lösungsansätzen für soziale Fragestellungen. „Für die Projekte muss allerdings ein umfassendes Konzept vorliegen: Untersucht man beispielsweise Biota von Böden, wären dabei nicht nur Biologen und Ökologen beteiligt, sondern auch Forschende, die sich mit geografischen und bodenchemischen Aspekten befassen oder die neue, bislang ungenutzte Daten zur Analyse heranziehen“, erklärte Prof. Marten Winter, wissenschaftlicher Leiter des sDiv.

Nach Winklers Einschätzung dürfte die Entstehung eines ähnlichen Zentrums in Brasilien, gefördert durch die DFG-Partnerorganisationen CNPq und FAPESP, Perspektiven für neue deutsch-brasilianische Forschungskooperationen oder möglicherweise sogar für eine institutionelle Partnerschaft zwischen SinBiose und sDiv eröffnen. „Brasilien hat ein enormes Potenzial an Biodiversität und verfügt über umfassende Expertise zum Thema. Für Forschende aus Deutschland wäre es mit Sicherheit von großem Interesse, die Zusammenarbeit in diesem Bereich auszubauen“.