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Besuch der DFG-Generalsekretärin in Mexiko

Auf dem Weg zu einer engeren deutsch-mexikanischen Forschungskooperation

(13.06.17) Eine Universität mit 340.000 Studierenden und 40.000 akademischen Angestellten, eine langjährige Kooperation mit der besten Ausbildungs- und Forschungseinrichtung in den Geistes- und Sozialwissenschaften Mexikos sowie der Besuch einer führenden mexikanischen Forschungs- und Graduierungseinrichtung bildeten den beeindruckenden Rahmen für die Reise der DFG-Generalsekretärin Dorothee Dzwonnek nach Mexiko. Zusammen mit der Leiterin der Abteilung für fachliche Angelegenheiten in der Forschungsförderung der DFG, Dr. Annette Schmidtmann, konnte sie sich während ihres mehrtägigen Aufenthaltes Ende Mai ein Bild von der dortigen Wissenschaftslandschaft machen.

Treffen mit dem Generalsekretär der UNAM, Leonardo Lomelí (v.l.n.r): Javier Gutierrez, Frederico Christlieb, Christina Siebe, Carlos de la Hoz, Lomelí, Dorothee Dzwonnek, Annette Schmidtmann, Dietrich Halm und Kathrin Winkler
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Treffen mit dem Generalsekretär der UNAM, Leonardo Lomelí (v.l.n.r): Javier Gutierrez, Frederico Christlieb, Christina Siebe, Carlos de la Hoz, Lomelí, Dorothee Dzwonnek, Annette Schmidtmann, Dietrich Halm und Kathrin Winkler

© DFG

Dabei erwartete sie ein vielseitiges Programm, bei dem eine plenare Veranstaltung in der Nationalen Autonomen Universität von Mexiko (UNAM) den Auftakt der Reise bildete. Neben Vertretern der Universitätsleitung waren rund 30 Direktorinnen und Direktoren der etwa 50 verschiedenen Institute und Zentren der UNAM zusammengekommen, um sich über die DFG und deren Fördermöglichkeiten zu informieren und mit der deutschen Delegation in einen Diskurs über Kooperationsmöglichkeiten zu treten. Das Gespräch mit den Forscherinnen und Forschern der UNAM hat gezeigt, dass es teils sehr weitgehende bilaterale Forschungskooperationen gibt, sei es in den Meereswissenschaften, in den Lebenswissenschaften, in der Biodiversitätsforschung, in der Physik, in den Rechtswissenschaften oder in verschiedenen Bereichen der Geisteswissenschaften. Beide Institutionen vermittelten großes Interesse, die Impulse aufzugreifen und mit einem bilateralen Workshop, zu dem Forscherinnen und Forscher mit ausgeprägten Kooperationen aus beiden Ländern eingeladen werden sollen, den Weg für eine beidseitige Forschungsförderung zu ebnen.

„Zwischen Räumen – Entre Espacios“ – so lautet der Titel des ersten bilateralen Graduiertenkollegs in Lateinamerika, das sich seit seiner Einrichtung im Jahr 2009 zu einem Vorzeigeprojekt entwickelt hat. Während eines Symposiums am Colegio de Mexico (COLMEX), einer wichtigen Ausbildungs- und Forschungseinrichtung in den Sozial- und Geisteswissenschaften, stellten Prof. Dr. Marianne Braig von der FU Berlin, Ko-Sprecherin auf deutscher Seite, sowie Prof. Dr. Carlos Alba vom COLMEX und Sprecher auf mexikanischer Seite, das Projekt und seine Errungenschaften vor. Während der bisherigen achtjährigen Förderzeit wurden mehr als 80 Doktorandinnen und Doktoranden zu dem Thema ausgebildet, 40 von jeder Seite. In ihren Grußworten betonte DFG-Generalsekretärin Dzwonnek den großen Stellenwert, den „Entre Espacios“ in einem interdisziplinären Ansatz mit Einflüssen aus den Geschichtswissenschaften, der Kulturanthropologie, den Literaturwissenschaften, den Politikwissenschaften sowie den Wirtschaftswissenschaften und der Soziologie für die sozial- und kulturwissenschaftliche Globalisierungsforschung eingenommen hat: „‚Entre Espacios’ verdeutlicht auch, dass Globalisierungsprozesse nicht nur kommerzielle und finanzielle Flüsse erzeugen, sondern auch einen neuen Wissensfluss. Man kann die Analogie auch einen Schritt weiterführen und das Graduiertenkolleg selbst als zwischen den Räumen angesiedelt ansehen – zwischen den Räumen Lateinamerikas und Europas. Es fällt leicht, dann Ihrer Definition zu folgen, die besagt, dass Grenzen weniger Barrieren darstellen, sondern eher Domänen eines intensivierten kulturellen Austauschs sind.“ Im Anschluss an die Veranstaltung führten die DFG-Generalsekretärin und die Präsidentin des COLMEX, Prof. Dr. Silvia Giorguli, ein Gespräch zur Vertiefung der institutionellen Beziehungen und des gegenseitigen Verständnisses.

Wissenschaftliche Veranstaltung am COLMEX mit Präsentation des Internationalen Graduiertenkollegs „Zwischen Räumen“ (v.l.n.r.): Teresa Pérez, Julia Tagüeña, Arturo Borja, Dorothee Dzwonnek, Silvia Giorguli, Manuel Perló, Marianne Braig, Carlos Alba u
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Wissenschaftliche Veranstaltung am COLMEX mit Präsentation des Internationalen Graduiertenkollegs „Zwischen Räumen“ (v.l.n.r.): Teresa Pérez, Julia Tagüeña, Arturo Borja, Dorothee Dzwonnek, Silvia Giorguli, Manuel Perló, Marianne Braig, Carlos Alba und Augustin Escobar

© CONACYT

Dzwonnek und Schmidtmann zeigten sich ebenso beeindruckt von der hervorragenden Forschungsinfrastruktur und hohen wissenschaftlichen Qualität am Zentrum für Forschung und Höhere Studien (CINVESTAV). In einer zweieinhalbstündigen Veranstaltung informierten sie über den Wissenschaftsstandort Deutschland und die Fördermechanismen der DFG. Dabei wurde besonderes Augenmerk auf die Förderung des wissenschaftlichen Nachwuchses und der internationalen Kooperation im Rahmen von Postgraduierungsprogrammen gelegt. Zwölf Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler aus den Natur- und Lebenswissenschaften stellten im Anschluss ihre Forschungsfelder in Kooperation mit deutschen Partnern vor. Mittels gemeinsamer wissenschaftlicher Workshops sollen die Kooperationen mit Potenzial für deutsch-mexikanische Forschungsprojekte in Zukunft vertieft werden, die auf Grundlage bestehender Abkommen mit den mexikanischen Förderinstitutionen finanziert werden könnten.

Wissenschaftliche Veranstaltung am CINVESTAV mit Vorstellung der Institution, der DFG und der Forschungsaktivitäten einzelner Forschenden in Kooperation mit Deutschland
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Wissenschaftliche Veranstaltung am CINVESTAV mit Vorstellung der Institution, der DFG und der Forschungsaktivitäten einzelner Forschenden in Kooperation mit Deutschland

© CINVESTAV

Eine langjährige Partnerorganisation der DFG ist der Nationale Forschungs- und Technologierat (CONACYT), mit dem seit 1991 ein Abkommen besteht, das 2014 erneuert wurde. Der Direktor des CONACYT, Enrique Cabrero, und Dorothee Dzwonnek unterstrichen die große Bedeutung der Zusammenarbeit beider Organisationen für die deutsch-mexikanische Forschungskooperation und vermittelten das gegenseitige Interesse, die langjährige Partnerschaft weiter auszubauen. Themen des Gesprächs waren der aktuelle Stand der gemeinsamen Ausschreibung für bilaterale Projekte in Chemie, Physik, Biologie, den Geowissenschaften und den Geistes- und Sozialwissenschaften aus dem letzten Jahr sowie die Verstetigung dieses Kooperationsinstruments in den nächsten Jahren.

Treffen mit dem Präsidenten des CONACYT, Enrique Cabrero (v.l.n.r.): Christina Siebe, Lorena Archundia, Rodrigo Bueno, Julia Tagüeña, Cabrero, Dorothee Dzwonnek, Annette Schmidtmann, Kathrin Winkler und Arturo Borja

Treffen mit dem Präsidenten des CONACYT, Enrique Cabrero (v.l.n.r.): Christina Siebe, Lorena Archundia, Rodrigo Bueno, Julia Tagüeña, Cabrero, Dorothee Dzwonnek, Annette Schmidtmann, Kathrin Winkler und Arturo Borja

© DFG

Zudem wurde auch hier über Möglichkeiten der gemeinsamen Finanzierung von koordinierten Programmen gesprochen.

Abgerundet wurde der Besuch der Generalsekretärin mit einer von Prof. Dr. Wolfgang Stinnesbeck von der Universität Heidelberg geführten Tour zur Geoarchäologie und Paläontologie auf der Halbinsel Yucatán, zu dem auch die Besichtigung eines Forschungslabors in Playa del Carmen und eines kleinen Forschungsmuseums in Dos Ojos gehörte. Dieser Programmpunkt ermöglichte Dzwonnek einen praktischen Einblick in aktuell DFG-geförderte Projekte, in deren Rahmen die Entwicklung der Megafauna zum Ende der Eiszeit untersucht wird und die Unterwasserhöhlen der Yucatán-Halbinsel für prähistorische Funde eine ganz wesentliche Rolle spielen.

Besuch des paläontologischen Museums in Dos Ojos mit wissenschaftlicher Präsentation durch Eugenio Aceves

Besuch des paläontologischen Museums in Dos Ojos mit wissenschaftlicher Präsentation durch Eugenio Aceves

© DFG

Laut Dzwonnek bedeutet der Besuch der verschiedenen mexikanischen Einrichtungen einen großen Fortschritt zur Vertiefung der Forschungskooperation beider Länder, der neue Impulse gesetzt hat: „Es geht darum, Kooperationen ins Leben zu rufen, zu fördern, neue Wege zu erkunden, sodass Forscherinnen und Forscher auf beiden Seiten des Atlantiks ihre Ideen teilen und so möglicherweise ganz neue und unvorhersehbare Fragestellungen entwickeln.“