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Neues aus der Würzburger Borchemie: Leibniz-Lectures von Prof. Holger Braunschweig in Chennai und Bangalore

(11.09.19) Das sind die Momente, in denen Chemikerinnen und Chemiker die Luft anhalten. Und nicht etwa, weil giftige Gase ausgeströmt sind, sondern weil sich wichtige neue Erkenntnisse ankündigen. Wenn ein chemisches Element in bisher nicht untersuchten Verbindungen plötzlich ganz neue Eigenschaften aufweist. Wenn diese Eigenschaften wichtige Konsequenzen für eine ganze Reihe chemischer Prozesse nach sich ziehen. Wenn sie dabei verbreitete Annahmen über ganze Elementgruppen umstoßen, und dazu noch die Hoffnung auf neue molekulare Verbindungsklassen und deren Anwendung in Katalyse und Materialwissenschaften wecken.

Von Entdeckungen dieser Art handelten die beiden Vorlesungen, die der Leibnizpreisträger Prof. Dr. Holger Braunschweig (Universität Würzburg) im August 2019 in Südindien hielt. Die Reise auf Einladung der DFG, an der auch zwei Würzburger Postdoktoranden – Dr. Tom Stennett und Dr. Conor Pranckevicius – teilnahmen, führte nach Chennai und Bangalore. Die beiden Top-Universitäten IIT Madras und IISc Bangalore fungierten als lokale Gastgeber für die beiden „Leibniz Lectures“, in denen Braunschweig vor Fachpublikum über die neuesten Entdeckungen seiner Würzburger Arbeitsgruppe in der Borchemie berichtete. Der Vortrag mit dem Titel „Borametallomimetics – Activation of Small Molecules by Low-valent Boron Species“ thematisierte Borverbindungen, in denen das Element sich ähnlich wie Übergangsmetalle verhält und – wie letztere – bestimmte Aktivierungsprozesse ermöglicht, die man bisher aus der Borchemie nicht kannte. Diese Verbindungen – Borylene, Diborene und Diborine – erlauben nicht nur eine Neubewertung des Elements Bor und seiner chemischen Möglichkeiten, sondern geben die Sicht frei auf neue Moleküle, die nicht zuletzt der Materialforschung sowie der Katalyse interessante neue Impulse geben könnten. In Chennai und Bangalore stießen die Lectures bei Forschenden und Studierenden auf großes Interesse.

„Für die DFG sind Leibniz Lectures eine sehr gute Möglichkeit, die Leistungsfähigkeit des deutschen Wissenschaftssystems aufzuzeigen – und gleichzeitig noch neue internationale Kooperationen anzustoßen“, so Matthias Kiesselbach, Leiter des Indienbüros der DFG. Mit zusammen über 400 Zuhörern und unzähligen Gesprächen zwischen den Gästen und Angehörigen der indischen Institute scheinen die Pläne aufgegangen zu sein.

Auch Holger Braunschweig ist zufrieden: „Indien ist ein spannendes Land mit ganz hervorragenden Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern. Die Städte Chennai und Bangalore mit ihren großartigen Forschungseinrichtungen kannte ich bisher noch nicht – und muss sagen: ich bin sehr beeindruckt von dem, was ich auf der Vortragsreise gesehen habe.“ Dass Braunschweig weiterhin eng mit indischen Kolleginnen und Kollegen zusammenarbeitet, steht für ihn fest. „In der chemischen Grundlagenforschung gehören indische Institute heute klar zur Weltspitze, und so habe ich allen Grund, mich für indisch-deutsche Kooperationen und auch für Postdocbewerbungen aus Indien für meine Würzburger Arbeitsgruppe zu interessieren.“

Hinweis

Zurzeit (Sept 2019) läuft eine DFG-DST-Ausschreibung für dreijährige Forschungsprojekte in den Fächern Chemie, Mathematik und Physik.