Aktuelles aus der DFG – aus aktuellem Anlass zu politischen Fragen

DFG-Präsident Strohschneider nimmt Stellung zu aktuellen politischen Fragen / Präsentation ausgewählter Ergebnisse der „Nachwuchsstudie“

DFG-Präsident Peter Strohschneider nahm sich am Samstagmorgen nochmals Zeit für die Emmy Noether-Geförderten
DFG-Präsident Peter Strohschneider nahm sich am Samstagmorgen nochmals Zeit für die Emmy Noether-Geförderten
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Die Diskussion beim wissenschaftspolitischen Abend zeigte deutlich den Diskussionsbedarf der Geförderten vor allem zum Pakt für den wissenschaftlichen Nachwuchs – diesen Bedarf nahm DFG-Präsident Professor Peter Strohschneider zum Anlass, sein mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmer am Samstagmorgen über dessen mögliche Wirkungen und die wissenschaftspolitische Lage mit Blick auf den wissenschaftlichen Nachwuchs allgemein zu diskutieren.

„‚Nachwuchs‘ ist eine in vieler Hinsicht problematische Metapher“, begann er seine Ausführungen. In der Sache verbinden sich mit ihr derzeit vor allem „politische Catchwords“ wie „Prekarisierung des akademischen Mittelbaus“. Allerdings sei die „Nachwuchskrise“ in Deutschland – anders als in den USA, wo vor allem die Promovierenden betroffen sind – weniger eine Doktoranden- als vor allem eine Postdoktoranden-Krise. Diese Krise resultiere im Grundsatz aus drei langfristigen Prozessen: der flächendeckenden Befristung des akademischen Mittelbaus seit den 1980er-Jahren, dem Abbau der Grundfinanzierung zugunsten von Drittmitteln und der sprunghaften Expansion der Personalstellen durch die Exzellenzinitiative. All dies habe zu einem übergroßen Anteil an befristeten Stellen geführt. „Es herrscht ein breiter wissenschaftspolitischer Konsens, dass es mehr Dauerstellen für Daueraufgaben geben muss“, sagte Strohschneider und zeigte Handlungsfelder auf: dritte Wege unterhalb der Professur, überhaupt eine Differenzierung der Personalstruktur; akademische Karrieren mit sozialer Planbarkeit auch ohne Professur; mehr Sicherheit in den Karrierewegen und schließlich auch mehr Professuren.

Er hob in diesem Kontext zwei Vorschläge der Jungen Akademie positiv hervor: eine kostenneutrale Abschaffung des Lehrstuhlprinzips und die Einrichtung einer „Bundesprofessur“. Die Idee der Bundesprofessur umfasst die Etablierung von 1.000 Professuren, die der Bund dauerhaft finanziert. Individuelle Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler sollen sich auf diese bei freier Standortwahl bewerben können und nach Exzellenzkriterien ausgewählt werden. In Sachen Nachwuchspakt forderte Strohschneider erneut das Publikum auf, diesen Wettbewerb der Universitäten durch Einmischung bei den einzureichenden Konzepten aktiv mitzugestalten. Als wichtige Punkte sprach er an, dass der Nachwuchspakt kein Nullsummenspiel zu Lasten anderer Professuren sein dürfe – die vorgesehenen Dauerprofessuren müssten tatsächlich zusätzlich ins System kommen. Außerdem müsse Chancengleichheit zwischen den im Nachwuchspakt Geförderten und den aus anderen Programmen finanzierten Nachwuchsgruppenleiterinnen und -leitern gewährleistet sein. Und zwar beim Zugang zu den Tenure-Track-Stellen wie auch bei der Berufung auf die hoffentlich von den Ländern finanzierten zusätzlichen Dauerstellen.

Wissenschaftszeitvertragsgesetz, Fachkollegienwahlen, Förderung von Flüchtlingen und mehr

Ulrike Eickhoff berichtet Aktuelles aus der DFG
Ulrike Eickhoff berichtet Aktuelles aus der DFG
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Dr. Ulrike Eickhoff, Leiterin der DFG-Abteilung „Programm- und Infrastrukturförderung“, ging in der Folge auf das Wissenschaftszeitvertragsgesetz ein. Sie wies auf eine von der DFG erarbeitete Handreichung hin, die das Gesetz erläutert und mögliche Handlungsweisen für den Umgang mit ihm aufzeigt. Sie verwies außerdem auf die Internetressourcen zu den Themen, die sie aufgrund des geänderten Programms nur kurz ansprechen konnte. Darunter waren die Fachkollegienwahl 2015 sowie Informationen zur Förderung von Flüchtlingen in der Wissenschaft.

Zahlen zum Emmy Noether-Programm / Ausgewählte Ergebnisse der Nachwuchsstudie

Die aktuellen Neuigkeiten aus der DFG fanden viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer
Die aktuellen Neuigkeiten aus der DFG fanden viele interessierte Zuhörerinnen und Zuhörer
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Eickhoff berichtete auch von der Entwicklung der Zahlen im Emmy Noether-Programm: Die Nachfrage ist in den vergangenen Jahren gestiegen, und seit 2014 hat sich auch die Förderquote wieder erhöht. Diese lag 2015 bei 26 Prozent. Insgesamt gab es im vergangenen Jahr 234 Anträge und 61 Bewilligungen.

Statistisch ging es weiter: Richard Heidler aus der Gruppe Informationsmanagement stellte die Emmy Noether-bezogenen Auswertungen der von den Geförderten vor zwei Jahren angeregten Studie zu Karrierewegen in der Wissenschaft vor. Die detaillierte Auswertung der Biografien der Geförderten zeigte anhand der Kohorte 2007/2008, dass fast alle in dem Programm Geförderten im Wissenschaftssystem bleiben. Sie gab Auskunft über Habilitationen, die akademische Herkunft und die Ziele der Geförderten und belegte, dass sich der Karriereerfolg in Form einer Professur oder Ähnlichem mit großer Wahrscheinlichkeit einstellt. Auch Unterschiede zu den abgelehnten Bewerberinnen und Bewerbern wurden deutlich – in dieser Gruppe verließen mehr Menschen, insbesondere Frauen, das Wissenschaftssystem oder blieben in tieferen Karrierestufen „stecken“. Insgesamt zeigt die Studie, dass die im Emmy Noether-Programm Geförderten sehr gute Chancen haben, Professuren zu erlangen und das Wissenschaftssystem zu bereichern.

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